Wenn Sie einen der folgenden Texte veröffentlichen möchten (Zweitverwertung), klicken Sie bitte hier.

Text der Woche

23.07.10

Alte Küchengeschichten neu erzählt

Museum: Aus Liebe zur Kochkunst und zu allem, was dazu gehört, entstand in Hannover die „World of Kitchen“

VON ANGELIKA BASDORF

„Stellen Sie sich eine Perlenschnur vor“, sagt Carl-Werner Möller Hof zum Berge zur Begrüßung. „Wie ihre Kügelchen reiht sich hier bei uns eine Küche an die andere.“ Die kleine Besuchergruppe steht ein wenig verloren herum. Sind 90 Minuten Führung nicht zu viel für Küchenmobiliar und –inventar aus verschiedenen Epochen? Dass die sachkundigen Ausführungen zu den liebevoll in zwei Jahren zusammengetragenen Exponaten unentbehrlich sind, merkt man aber schon an der ersten Station des Rundgangs, einer Rauchfangküche aus dem Mittelalter. Und so spannt der gelernte Koch und Initiator des Museums von hier aus den Bogen zu den Trends der 1950er, 60er und 70er Jahre.

Den Text finden Sie unter http://esskultur.suite101.de/article.cfm/kuechenmuseum-die-geschichte-des-kochens-und-essens-neu-erzaehlt



16.07.10

Wolle, Cashmere und Pelz bei 35 Grad im Schatten

Vorschau: Mitten in der heißesten Phase des Sommers stellte die Modedesignerin Mahi Degenring in Köln ihre Herbst-Winter-Kollektion vor.

VON ANGELIKA BASDORF

So hätten ihre Mitarbeiterinnen im Nümbrechter Atelier in der Endphase einer neuen Kollektion noch nie geschwitzt, sagte Mahi Degenring bei der Vorstellung ihrer Kreationen für die kommende Wintersaison. Und auch das Publikum schwitzte unter den hochsommerlichen Temperaturen Mitte Juli schon beim Anblick der hochwertigen Woll-, Strick-, Cashmere- und Nerz-Couture und litt mit den sie vorführenden Models.

Den Text finden Sie unter http://modetrends.suite101.de/article.cfm/herbst-winter-mode-mahi-degenring-setzt-auf-strick-und-cashmere



9.07.10

Vom Urlauber zum Investor

Pfälzisches Wein-Know-how verhilft türkischem Dorf zu Wohlstand

VON ANGELIKA BASDORF

Helmut Krauss ist Monopolist. Aber nicht in seiner pfälzischen Heimat, wo er sein Weingut in vierter Generation bewirtschaftet, sondern in dem türkischen Dorf Sirince, dem das Engagement des Deutschen zu Arbeit und Wohlstand verhalf.

Den Text finden Sie unter http://unternehmensgruendung-selbststaendigkeit.suite101.de/article.cfm/vom_urlauber_zum_investor



2.07.10

Inspiriert vom Charme der Heimat

Guntis Lauders entwirft Schmuckstücke mit baltischer Seele

VON ANGELIKA BASDORF

Glitzernd wie das Meer, stumpf wie das Land - in einem Schmuckstück von Guntis Lauders vereinen sich Gegensätzlichkeiten zu harmonischen Ensembles.

Den Text finden Sie unter http://edelsteine-schmuckdesign.suite101.de/article.cfm/schmuckstuecke_mit_baltischer_seele



25.06.10

Mehr Beteiligungskapital für den Mittelstand

Private Anlagealternativen eröffnen Unternehmern in der Krise neue Perspektiven

VON ANGELIKA BASDORF

90 Prozent der Kapitalanlagen liegen in Deutschland bei Banken, Versicherungen und Bausparkassen fest, und das, obwohl die Zinserträge mager sind. Insgesamt handelt es sich dabei immerhin um ein Gesamtvermögen von vier Billionen Euro. Mit diesem Geld arbeiten die Institute zum eigenen Nutzen sehr gut, wie man an ihren prachtvollen Verwaltungsbauten unschwer erkennen kann. Sie haben es gerade in Deutschland auch sehr gut verstanden, die langweilige Geldanlage auf Sparbüchern und in festverzinslichen Wertpapieren als einzige solide und krisensichere Form des Sparens darzustellen. Die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise hat ihnen noch zusätzlich in die Hände gespielt, denn der Wertverlust von Aktien und Aktienfonds begünstigt den Trend zum risikoarmen Sparen.

Den Text finden Sie unter http://anlagestrategien.suite101.de/article.cfm/beteiligungskapital_fuer_den_mittelstand



18.6.10

Fünf Städte auf dem Weg zur Niedrigenergiestadt

VON ANGELIKA BASDORF

Zukunftsprojekt: Die Stadt der Zukunft liegt im Ruhrgebiet. Am 14. Juni wurde die erste Hürde auf dem Weg dorthin genommen.

