Lesenswerte Bücher

Jörg Knoblauch: Die Personalfalle. Schwaches Personalmanagement ruiniert Unternehmen, Campus-Verlag, Frankfurt/New York 2010. Gebunden, 222 Seiten, ISBN 978-3-593-39089-5, 29,90 Euro.

Gute Mitarbeiter sind ein Erfolgsfaktor

Nicht optimierte Prozesse, Innovationen, maximale Maschinenauslastung und ausreichende Liquidität sind die Garanten dafür, dass ein Unternehmen sich erfolgreich am Markt behauptet, sondern seine Mitarbeiter.

Für Professor Jörg Knoblauch vermag allein ein schwaches Personalmanagement Betriebe zu ruinieren. In seinem Buch „Die Personalfalle“ versucht er nicht nur zu erklären, warum das so ist, sondern liefert anhand von plastischen Beispielen aus seiner langjährigen Praxis als Unternehmer und Unternehmensberater das Rezept, um sich aus der Falle zu befreien oder besser erst gar nicht hineinzutappen. „Die besten Mitarbeiter für den jeweiligen Job sind jetzt und in Zukunft der einzige Garant für das dauerhafte Überleben Ihres Unternehmens, während auf der anderen Seite unfähige Mitarbeiter Ihre Firma ruinieren. Übersehen Sie diese Entwicklung, und Sie sind demnächst pleite!“ liest Knoblauch seinen Lesern die Leviten.

Den Text finden Sie unter http://buecher-geld-business.suite101.de/article.cfm/joerg-knoblauch---die-personalfalle



Paul Lendvai: Mein verspieltes Land. Ungarn im Umbruch; Ecowin-Verlag, Salzburg 2010, ISBN 978-3-902404-94-7, 23,60 Euro.

Eine verführbare Nation

Als Konsequenz aus der wechselvollen Geschichte Ungarns seit dem Fall des Eisernen Vorhangs hat der Journalist und Historiker Paul Lendvai die Beschneidung der Pressefreiheit schon lange kommen sehen.