Die InnovationCity Ruhr wird eine Stadt oder ein Stadtteil des Ruhrgebiets mit Vorbildcharakter: Durch den Einsatz innovativer Produkte in den Segmenten Industrie, Wohnen, Gewerbe, Handel, Dienstleistung und Verkehr werden die Energieeffizienz gesteigert und der CO2-Ausstoß vermindert. Projektbeteiligte sind das Land Nordrhein-Westfalen und der Initiativkreis Ruhr, ein Zusammenschluss von 60 führenden Wirtschaftsunternehmen. Als Niedrigenergiestandort haben sich 16 Kommunen beworben, Bochum, Bottrop, Essen, Gelsenkirchen/Herten und Mülheim sind die Finalisten.
Man wolle die „kopernikanische Wende“ wagen, sagt Bochums Stadtbaurat Dr. Ernst Kratzsch. Bochum hat dafür drei aneinander grenzende Stadtteile ausgewählt, die unterschiedlicher nicht sein können: Langendreher mit seinen Zechensiedlungshäusern aus den 30er und 40er Jahren, Kornharpen mit Altbausubstanz aus den 20er Jahren und Querenburg mit den Studenten- und Dozentenhochhäusern aus den 70er und 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts. In diesen durch einen Grünzug miteinander verbundenen Stadtteilen werden die umfänglichen Baumaßnahmen stattfinden, die dem Wohnen, der Mobilität und der Logistik eine neue Qualität geben sollen, energieeffizient und ressourcenschonend.
Bottrop, noch eine Stadt mit aktivem Bergbau, will den Strukturwandel aktiv mit einem breiten Mix von zukunftsweisenden Energieträgern angehen. So werden bereits Wasserstoff, Biomasse, Photovoltaik, Geothermie und Windenergie genutzt. In das Modellprojekt InnovationCity Ruhr werden ehemalige Bergbauflächen ebenso einbezogen wie Teile der Innenstadt.
„Blauer Himmel, grüne Stadt“, mit diesem Slogan ging Essen an den Start. Westlich der Innenstadt entsteht zurzeit der sogenannte Krupp-Gürtel, ein städtebauliches Projekt auf einer 230 Hektar großen Fläche, die von der bald fertigen neuen Thyssen-Krupp-Konzernzentrale dominiert wird. Noch weiter im Westen der Stadt befindet sich Altendorf, einer der bevölkerungsreichsten Stadtteile Essens, geprägt von dichter Wohnbebauung und mit besonderem Erneuerungsbedarf. Wenn in zehn Jahren die Sanierungsmaßnahmen in Altendorf und die Bebauung des Krupp-Gürtels abgeschlossen sein werden, soll die beiden Gegensätze der Krupp-Park, eine Freizeitoase mitten in der Stadt, verbinden.
„Wir haben unsere Kräfte gebündelt“, sagt Michaela Klee, Referentin der Stadtplanung in Gelsenkirchen. „Die Formel lautet Solarstadt (Gelsenkirchen) plus Wasserstoffstadt (Herten) gleich InnovationCity.“ Das interkommunale Gebiet umfasst sieben Stadtteile der beiden Kommunen. Auf der Grenze befindet sich in Westerholt ein Bergwerksareal das 2008 geschlossen wurde. Dank des Projekts arbeiten nun die beiden Stadtverwaltungen eng zusammen an einem Konzept für diese große Fläche, „das die Bewohner mitnehmen soll“, so Klee. Bei ihr und Dr. Babette Nieder, Beauftragte des Hertener Bürgermeisters für Klimaschutz und Innovation, laufen die Fäden zusammen. Schon jetzt haben sie das örtliche Handwerk einbezogen.
„Die von uns vorgeschlagene InnovationCity Mülheim an der Ruhr verkörpert mit einer breiten Mischung aus Industrie und Gewerbe, Innenstadt und Altstadt sowie vielfältigen Wohnsiedlungen und aktiven Partnern in Sachen Klimaschutz und Nachhaltigkeit ein Stück Ruhrgebiet im Kleinen. Wir freuen uns gemeinsam mit unseren Partnern der Initiative Klimazone Mülheim an der Ruhr, der Hochschule Ruhr West und den Mülheimer Bürgerinnen und Bürgern, unsere Idee von einer energiesparenden und zukunftsorientierten Referenzstadt weiter entwickeln zu dürfen“, sagt Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld.
Ohne Einbeziehung der Bevölkerung geht nichts. So spielt bei allen eingereichten Bewerbungen die Bürgerbeteiligung eine große Rolle – auch für die Jury aus Vertretern aus Wissenschaft und Wirtschaft sowie des Landes NRW. Laut Wettbewerbsausschreibung konnten sich alle Kommunen des Ruhrgebiets mit einem „typischen Stück Ruhrgebiet“ bewerben, das unter anderem hinsichtlich Bevölkerungsstruktur, Bausubstanz sowie Frei- und Restflächen charakteristisch für den strukturellen Wandel der Region ist. Mit der künftigen InnovationCity Ruhr soll eine Modellstadt entstehen, in der erstmals im Bestand weltweit richtungsweisende Lösungen für Energieeffizienz angewendet werden. „Denn“, so der Vorsitzende der Geschäftsführung des Initiativkreises Ruhr, Peter Lampe, „es macht einen Unterschied, ob ich in Abu Dhabi eine Stadt in der Wüste neu baue oder so etwas in einer gewachsenen städtischen Struktur verwirkliche.“ Deshalb habe dieses Projekt auch eine Symbolwirkung und unterstreiche, dass das Ruhrgebiet seine innovative Kraft nicht verloren hat. „Die Modellstadt wird so lebbar und wohnbar, dass da keiner mehr weg will“, sagt Dr. Alfred Oberholz, Koordinator der Arbeitsgruppe Energie des Initiativkreises Ruhr. Im Gegenteil, es sei dort eher mit Zuzug zu rechnen.
Nicht nur das wird die fünf Finalisten motivieren, ihre eingebrachten Modellvorschläge zu konkretisieren. Letztlich erhält die Innovation City Ruhr vom Land eine Anschubfinanzierung von 500.000 Euro. Der Initiativkreis Ruhr geht davon aus, dass Wohnungsbaugesellschaften, private Eigenheimbesitzer, Unternehmer und private Partner über die Zehn-Jahres-Laufzeit des Projekts Investitionen im Zwei-Milliarden-Bereich tätigen werden.



11.6.10

Kölner demonstrierten gegen Sozialabbau

Über 6.000 Teilnehmer zählten die Veranstalter bei einer Kundgebung gegen einen Sparhaushalt, der die sozial Schwachen trifft.

VON ANGELIKA BASDORF

„Diese Demo müsste jeden Monat fortgesetzt werden“ begrüßte der Kabarettist Heinrich Pachl die bunte Menschenmenge, die sich am frühen Mittwochnachmittag auf dem Kölner Roncalli-Platz eingefunden hatte. Mit Luftballons, selbstgemalten Plakaten und Transparenten, Trillerpfeifen und trommeln hatten sich über 6.000 Bürger dort versammelt, um gegen den Sozialabbau zu demonstrieren.

Den Text finden Sie unter http://news.suite101.de/article.cfm/koelner-demonstrierten-gegen-sozialabbau-a77910



4.6.10

Problemfiguren gibt es nicht

Wie Modedesignerinnen Frauen glücklich machen können

VON ANGELIKA BASDORF

Wohl kaum eine Frau ist 100-prozentig mit ihrer Figur zufrieden. Aber das richtige Outfit kann vermeintliche Schwachstellen kaschieren und die positive Ausstrahlung der Persönlichkeit unterstützen. Sogar Tchibo wirbt für seine aktuelle Modekollektion mit „Passt nicht, gibt’s nicht!“ Für Modedesignerinnen ist das Thema nicht neu. Mahi Degenring, Cornelia Millack und Anne Seibert haben unterschiedliche Wege gefunden, ihre Kundinnen glücklich zu machen.

Schlechtes Wetter ist kein Argument: 18 Kilometer kann man in den Einkaufsstraßen Turins unter Arkaden trockenen Fußes zurücklegen und seine Promenade jederzeit in einem der zahlreichen typischen Cafés unterbrechen. Die Arkaden von Turin sind an sich schon eine Reise wert, aber auch die attraktiven Plätze. In der Mitte des schönsten, der Piazza San Carlo, thront die Statue des berittenen Emanuele Filiberto I seit ihrer Restaurierung anlässlich der Winterolympiade 2006 in neuem Glanze. In harmonischer Symmetrie wird der Platz von Barockfassaden eingerahmt, die Carlo di Castellamonte gestaltet hat. Hier sollte der Tourist unbedingt im „Caffè San Carlo“ verweilen, nicht nur wegen des prächtigen Interieurs. Hier wurde einst das erste Nusseis der Welt serviert, und bis heute stehen auf der Speise- und Getränkekarte die köstlichsten Kreationen.

Den Text finden Sie unter http://modedesigner.suite101.de/article.cfm/fuer_jede_figur_das_passende_outfit



28.5.10

DIE NR. 1 IN KRISENMANAGEMENT

Polen hat in der EU die Nase vorn

VON ANGELIKA BASDORF

Polen hat die Finanz- und Wirtschaftskrise von allen EU-Ländern am besten gemeistert. Das Geheimnis dieses Erfolgs liegt in den 90er Jahren und in der restriktiven Finanzpolitik von Leszek Balcerowicz.

Während alle EU-Länder 2009 rote Zahlen schrieben, verzeichnete Polen ein Wirtschaftswachstum von 1,8 Prozent. Und auch für dieses Jahr sagt die Weltbank dem Land ein Plus um 2,5 bis drei Prozent voraus. Zu dieser relativen Erfolgsstory haben hauptsächlich die folgenden Faktoren beigetragen: eine hohe Binnen- und Exportnachfrage, ein intaktes Bankensystem, der effektive Einsatz von EU-Fördermitteln und eine moderate Öffnung der Wirtschaft nach außen.
Zum 1. Januar 2009 wurde der dreistufige progressive Tarif bei der Einkommensteuer (19 %, 30 %, 40 %) durch einen zweistufigen Steuersatz von 18 und 32 Prozent ersetzt. Der Steuersatz in Höhe von 32 Prozent gilt ab einem Jahreseinkommen von 85.528 Zloty (ca. 18.880 Euro). Dieser Schritt bedeutete für die meisten Polen eine Senkung ihrer Steuerlast und hatte eine Steigerung der Binnennachfrage zur Folge. angekurbelt. Der zeitweise schwache Kurs des Zloty hat die Wettbewerbsfähigkeit polnischer Güter auf den Auslandsmärkten verbessert. Für den Export ist Deutschland nach wie vor Handelspartner Nr. 1 Erstmals lag im vergangenen Jahr der der Anteil von Kraftfahrzeugen und Automobilzubehör an den Exporten nach Deutschland höher als die Importe in dieser Warengruppe.
Hinzu kommen ein stabiles Bankensystem und die restriktive Haltung der Banken bei der Kreditvergabe. Polen hat seine Auslandsschulden konstant gehalten, und die vergleichsweise geringe Abhängigkeit der mittelständisch geprägten Wirtschaft vom Börsengeschäft hat sich in den Zeiten der Krise als Vorteil erwiesen.
Zu verdanken hat das Land diese Erfolgsbilanz im Wesentlichen einem Vordenker, auf dessen Rat die Regierenden seit 1989 hören: Leszek Balcerowicz. Der „Architekt der polnischen Wirtschaftsreform“ war von 1989 bis 1991 und von 1997 bis 2000 Finanzminister und von 2001 bis 2007 Präsident der polnischen Nationalbank. Seine Analyse der europäischen Finanzkrise fällt vernichtend aus. Der Professor der Warsaw School of Economics und Präsident der International Atlantic Economic Society (IAES) sieht das Hauptübel in den meisten Ländern in verpassten Reformen, einer überbordenden Sozialstaatlichkeit und mangelnder Fiskaldisziplin. „Die Regeln, auf denen der Euro beruht, sind gebrochen worden“, sagte Balcerowicz im Rahmen einer Pressekonferenz in Köln.
Die Finanzkrise sei kein Indiz für das Versagen des Marktes, sondern sei in Wirklichkeit von den Staatsführungen selbst verschuldet. Der Denkfehler in Bezug auf die gemeinsame Währung Euro liege darin, dass die beteiligten Staaten keinen gemeinsamen Haushalt haben, der partielle Defizite ausgleichen kann. „Wir brauchen ein richtiges Modell, damit sich die Finanzmärkte langfristig erholen“, unterstrich der Experte seine Forderung nach der Rückkehr zum Goldstandard. Extrasteuern für Banken findet Balcerowicz kontraproduktiv: „Das zusätzliche Kapital, das sie dafür brauchen, holen sie sich dann wieder über Hedgefonds.“ Ein Teufelskreis!



21.5.10

Verkannte „Perle des Piemont“: Turin ist immer eine Reise wert

VON ANGELIKA BASDORF

Bei Turin fallen den meisten Menschen Fiat, Olivetti und Juventus ein. Aber in der Hauptstadt des Piemont wird auch der Genuss groß geschrieben. Unter anderem wurden hier die Schokolade und das Nusseis erfunden.

Schlechtes Wetter ist kein Argument: 18 Kilometer kann man in den Einkaufsstraßen Turins unter Arkaden trockenen Fußes zurücklegen und seine Promenade jederzeit in einem der zahlreichen typischen Cafés unterbrechen. Die Arkaden von Turin sind an sich schon eine Reise wert, aber auch die attraktiven Plätze. In der Mitte des schönsten, der Piazza San Carlo, thront die Statue des berittenen Emanuele Filiberto I seit ihrer Restaurierung anlässlich der Winterolympiade 2006 in neuem Glanze. In harmonischer Symmetrie wird der Platz von Barockfassaden eingerahmt, die Carlo di Castellamonte gestaltet hat. Hier sollte der Tourist unbedingt im „Caffè San Carlo“ verweilen, nicht nur wegen des prächtigen Interieurs. Hier wurde einst das erste Nusseis der Welt serviert, und bis heute stehen auf der Speise- und Getränkekarte die köstlichsten Kreationen.

Den Text finden Sie unter http://italien-reisen.suite101.de/article.cfm/verkannte-perle-des-piemont-turin-ist-immer-eine-reise-wert



14.5.10

Als die Maschen laufen lernten

VON ANGELIKA BASDORF

Nylonstrümpfe: Am 15. Mai 1940 verkaufte die Firma DuPont erstmals in ausgewählten Geschäften der USA Strümpfe aus Synthetikfaser. Der Tag ging als „N-Day“ in die Konsumgeschichte ein.

Es war eine Revolution. Vier Millionen Paar Strümpfe aus einem bis dahin für die Bekleidungsindustrie unbekannten Material gingen an nur einem einzigen Tag über die Ladentheken. Die Nachfrage überstieg das Angebot um ein Vielfaches. Nahezu jede Frau wollte die ungeliebten und wenig eleganten Strickstrümpfe gegen diesen dünnen und durchsichtigen Luxus eintauschen. Dabei waren diese Strümpfe zunächst alles andere als dünn, sondern das, was man heute als „blickdicht“ bezeichnet. Und sie kosteten 250 Dollar.

Den Text finden Sie unter http://modedesign.suite101.de/article.cfm/nylonstruempfe-am-15-mai-1940-kamen-die-ersten-auf-den-markt



7.5.10

Kurzes Staunen über das Leichentuch Christi

Pilgerströme und Schlangestehen für die heilige Sindone

VON ANGELIKA BASDORF

In Turin wird eine der wichtigsten Reliquien der katholischen Welt aufbewahrt und nur selten gezeigt. Wer es nicht bis zum 23. Mai gesehen hat, muss bis 2025 auf die nächste Gelegenheit warten.

Jeden Tag ist es dasselbe Schauspiel: Zwischen Morgen und Abend ebbt der Besucherstrom vor und im Turiner Dom San Giovanni nicht ab. Nur bis zum 23. Mai kann man dort das Original-Leichentuch Christi aus der Nähe sehen, geschützt durch Panzerglas und gesichert von Wache stehenden Carabinieri. Wir in diesem Jahr die Chance verpasst, muss bis 2025 auf die nächste warten.

Den Text finden Sie unter http://news.suite101.de/article.cfm/kurzes-staunen-ueber-das-leichentuch-christi-a74525



30.4.10

Vom Dach in den Baumarkt?

VON ANGELIKA BASDORF

Altersgrenze: Arbeitsministerin von der Leyen fordert mehr Flexibilität von älteren Arbeitnehmern, um ihre Beschäftigungsfähigkeit bis zur Rente mit 67 sicher zu stellen.

Zwischen 2012 und 2029 wird die Altersgrenze für eine Rente ohne Abschläge schrittweise von 65 auf 67 Jahre angehoben. Vor allem in den Bau- und Ausbauberufen des Handwerks müssen die Beschäftigten dann Rentenabschläge fürchten, denn die schwere körperliche Arbeit halten schon heute nur wenige bis zur Pensionierung durch. „Niemand muss mit 66 noch genau dasselbe machen, was er mit 16 gelernt hat“, sagt Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen und fordert mehr Kreativität und Fantasie von den gewerblich Tätigen. Es gebe sehr viele Möglichkeiten, sich die Beschäftigungsfähigkeit zu erhalten, zum Beispiel als Fachberater in Baumärkten oder als Bürokräfte in Betrieben der gleichen Branche.
Das mag aus demografischen Gründen einleuchten. Auch ZDH-Präsident Otto Kentzler sagt: „Zur Anhebung der Regelaltersgrenze in der Rentenversicherung gibt es keine Alternative.“ Auch er plädiert durchaus dafür, flexiblere Möglichkeiten des Übergangs in die Rente zu nutzen. Aber im Unterschied zu von der Leyen weiß er, dass sich viele Mitarbeiter im Handwerk bereits früher umorientieren und einer körperlich weniger belastenden Tätigkeit nachgehen: „Etwa in der Arbeitsvorbereitung, in der Qualitätssicherung oder in der Ausbildung.“
Was hingegen die Ministerin fordert, zeugt nicht unbedingt von tiefer Kenntnis des handwerklichen Arbeitslebens. Selbst wer vor vielen Jahren einmal die Meisterprüfung abgelegt hat, wird mit den Rudimenten seines kaufmännischen Wissens wohl kaum eine versierte Bürokraft in einem Betrieb seiner Branche ersetzen können. Und welcher Zimmermann, Maurer, Maler oder Fliesenleger möchte am Ende seiner Karriere als Fachverkäufer in einem Baumarkt Heimwerkern so gut den Umgang mit Werkzeugen und Materialien erklären, dass sie erst recht auf die Dienste der Fachbetriebe verzichten, in denen seine jüngeren Kollegen arbeiten?
Handwerker sind Fachleute und werden in ihren Betrieben entsprechend entlohnt. Sie konnten sich dank hochwertiger Qualifizierungsangebote der Handwerkskammern und Verbände im Laufe ihrer Karriere ständig weiterbilden. Es ehrt Frau von der Leyen, dass sie ihnen zutraut, universell einsetzbar zu sein. Aber die Ausgestaltung ihrer Vorschläge sei Sache der Tarifparteien, das könne die Politik nicht alleine stemmen, heißt es aus ihrem Ministerium. Im Klartext: Was kann die Ministerin dafür, wenn sich die Arbeitgeber und Gewerkschaften auf keine angemessene Bezahlung für die neuen Jobs der dafür überqualifizierten Vorruheständler einigen können?