Auch nach mehrmaligen Veränderungen am Mediengesetz, das die Regierung Orbán am 18. Dezember 2010 verabschiedet hat, kann die EU damit nicht zufrieden sein. Was die europäischen Partner überrascht hat, ist für den profunden Ungarnkenner Paul Lendvai alles andere als plötzlich passiert. In seinem Buch „Mein verspieltes Land. Ungarn im Umbruch“ analysiert er das Erstarken Viktor Orbáns und seiner erst 1988 gegründeten Partei Fidesz vor dem Hintergrund der jüngeren ungarischen Geschichte. Als Grundübel für die politische und ökonomische Instabilität des Landes nach dem Zusammenbruch des Kommunismus und der Entstehung einer parlamentarischen Demokratie macht er zunächst das Fehlen einer geschlossenen Opposition verantwortlich. Im Gegensatz zu Polen, wo die Solidarnosc als deutlich positionierte Gegenmacht auftrat, war die Opposition in Ungarn gespalten. Auf der einen Seite standen die radikalen Antikommunisten, auf der anderen die national-konservativen Demokraten.
Koalitionsversuche zwischen unversöhnlichen Gegnern hat es immer wieder gegeben. Um so erstaunlicher war es, dass Ungarn sich nach der Transformation zunächst trotz der in ein und der selben Regierung vertretenen Gegensätze als wirtschaftspolitisches Reformmusterland darstellte. Vor allem im Ausland genoss es zur Zeit der sozial-liberalen Koalition unter Gyula Horn großes Vertrauen.
Dann wurde die Politik für vier Jahre von Viktor Orbán und seiner Fidesz-Partei dominiert (1998 bis 2002). Orbán, mit 35 Jahren der jüngste Ministerpräsident in der Geschichte Ungarns, bescheinigt der Autor einen unbändigen Machtwillen und taktische Begabung. „Die machtpolitischen Aspekte des Entscheidungsprozesses samt dem Ausbau des Amtes des Ministerpräsidenten als durchsetzungsstarkes Zentrum der Willensbildung bei gleichzeitiger Schwächung der parlamentarischen Kontrollmechanismen kennzeichneten die vier Jahre der ersten Orbán-Regierung“, schreibt Lendvai. Und: „Glanz und Elend der ersten Orbán-Ära erwiesen sich als Auftakt zu einer politisch und moralisch, wirtschaftlich und kulturell verhängnisvollen Polarisierung in der ungarischen Gesellschaft.“
Die Phase zwischen der ersten und der jetzigen Regierung Orbán ist für Paul Lendvai die eigentliche Zeit, in der Ungarn seine Chancen verspielt hat – auf eine funktionierende parlamentarische Demokratie und auf den Auf- und Ausbau demokratischer Kontrollmechanismen. Genau das nutzt nach Lendvais Einschätzung die jetzige Regierung aus, die sich auf eine satte Zweidrittel-Mehrheit im Parlament stützen kann. Damit ist es ihr möglich, Gesetze nach Gutsherrenart zu beschließen.
Am deutlichsten spürbar sind die Konsequenzen in der ungarischen Medienlandschaft: „Seit der überraschenden Wahlniederlage im Jahr 2002 verfolgte Viktor Orbán zielstrebig den bereits in seiner ersten Regierungszeit begonnenen Aufbau eines Medienreiches, das direkt von seinen steinreichen Freunden kontrolliert wird. Nicht zuletzt mithilfe dieser „rechten Medienhegemonie“ war die vollständige Demontage des sozialistischen Ministerpräsidenten Ferenc Gyurcsány möglich. „Die totale Machtübernahme im Medienbereich“ hat aktuell schon den offensiven Nationalismus befeuert. „So wie seinerzeit unter dem kommunistischen System verschweigen die Zeitungen die westliche Kritik an den romafeindlichen, antisemitischen und rassistischen Entgleisungen in Ungarn ebenso wie etwa die Kritik am politischen Stil von Orbán und seinen Leuten“, schreibt Lendvai. Die auf Drängen der EU Monate nach Veröffentlichung seines Buches vorgenommenen Nachbesserungen am Mediengesetz dürften in seinen Augen nur Kosmetik sein. In seinem Urteil über den Fidesz-Ministerpräsidenten liegt Lendvai auf einer Linie mit dem Orbán-Biographen József Debreczeni: „Man sollte keinen Zweifel haben, dass Orbán hemmungslos und restlos die in seine Hände geratene Macht ausnutzen wird.“



Anja Maier: Die Pubertistin, Baumhaus-Medien, Köln 2010, 192 Seiten, gebunden, 12,99 Euro.

Anja Maier: Lassen Sie mich durch, ich bin Mutter. Von Edel-Eltern und ihren Bestimmerkindern. Bastei Lübbe, Köln 2011,253 Seiten, kartoniert, 8,99 Euro.

Feldversuch in der Familiendiktatur

Ob im Münchner Glockenbachviertel oder in Dresden-Neustadt, im Hamburger Schanzenviertel oder in Köln-Ehrenfeld – oder natürlich im Prenzlauer Berg in Berlin: In den deutschen Großstädten hat sich eine neue soziale Schicht gebildet, die Anja Maier Macchiato- oder Edel-Eltern nennt. Für einen dreimonatigen Feldversuch hat sich die schon vor zehn Jahren ins Berliner Umland geflüchtete Autorin wieder mitten zwischen die „postbürgerlichen Eroberer“ des einst so unkonventionellen Szeneviertels begeben.
Ihre Beobachtungen schildert sie humorvoll-witzig, aber ebenso kritisch-analytisch, wie sie es schon in ihrem ersten Buch „Die Pubertistin“ getan hat. Darin beschreibt die Mutter zweier Töchter gleichermaßen satirisch-überzogen, aber immer den Kern der Probleme im sozialen Umfeld treffend die unterschiedlichen Sichtweisen auf Themen des Alltags. Hinter allen Diskussionen, die hier über das Ausgehen, den Kleidungsstil, das Einhalten von Regeln, die Schule oder häusliche Pflichten geführt werden, schwingt seitens der „Einssechzigblondine“ genannten Tochter immer das vollkommene Unverständnis darüber mit, warum ihre Eltern sie, die gebürtige Hauptstädterin, „in die Einöde verschleppt“ haben.
Diese Probleme werden die Kinder vom Prenzlauer Berg nie kennen lernen. Denn: „Hinter den Türen der Altbauwohnungen und Parkettkinderzimmern wächst eine Generation heran, die ihre Eltern fest im Griff hat. Es sind Jungen und Mädchen, denen Mama und Papa den Spitzenplatz in ihrer biografischen Prioritätenliste frei geräumt haben.“ So pointiert und mit spitzer Feder kann man dieses Thema wohl wirklich nur angehen, wenn der „Exil-Schreibtisch“ Wand an Wand zum Kinderzimmer einer kleinen Nachbarin steht, die „kraftvoll ihre Bauklötze und Puppen in den Boden rammt und spitze Schreie ausstößt, wenn ihr etwas nicht gelingt“.