23.4.10

Ein Händchen für Edelstahl

VON ANGELIKA BASDORF

Als Dieter Schmees 1968 auf einer Auktion anstatt der für seine Lohndreherei benötigten Maschinen einen gebrauchten Graphitstab-Schmelzofen kaufte, gab er dem 1961 in einer Garage gegründeten Unternehmen eine neue Richtung. Fortan drehte sich alles um Edelstahl. Heute produzieren die Edelstahlwerke Schmees an den Standorten Langenfeld in Nordrhein-Westfalen und Pirna in Sachsen aus über 300 verschiedenen Schmelzwerkstoffen Formgussteile - von 100 Gramm leicht bis zu zehn Tonnen schwer.

Gießerei: Das klingt nach schwerer eintöniger Arbeit. Aber nicht, wenn Konstantin Ditenbier, Adnam Karic und Przemyslaw Pomykala von den vielfältigen Arbeitsschritten, der Konzentration und Genauigkeit erzählen, die den Beruf des Gießereimechanikers interessant machen. Nicht zuletzt deshalb dauert die Ausbildung dreieinhalb Jahre. Jeder Werkstoff, jeder Auftrag, ist mit anderen Vorgaben verbunden, verlangt andere Handgriffe. Bei Schmees werden keine Serien produziert, bei denen ein gewisser Prozentsatz an Ausschuss einkalkuliert werden kann. Ob ganze Turbinengehäuse, Lauf- und Leiträder für den Pumpenbau, Apparate für die pharmazeutische oder Werkzeuge für die Nahrungsmittelindustrie – die Qualitätsansprüche an die Gusserzeugnisse sind hoch.
Adnam, der seine Lehre gerade erst begonnen hat, wusste vorher eigentlich nur, dass er gerne etwas mit Metall machen wollte. Von dem Beruf, den er jetzt lernt, hatte er vorher noch nie etwas gehört. So gehe es vielen Jugendlichen, sagt Susanne Schmees-Besgen, die Tochter des Firmengründers. Deshalb nimmt die Firma sowohl in Pirna als auch in Langenfeld regelmäßig an Ausbildungsbörsen teil, stellt das Unternehmen vor und bietet Ferien- oder Tagespraktika an. Davon hatte auch Przemyslaw Gebrauch gemacht. Jetzt ist er im dritten Ausbildungsjahr und hat gute Chancen, nach der Lehre weiter hier beschäftigt zu werden. „Wer bei uns eine Ausbildung beginnt, wird in der Regel danach auch übernommen, wir bilden für den eigenen Bedarf aus“, erklärt die für das Personalwesen zuständige Prokuristin Schmees-Besgen. Das war schon immer so. Der erste Lehrling ist heute Werksleiter in Langenfeld, und die erste kaufmännische Auszubildende leitet inzwischen die Buchhaltung. Gute Erfahrungen hat die Familie Schmees mit Auszubildenden gemacht, die bei Beginn der Lehre schon älter waren. „Leute, die in anderen Betrieben oder Branchen gescheitert sind und bei uns ihre zweite oder dritte Chance bekommen, wissen worauf es ankommt“, so Schmees-Besgen. Für die Qualität der Ausbildung sprechen die sehr guten Abschlussergebnisse.
Am ursprünglichen Stammsitz Langenfeld hat das Unternehmen 150 Mitarbeiter, im Werk Pirna, das die Familie Schmees 1992 von der Treuhand erwarben, 250. In Langenfeld gibt es sieben Lehrlinge, in Pirna 21 in den Berufen Gießereimechaniker, Industriemechaniker, Zerspanungsmechaniker, Industriekaufmann/-frau.
Tobias Bohn und Johanna Wegeleben wollen Industriekaufleute werden. In Langenfeld durchlaufen sie während ihrer Ausbildung alle Abteilungen: Einkauf, Verkauf, Rechnungs- und Personalwesen, Arbeitsvorbereitung und Qualitätskontrolle. Tobias ist im zweiten Lehrjahr und momentan für die Terminierung zuständig. Er findet es spannend, die Aufträge vom Modell bis zum Gussstück zu verfolgen. Johanna findet es toll, dass sie schon im ersten Lehrjahr mit verantwortungsvollen Aufgaben betraut wird. Aber die 20-jährige Abiturientin hatte schon während eines Ferienpraktikums herausgefunden, dass sie sich in der familiären Atmosphäre bei Schmees wohlfühlen würde und die Arbeit ihr zusagt.
Xenia Ruder ist ebenfalls 20 Jahre alt, aber schon im dritten Lehrjahr zur Industriekauffrau am Pirnaer Firmensitz. Die Realschulabsolventin hatte sich gezielt hier um einen Ausbildungsplatz beworben, weil sie von ihrem Vater und Freunden, die bei Schmees arbeiten, wusste, dass Azubis gesucht wurden. Vom Kaufmännischen ist sie begeistert. Mathematik war in der Schule ihr Lieblingsfach, in der Berufsschule und im Betrieb hat sie ihr Faible für Betriebswirtschaft entdeckt. Sie geht gerne mit Zahlen um, erstellt am Computer Kalkulationen, sei es für den Einkauf oder den Verkauf. Gerne würde sie auch nach der Lehre bei Schmees in Pirna bleiben. „Aber wenn das nicht klappen sollte, dann gehe ich zur Fachoberschule“, sagt sie.
Einen Wechsel von Pirna ins Rheinland kann sie sich nicht vorstellen und hat sie auch noch nicht ausprobiert. Dabei bietet die Firma Schmees ihren Auszubildenden diese Möglichkeit auf Zeit an. Vor allem interessant ist das für die gewerblichen Lehrlinge, denn die Aufträge und Arbeitsweisen in Langenfeld und Pirna unterscheiden sich erheblich. In Pirna werden vorrangig große Teile für den Maschinenbau, hauptsächlich Turbinen- und Pumpenbaugefertigt. Das Werk Langenfeld zeichnet sich durch eine hohe Flexibilität in unterschiedlichen Werkstoffen aus. Um den Anforderungen des Marktes gerecht zu werden, wurde hier zusätzlich die Firma ES-InnoCast gegründet, die schnell und kostengünstig Prototypen, Sonder- und Vorserienteile herstellt, deren Funktionalität im Hinblick auf den Serieneinsatz überprüft werden soll. Hierzu braucht man je nach technischen Anforderungen verschiedene Gussverfahren.
Diplom-Ingenieur Clemens Schmees, könnte darüber stundenlang referieren und tut das auch, wenn seine Kompetenz als Edelstahlfachmann bei Auftraggebern und an der Universität Freiberg gefragt ist. Aber lieber spricht er über die Werke namhafter Künstler wie Jeff Koons, Tony Cragg, Horst Gläsker und einiger anderer, deren Skulpturen und Plastiken in den Edelstahlwerken Schmees umgesetzt wurden. Der feinsinnige Geschäftsführer ist stolz darauf, dass zum Beispiel die Balloonflower Koons’ an so exponierten Orten wie dem Potsdamer Platz in Berlin und am Ground Zero in New York steht. Inzwischen wurde die fast drei Meter hohe Skulptur mit dem Gewicht von 6,5 Tonnen fünf Mal für den Thüringer Maschinenbauer Arnold AG gegossen, der diese auf Hochglanz poliert und in fünf Farben lackiert hat. Ihr Gewicht sieht man der wie aus einem Luftballon geknoteten Blume aus Edelstahl nicht an, ihren Preis auch nicht. Ein Liebhaber zahlte für die magentafarbene Version 16 Millionen Euro an das Auktionshaus Christies.
Als die Familie Schmees das Werk in Pirna erstand, waren dort 59 Mitarbeiter beschäftigt, heute ist Schmees der zweitgrößte Arbeitgeber der Stadt an der Elbe – und ein beliebtes Ausflugsziel. Dass es dazu kam, sei vor allem dem visionären Blick ihres Schwiegervaters zu verdanken, sagt Carla Schmees. Zu dem 45.000 Quadratmeter großen Areal gehörte nämlich ein heruntergekommenes Gebäude, indem vormals die Verwaltung, die Sozialräume und die Kantine der Gießerei untergebracht waren. Das verwandelten die Rheinländer mit viel Liebe zum Detail in ein schmuckes Gasthaus, das seit 1998 Einheimische und Touristen gleichermaßen anzieht. Im „Brauhaus zum Gießer“, bieten „die Gießer“, wie sich die Familie selbst nennt, traditionell nach deutschem Reinheitsgebot gebrautes Bier und exzellente Gerichte an und bilden selbstverständlich auch hier aus, derzeit sieben Restaurantfachleute und sieben Köche.
„Bei uns werden die Auszubildenden aufs Leben vorbereitet“, sagt Dieter Schmees. Das gilt sowohl für die Gastronomie als auch für das Edelstahlwerk. Aber trotz des guten Rufes, den das Unternehmen an beiden Standorten genießt, und des offensichtlich freundlichen Betriebsklimas stehen Ausbildungsplatzbewerber nicht gerade Schlange. Vor allem in Pirna würde man sich über Bewerbungen freuen.



16.4.10

Götz George mit dem Rheinlandtaler ausgezeichnet

Der Kult um „Schimmi“ begann mit zwölf rohen Eiern

VON ANGELIKA BASDORF

„Kein anderer Schauspieler hat das Ruhrgebiet so populär gemacht wie Götz George“, sagte der Vorsitzende der Landschaftsversammlung Rheinland, Dr. Jürgen Wilhelm, in seiner Laudatio auf den Schauspieler, dem es gelinge, „seinen Figuren authentischen Charakter zu verleihen“. Besonders trifft das auf den ruppigen Kommissar Horst Schimanski zu, der als Duisburger Urgestein die Herzen der Zuschauer erobert hat. Mit dieser Identifikationsfigur ist es George gelungen, den Menschen in ganz Deutschland die Kultur und das Lebensgefühl des Ruhrgebiets auf sympathische Weise nahe zu bringen. Der Rheinlandtaler, die höchste Kulturauszeichnung des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) würdigt die großen Verdienste des Schauspielers um die positive Wahrnehmung und Wertschätzung der Region.

Den Text finden Sie unter http://schauspieler.suite101.de/article.cfm/rheinlandtaler-fuer-goetz-george



9.4.10

Modebaukasten: Sie bestimmen, was Sie tragen!

Im Herbst 2010 setzen die Designer auf „Interpretationsbreite“

VON ANGELIKA BASDORF

Die Modedesigner wollen sich in der nächsten Herbst-Winter-Saison von der „realitätsfernen Mode“ verabschieden, die bei den Verbraucherinnen offensichtlich nicht gut ankommt. Mehr Gegensatz geht nicht: Mit den neuen Begriffen Softwear, Hardwear und Playwear erfolgt eine materialbezogene Einteilung. So soll eine enorme Interpretationsbreite erreicht werden, weil sich alle Looks aus Einzelteilen zusammensetzen.

Den Text finden Sie unter http://modetrends.suite101.de/article.cfm/modebaukasten-sie-bestimmen-was-sie-tragen



2.4.10

Ungebrochene Faszination

Die LitCologne feierte ein rekordverdächtiges Jubiläum

VON ANGELIKA BASDORF

Zum zehnten Mal fand in Köln die LitCologne statt, das inzwischen größte Literaturfestival Europas. 80.000 Besucher genossen Begegnungen mit von Autoren mit Journalisten, Schauspielern, Philosophen, Musikern und Künstlern.

Man könnte Stecknadeln fallen hören. So still ist es im Zuschauerraum, wenn zum Beispiel Bruno Ganz aus „Unendlicher Spaß“ von John Foster Wallace liest oder Ferdinand von Schirach „Verbrechen“ schildert. Zu erleben ist das alljährlich auf der LitCologne, dem Spitzenevent für Literaturfreunde in der Domstadt.
Die Anfänge waren zwar nicht bescheiden, aber die Idee war so kühn, dass die Väter der LitCologne, Werner Köhler, Dr. Edmund Labonté und Rainer Osnowski, zunächst nicht ernst genommen wurden. Auf der Suche nach Sponsoren seien sie zunächst auf viel Skepsis gestoßen, erinnert sich Labonté an die Planungen für das erste Festival 2001. Inzwischen ist die „LitColony GmbH ein mittelständisches Kultur-Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 1,2 Millionen Euro, das ohne jegliche öffentliche Förderung auskommt, von Anfang an aber potente Sponsoren an seiner Seite wusste. So finden viele Lesungen im großen Sendesaal des WDR statt, der die Veranstaltungen aufzeichnet, als Podcast anbietet oder im WDR-5-Hörfunkprogramm sendet. Schönster Leseort ist seit 2005 wohl die MS Rheinenergie, auf der den jeweils rund 650 Bücherfans während sie einem Autor oder einer Autorin lauschen eine Panoramafahrt auf dem Rhein geboten wird.
Schon kurz nach dem Start des Vorverkaufs im November 2009 waren nahezu alle 80.000 Eintrittskarten für die zehn Literaturtage in diesem Jahr ausverkauft. Das Besondere an der LitCologne ist, dass die Schriftsteller, Lyriker und Sachbuchautoren nicht einfach aus ihren Werken vorlesen, sondern prominente Moderatoren dafür sorgen, dass das Publikum viel Persönliches von ihnen erfährt. Denn „Schriftsteller sind keine Showstars“, sagt Elke Heidenreich, die von Anfang an einen festen Moderatorenplatz im Festivalprogramm einnimmt. Aber bei den insgesamt 171 Themenabenden in diesem Jahr konnte man erleben, wie sich die Schreiber für ihr Publikum in Helden verwandeln. Das Gedränge vor dem Signiertisch – auch das Signieren nach der Lesung gehört zum LitCologne-Ritual – ist ein Beweis dafür. Eine Besonderheit ist auch die Mehrsprachigkeit. In diesem Jahr fanden 46 mehrsprachige Events statt, diesmal neben dem starken angelsächsischen Angebot erstmals eine hebräisch-deutsche Lesung: Tami Shem-Tov kam mit „Das Mädchen mit den drei Namen“ nach Köln. Manchmal entwickeln sich die Veranstaltungen anders als ursprünglich geplant. Obwohl dem chinesischen Schriftsteller Liao Yiwu die Lesereise nach Deutschland verwehrt worden war, fiel der Termin nicht etwa aus, sondern wurde in eine Solidaritätskundgebung umgewandelt, deren Erlös an Amnesty Internatinal ging.
Auch an die kritischen Leser von morgen wird gedacht: Die Lit.kid.Cologne lockte mit 72 Veranstaltungen mehr als 10.000 Kinder und Jugendliche an spannende Leseorte, zum Beispiel zu Krimilesungen ins Polizeipräsidium. Die „neue Art der Literaturvermittlung“, die noch vor zehn Jahren bezüglich ihrer Wirtschaftlichkeit auf große Bedenken stieß, kommt beim Publikum so gut an, dass sich das Führungstrio der LitColony GmbH keine Gedanken mehr über Sponsoren machen muss. Angesichts ihrer Erfolgsgeschichte stellt sich ihnen möglicherweise eher die Raumfrage. Während der Erfolgsautor Frank Schätzing von Vornherein vor 5.000 Fans in der Lanxess-Arena „performen“ durfte, hätten andere Schriftsteller durchaus größere Auditorien verdient, als es die Veranstaltungssäle zuließen. Aber vielleicht liegt ja auch in der Verknappung des Angebots an Eintrittskarten einer der Reize, die das größte Literaturspektakel Europas zu einem wunderbaren Insider-Erlebnis werden lässt.