Jon Smith: Google Kompendium. Alles, was Sie über Google wissen müssen, Midas Computer Verlag, Zürich 2010, kartoniert, 176 Seiten, Euro 19,80.

Tipps und Tricks im Umgang mit Google

In 52 Kapiteln kann man Schritt für Schritt lernen, wie die eigene Website bei den Suchmaschinen ganz vorne landet.

Google ist nicht alles. Und ein „Google-Kompendium“ muss nicht zwangsläufig dick sein. Jon Smith, Mitbegründer von „amazon.co.uk“ braucht nur gut 150 Seiten, um zu erklären, wie die Welt der Suchmaschinen funktioniert. „Alles, was Sie über Google wissen müssen“, so der Untertitel des Buches, enthält Schritt für Schritt die Spielregeln, an die man sich halten muss, wenn man von einer Internet-Suchmaschine gefunden und dann auch noch unter den gewünschten Suchbegriffen ganz oben platziert werden möchte.

Den Text finden Sie unter http://buecher-geld-business.suite101.de/article.cfm/jon-smith---google-kompendium



Frank Überall: Abgeschmiert. Wie Deutschland durch Korruption heruntergewirtschaftet wird, Lübbe Ehrenwirth, Köln 2011, 237 Seiten, gebunden, 19,99 Euro

Auf dem Weg zur Bananenrepublik?

Schon dem lateinischen Wortsinn nach ist Korruption etwas Schlechtes, Verdorbenes, Verbotenes. Aber genau deswegen ist sie vielleicht aufregend, verlockend, sexy und geheimnisvoll. Frank Überall hat mit „Abgeschmiert“ ein Buch vorgelegt, das die verschiedenen Varianten der Bestechung einerseits und der Bestechlichkeit andererseits detailliert aufzeigt. Und er liefert viele Beispiele dafür, wie und warum es gerade in Deutschland und nicht in irgendeiner „Bananenrepublik“ so viele Fälle der Korruption gibt.
Der Politikwissenschaftler Überall hat über den „Klüngel in der politischen Kultur“ promoviert, recherchiert weiterhin zu diesem Thema und ist dadurch inzwischen zu einem Experten geworden, der die gesamte Bandbreite des Wortes „Korruption“ kennt. Dabei reicht die Palette der Verführung von kleinen Präsenten und Einladungen an Sachbearbeiter einer Baubehörde bis zu großangelegten Bestechungsaktionen großer Konzerne. Der Autor geht der Frage nach den Ursachen für Korruption auf den Grund und überrascht den Leser mit nicht unbedingt gewagten Thesen, zum Beispiel, warum Korruption sexy ist. Demnach lassen sich die Korrumpierten darauf nicht nur wegen finanzieller Vorteile ein, sondern auch, weil sie dem Reiz des Verborgenen, einem gewissen Nervenkitzel im vielleicht sonst langweiligen (Arbeits-)Alltag erliegen.
Überall tritt aber nicht nur als Mahner auf, der in der Korruption eine gesamtgesellschaftliche Gefahr sieht. Er prägt auch den Begriff der Korruptionsethik und analysiert die Handlungsmotive der Täter. Auf dem Weg zu 13 Thesen, die aus dem Korruptionsdilemma heraus führen können, sensibilisiert der Autor seine Leserschaft für die Früherkennung bananenrepublikartiger Missstände. Eine Pflichtlektüre nicht nur für den normalen Bürger, sondern gleichzeitig ein Leitfaden für Politiker.



zurück