26.3.10

Mit dem blauen Auge davongekommen

VON ANGELIKA BASDORF

Stabilisierung: Die konjunkturelle Talfahrt im Handwerk ist gestoppt. Das belegen zumindest die Zahlen zur Wirtschaftslage im Handwerk, die der Verband der Vereine Creditreform Anfang März veröffentlicht hat.

Den Text finden Sie unter http://handwerk.suite101.de/article.cfm/handwerk-glaubt-an-konjunkturbelebung



19.3.10

Alle sind sich einig

VON ANGELIKA BASDORF

Spitzengespräch: Harmonie demonstrierten die Spitzenvertreter der deutschen Wirtschaft und Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrem traditionellen Zusammentreffen im Rahmen der Internationalen Handwerksmesse (IHM) in München.

Ihre Sorgen um die deutsche Wirtschaft wissen deren Spitzenvertreter, Paul Bauwens-Adenauer (DIHT), Dieter Hundt (BDA), Hans-Peter Keitel (BDI) und ZDH-Präsident Otto Kentzler, bei der Bundeskanzlerin gut aufgehoben. Kentzler bezeichnete die Unternehmensfinanzierung als erhebliches Wachstumsrisiko. Es sei von zentraler Bedeutung, dass die Banken in der Lage seien, bei anziehender Konjunktur die Unternehmen ausreichend mit Krediten zu versorgen: „Von dem von der Bundesregierung eingesetzten Kreditmediator erwarten wir ein unbürokratisches Verfahren, in dem geprüft wird, welche zusätzlichen Kreditoptionen sich im Einzelfall unter Einbeziehung von Förderprogrammen und Bürgschaften eröffnen. Auf diese Weise kann zugleich die Transparenz der Finanzkommunikation zwischen kreditsuchenden Unternehmen und Kreditinstituten erhöht und die Basis für neues Vertrauen gelegt werden.“ Mit Sorge sieht die deutsche Wirtschaft den sich anbahnenden demografiebedingten Fachkräftemangel bei gleichzeitig fehlendem Angebot an ausbildungsfähigen Jugendlichen.
Angela Merkel hob hervor, dass zwischen ihr und den Wirtschaftsfunktionären in diesen Punkten „ein hohes Maß an Übereinstimmung“ herrsche. Der Kritik an ihrer schwarz-gelben Regierung begegne sie „proaktiv“. Denn nicht an Befindlichkeiten sondern an den Ergebnissen ihrer Politik solle man die Koalition messen: „Das hohe Haushaltsdefizit ist nur und ausschließlich der Krise geschuldet.“ Die erheblichen Investitionen zur Unterstützung der Privatwirtschaft erachteten die Koalitionspartner deshalb als unumgänglich, weil dadurch viele Arbeitsplätze erhalten geblieben seien, die andernfalls abgebaut worden wären.
Obwohl die Talsohle durchschritten sei, sei die Wirtschafts- und Finanzkrise noch nicht überwunden, kommentierte Hans-Peter Keitel Merkels Ausführungen: „Der relativ stabile Arbeitsmarkt täuscht, die Krise ist nur mit Wachstum zu meistern.“
Einig waren sich die Gesprächspartner auch darin, dass der langfristige Wohlstand einer Gesellschaft nur durch Bildung gewährleistet werden könne. „Die Berufswelt hat sich massiv verändert; das muss sich in dem widerspiegeln, was die Kinder in der Schule lernen“, sagte Merkel und verwies auf den angestrebten Bildungspakt des Bundes mit den Ländern, die in ihren Haushalten – zunächst bis 2014 – sieben Prozent für Bildung vorsehen sollen. Das freut Handwerkspräsident Kentzler, dem die Ausbildungsfähigkeit der Schulabgänger sehr am Herzen liegt. Zur Ermutigung der Jugendlichen hat er ein Ziel vor Augen: die Aktion „Wir brauchen alle“.



12.3.10

Handwerkliche Perfektion, künstlerische Kreativität

VON ANGELIKA BASDORF

Talente 2010: Der internationale Wettbewerb für Nachwuchskräfte im Handwerk auf der Internationalen Handwerksmesse in München stellte einmal mehr unter Beweis, dass den jungen Kreativen die Ideen nicht ausgehen.

Den Text finden Sie unter http://produktdesign.suite101.de/article.cfm/talente-preis-2010



5.3.10

Hoffnung auf Stabilität

Die Ukraine nimmt Kurs auf Europa

VON ANGELIKA BASDORF

Ein deutliches Signal bezüglich seiner Politikausrichtung setzte der am vergangenen Freitag vereidigte ukrainische Präsident Wiktor Janukowitsch: Seine erste Auslandsreise ging am 1. März nach Brüssel, Moskau ist erst am 10. März an der Reihe.

Was sich schon im ersten Wahlgang Mitte Januar abgezeichnet hatte, bestätigte die Stichwahl zwischen Julia Timoschenko und Wiktor Janukowitsch am 7. Februar: Die Revolution in Orange ist Geschichte. Die zerstrittenen Sieger von 2005 waren unfähig, die Ukraine zu regieren. Ihre hehren Ziele – Bekämpfung der Korruption, eine blühende Wirtschaft und innenpolitische Reformen – haben sie nicht verwirklicht. Viktor Juschtschenko und Julia Timoschenko waren und sind persönlich und politisch-programmatisch inkompatibel.
Der neue Mann an der Spitze des größten europäischen Landes hat diesmal sein Ziel durch demokratische Wahlen erreicht; einer Wahlfälschung bedurfte es nicht, auch wenn Julia Timoschenko es immer noch nicht glauben will. Bis jetzt hat er sich dazu jeglicher Häme enthalten. Er hat dazugelernt. Aber staatsmännisch wirkte er noch nicht, als er gestern in Brüssel mit Manuel Barroso vor die Presse trat. Er hatte nicht viel zu sagen, wie schon im gesamten Wahlkampf nicht. Dennoch traut ihm die selbstbewusster gewordene ukrainische Bevölkerung zu, das Land zu stabilisieren. Der Historiker Professor Gerhard Simon sieht in dem Wahlergebnis kein Indiz dafür, dass West- und Ost-Ukraine auseinander driften. Zwar gibt es Regionen mit Extremwerten, zum Beispiel Lwiw (Lemberg) mit über 86 Prozent für Julia Timoschenko und Donezk mit 90 Prozent für Wiktor Janukowitsch, aber in vielen Gebieten in der Landesmitte lagen beide Kandidaten bis zuletzt spannend gleichauf.
Als positiv wertet der Ukraine-Experte Simon die Tatsache, dass die elementaren Regeln der Demokratie funktionieren und dass sowohl links- als auch rechtsextreme Parteien chancenlos sind. Im Parlament allerdings habe sich bisher keine politische Kultur entwickelt, und zunächst steht Janukowitsch einer Premierministerin gegenüber, die seine Politik mit allen Mitteln blockieren will. „Das sind infantile, aber gefährliche Manipulationen“, sagt Simon. Janukowitsch ist zu wünschen, dass ihm bald eine neue Fraktionsbildung in der Werchowna Rada gelingt und er dann mit einem neuen Premierminister gemeinsam das brachliegende Regierungsgeschäft ankurbelt. Da wären zunächst die Aufstellung und Verabschiedung eines Haushaltsplans für das laufende Jahr, die Beseitigung von Mängeln in der 2005 mit heißer Nadel gestrickten Verfassung und die Installierung eines richtigen Verfassungsgerichts.
Außerdem steht das Land finanziell am Abgrund und hängt am Tropf des IWF. Helfen kann da eigentlich nur die EU – mit Investoren und Vertrauen in die Reformkraft einer neuen Präsidialmehrheit. „Zur Westintegration gibt es für die Ukraine keine Alternative“, glaubt Professor Simon. Aber Janukowitsch sei klug genug, auch auf russische Empfindlichkeiten Rücksicht zu nehmen. So erteilt er zum Beispiel einer Nato-Mitgliedschaft seines Landes eine klare Absage: „Eine blockfreie Ukraine ist die Brücke zwischen Russland und der EU.“



26.2.10

„Der Bauberuf ist meine Zukunft“

VON ANGELIKA BASDORF

Azubi-Casting: Für das Projekt „Anstoß für ein neues Leben“ engagieren sich immer mehr Handwerker. Neu dabei sind die berufsbildungszentren des Bauhandwerks (BZB).

Für Frank Pawlik und Herbert Schaefer war es ein ungewöhnlicher Tag. Der Geschäftsführer und der Vorsitzende der BZB besuchten die Justizvollzugsanstalt (JVA) Heinsberg, um Kooperationsmöglichkeiten im Bereich der Bauausbildung auszuloten. Von den Werkstätten und der Ausbildungsqualität in der Jugendstrafanstalt zeigten sie sich beeindruckt: „Damit kann man nach der Haftentlassung etwas anfangen.“
Darauf hofft zum Beispiel der 20-jährige Danny. Seine Zwischenprüfung als Spezialhochbaufacharbeiter hat er mit der Note 1,2 absolviert. „Der Bauberuf ist meine Zukunft, meine Welt“, sagt er. Bis er das außerhalb der Gefängnismauern unter Beweis stellen kann, wird allerdings noch einige Zeit vergehen. „Gleichwohl“, so der stellvertretende Leiter der JVA Heinsberg, Wilhelm Kroh, „wirkt sich eine mit guten Ergebnissen abgeschlossene Ausbildung positiv auf die Beurteilung aus, wenn es um Haftlockerung oder das Aussetzen einer Reststrafe zur Bewährung geht.“
Für solche Kandidaten wollen sich Frank Pawlik und Herbert Schaefer einsetzen. Einige der BZB-Angebote sind wie geschaffen für Jugendliche, die auf dem Weg ins Berufsleben besonders an die Hand genommen werden müssen – zum Beispiel der „1,2,3…Azubi-fit-Test, an dessen Ende die passgenaue Vermittlung in einen Baubetrieb steht, oder das „Baujob-Casting“ in den kommenden Osterferien. Derzeit prüfen die Berufskoordinatoren in den JVAs, welche Jugendlichen aus dem Sepp-Herberger-Projekt „Anstoß für ein neues Leben“ für diese Angebote in Frage kommen.
Dass es für Handwerksunternehmer nicht leicht ist, haftentlassene Jugendliche in ihrem Betrieb zu integrieren, weiß Frank Pawlik genau. Für sie wird er noch in diesem Jahr ein Seminar zum Thema „Umgang mit schwierigen Jugendlichen“ anbieten. Außerdem möchte der BZB-Geschäftsführer einen Erfahrungsaustausch seiner Ausbilder mit ihren Kollegen in den Haftanstalten initiieren. „Denn“, so sein Fazit nach dem Besuch in der JVA Heinsberg, „die Jugendlichen hier sind nicht anders als unsere Lehrlinge draußen.“
Inzwischen organisieren die Sportkoordinatoren der sechs nordrhein-westfälischen Jugendstrafanstalten Heinsberg, Herford, Hövelhof, Iserlohn, Köln und Siegburg den Ligabetrieb des Fußballprojektes im dritten Jahr. Er bildet die sportliche Komponente von „Anstoß für ein neues Leben“, das der Westdeutsche Handwerkskammertag (WHKT) als Partner der Sepp-Herberger-Stiftung und des NRW-Justizministeriums Projekt mit auf den Weg gebracht hat. Freuen dürfen sich alle Beteiligten und Interessenten schon heute auf das Abschlussturnier am 4. September in der JVA Köln-Ossendorf mit Beteiligung eines prominenten Fußballspielers. Zuschauer sind dabei ebenso willkommen wie Handwerksunternehmer, die bereit sind, einem haftentlassenen Jugendlichen in ihrem Betrieb eine berufliche Chance zu geben. Anfragen dazu richten Sie bitte an basdorf@handwerksblatt.de.
Näheres zum Projekt „Anstoß für ein neues Leben“ der Sepp-Herberger Stiftung erfahren Sie im Internet unter www.handwerksblatt.de.



19.2.10

Meisterwerk aus Köln ist alljährlicher Berlinale-Star

Die Bildhauerin Gesina Liebe schuf die Statuette für den Caligari-Filmpreis

VON ANGELIKA BASDORF

Im Rahmen der Berlinale wurde am Freitag, 19. Februar, zum 25. Mal der Caligari-Filmpreis verliehen. Die Caligari-Preisstatuette entwarf und gestaltete die Kölner Bildhauerin Gesina Liebe erstmals 2005. In diesem Jahr ging sie an den Italiener Pietro Marcello.

Den Text finden Sie unter http://kunst-preise-events.suite101.de/article.cfm/der-caligari-steht-im-schatten-der-berlinale



12.2.10

Rasche Hilfe bei Rechtstreitigkeiten

Vor allem im Bausektor bietet sich eine Gerichtsmediation an

VON ANGELIKA BASDORF

Das Baurecht ist eine komplizierte Materie. Gerichtsverfahren in diesem Bereich sind teuer und langwierig. Ein Kölner Pilotprojekt, in dem als Mediatoren ausgebildete Rechtsanwälte in anhängigen Prozessen eingeschaltet werden, stellt eine zukunftsweisende Alternative dar.

Den Text finden Sie unter http://handwerk.suite101.de/article.cfm/mediation_hilft_dem_bauhandwerk



5.2.10

Catering:

Das Niveau muss stimmen

VON ANGELIKA BASDORF

„Man tanzt nicht auf zwei Hochzeiten“, hört man oft als Begründung, wenn Hoteliers es ablehnen, zusätzlich zu ihrem Kerngeschäft Catering-Aufträge anzunehmen. Die Gastronomiebranche scheint in dieser Frage tatsächlich gespalten. Die einen halten Catering für unwirtschaftlich, die anderen sehen darin einen positiven Effekt fürs Image und entwickeln sich zu All-inclusive-Eventmanagern.

Kalte Platten machen können viele. Wenn Hoteliers zu Caterern werden, hängt mehr daran, vor allem auch die Reputation. Denn ein mit Speisen, Service oder Organisation unzufriedener Catering-Auftraggeber zieht mitunter daraus Rückschlüsse auf das Kernangebot des Gastronomen und verzichtet in Zukunft auch darauf, seine Tagungen in Ihrem Hause abzuhalten, für seine Gäste Hotelzimmer zu buchen und seine Geschäftspartner in Ihr Restaurant einzuladen. Es ist demnach nachvollziehbar, wenn sich am Markt gut etablierte Häuser auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren und Außer-Haus-Events anderen überlassen, wie zum Beispiel das privat geführte Hotel Hafen Hamburg. Das aus einem im 19. Jahrhundert erbauten Seemannsheim der Stadt Hamburg hervorgegangene Haus ist seit 30 Jahren bekannt für seinen individuellen Service und das maritime Flair, das die exponierte Lage oberhalb der St. Pauli Landungsbrücken mit sich bringt. Bei der Aufnahme des Hotelbetriebs 1979 verfügte das Haus über 80 Zimmer, inzwischen ist ihre Zahl durch ständige An- und Erweiterungsbauten auf 353 gestiegen. Auch die Tagungs- und Veranstaltungskapazitäten haben sich erweitert. Hochzeiten und Bankette mit dem Blick aufs Wasser erfreuen sich ebenso großer Beliebtheit wie das übliche Restaurantgeschäft, im Sommer mit Bewirtung auf der Terrasse. Verantwortlich für den gastronomischen Bereich ist Fred Nowack. Für ihn stand das Thema Catering bisher nicht zur Debatte. Vielmehr trägt seiner Meinung nach die ausschließliche Konzentration auf das Inhouse-Geschäft und die ungeteilte Zuwendung, die den Hotel- und Restaurantgästen entgegen gebracht wird, ganz erheblich zum Erfolg und guten Ruf des Hotels bei.
Das simple Angebot eines Sektempfangs oder Abendessens im Hotel-Restaurant genügt den Ansprüchen unserer heutigen Gesellschaft nicht mehr. Auf der Stromburg können die Gäste sicher sein, dass sie etwas Besonderes geboten bekommen. Johann Lafer ist weithin bekannt für seine kulinarischen Kreationen, die er auf Anfrage auch außerhalb seines Schlosshotels serviert. Wie die meisten Hoteliers ist er dadurch zu Caterern geworden, dass es aus dem Stammgastbereich Anfragen dazu gab. Aber selbst akquiriert Lafer keine Cateringaufträge. Denn schon jetzt bewältigt er pro Monat zwei große Caterings, dazu kommen noch die Kochshows und kleinere Aufträge. Das Niveau ist hoch. „Wir machen keine Kompromisse, was die Qualität der Produkte und das Erscheinungsbild der Servicemitarbeiter angeht“, sagt Lafer. Für ihn ist das Catering keine Frage des Images, sondern muss sich auch rechnen. Kein Catering-Auftrag gleicht dem anderen. Das ist nicht nur bei Lafer so, sondern gilt für alle Gastronomen, die sich in diesem Segment bewegen. Deshalb sei es schwer, so der rheinland-pfälzische Spitzenkoch, dem Kunden im Vorhinein einen bestimmten Preis zu nennen. Je nach Umfang und zusätzlichen Leistungen muss jeder Auftrag individuell und genau kalkuliert werden. Einen großen Unterschied im Aufwand stellt zum Beispiel die Entscheidung dar, ob das Essen in Büffetform oder als serviertes Menü gereicht wird. Beim Menü lassen sich Geschirr- und Besteckmenge besser kalkulieren, das Speisenangebot auf dem Buffet lässt sich besser vorbereiten, und man kommt mit weniger Personal aus. Sehr in Mode ist derzeit das sogenannte Flying Buffet, bei dem die Servicekräfte vom Tablett nacheinander verschiedene Speisen – Kleinportionen oder Fingerfood – anbieten. Welche Form der Nahrungsaufnahme gewählt wird, spielt für Johann Lafer nicht die entscheidende Rolle, sondern die Qualität und Frische der Lebensmittel, „die meine Restaurantgäste auch gewohnt sind“. Mit einem unverrückbaren Standard als Grundlage lasse sich immer exakt kalkulieren. Am besten kann Lafer seine Qualitätsphilosophie umsetzen, wenn er bezüglich der kompletten Eventgestaltung freie Hand hat: „Das macht richtig Freude!“ Der Gastronom bezeichnet sein Unternehmen als liberal und ist stolz auf „eine schlanke Verwaltung“. Deshalb gibt es auch keine Mitarbeiter, die sich ausschließlich um das Catering-Geschäft kümmern. „Wenn etwas Größeres ansteht, bündeln wir die Kräfte“, erzählt der Chef von insgesamt 70 Mitarbeitern.
Als fröhlich, unkompliziert, schmackhaft und ehrlich beschrieb das „Gourmet-Magazin“ das von Restaurantführern vielfach ausgezeichnete Restaurant „Le Val d´Or. Das Zusammenspiel von Ideenreichtum, Können, Unverfälschtem und herzlicher Gastfreundschaft stehe für wahre Sinnesfreuden. Diese Atmosphäre des Genusses schafft Johann Lafer nicht allein durch die Kreativität in der Küche. Auch im Service braucht man dazu erfahrenes und gut geschultes Personal.
Wie schafft man es, den eigenen Qualitätsanspruch, den man als Gastronom in der Restaurantküche erfüllt, auf das Catering zu übertragen? Nicht ohne erfahrene Fachkräfte, sagen Premium-Caterer übereinstimmend. „Bei mir müssen alle Bewerber eine einschlägige Vollausbildung nachweisen“, sagt Franz L. Lauter, Chef des Schlossrestaurants Nordkirchen im Münsterland. Er hat schon Aufträge für die Außer-Haus-Bewirtung von 9.000 Gästen durchgeführt, und dazu reicht sein Stammpersonal von 40 Mitarbeitern in Küche, Service und Reinigung nicht aus. Die erfahrene Crew stockt er mit ehemaligen Mitarbeitern, Absolventen von Gastronomieschulen und Spitzenkräften aus den Niederlanden oder der Schweiz auf, die auf Empfehlung zu ihm finden. Neben dem Personal findet er, dass Logistik und Disziplin das Wichtigste sind. Einen optimalen Umgang mit Raum und Zeit hat er selbst schon bewiesen, als er in einer 14 Quadratmeter großen Küche seine ersten Michelin-Sterne erkochte. Die Schlossküche, sein heutiges Reich, umfasst 2.600 Quadratmeter und befähigt ihn, „aus dem Stand“ ein Full-Service-Catering für 600 Personen auszurichten, ohne dass er Geschirr oder anderes Equipment extern beschaffen muss. Parallel dazu werden gleichzeitig etwa 300 Restaurantgäste täglich bekocht und bedient. Lauter behält den Überblick und das Zepter in der Hand, wenn etwa sein Küchenchef ein Catering in Hamburg durchführt, er selbst auf der Gourmetmesse in Stuttgart kocht und der Sous-Chef in Nordkirchen die Stellung hält. „Wir werden lernen müssen, auf drei Hochzeiten gleichzeitig zu tanzen“, appelliert er an seine Kollegen, die sich (noch) nicht auf so viel Gleichzeitigkeit einstellen wollen. Denn der Catering-Markt ist eine Wachstumsbranche. Lauter konnte seinen Catering-Umsatz 2008 um 4,5 Prozent steigern und rechnet für dieses Jahr ebenfalls mit einer Steigerung um etwa zwei Prozent. Das Catering macht nach seiner eigenen Einschätzung 20 bis 30 Prozent seines Gesamtumsatzes aus und wäre noch steigerbar, wenn sich der mit Auszeichnungen Überhäufte nicht selbst eine Begrenzung auferlegte: „Von zehn Aufträgen lehne ich im Durchschnitt zwei ab.“ Ein Grund für die Absage eines Catering-Auftrages kann zum Beispiel sein, dass Lauter an der Bonität oder Zuverlässigkeit des Auftraggebers zweifelt. Gerade, wenn zusätzliches Personal angeheuert werden muss, der Sternekoch in Vorleistung tritt, muss er die Sicherheit haben, nach dem ausgerichteten Event nicht auf der Rechnung sitzen zu bleiben. Deshalb findet Lauter es selbstverständlich, von einem neuen Kunden Referenzen zu verlangen. Das ist in allen Branchen üblich, in der Gastronomie jedoch noch die Ausnahme. Im Übernachtungsgeschäft ist es inzwischen Gang und Gäbe, von fremden Gästen eine Anzahlung, eine Vorauszahlung oder wenigstens die Kreditkartendaten geben zu lassen, im Restaurantbereich wird die Sorge vor offen bleibenden Rechnungen offensichtlich aus Angst, damit einen Kunden zu verlieren, in Kauf genommen.
Niveauvolles Catering hat seinen Preis. Erfahrene Hoteliers kalkulieren für das gastronomische Erlebnis außer Haus wesentlich mehr als für das Essen in den hoteleigenen Räumen. Im Westin Bellevue Dresden zum Beispiel kostet ein Festessen nur 40 Prozent dessen, was bei Außer-Haus-Events berechnet wird. Franz L. Lauters untere Grenze liegt bei 35 Euro pro bewirteter Person für das Essen. All-inclusive-Preise mit Getränken lehnt er ab: „Der Verbrauch wird exakt abgerechnet.“ Johann Lafer kann dafür keinen generellen Preis nennen, weil die Caterings zu unterschiedlich sind: „Aber unter einer gewissen Schwelle lohnt sich der Aufwand im Verhältnis zum Ergebnis nicht. Das lässt man dann lieber bleiben!“ Außer der Abwägung Aufwand zu Gewinn muss der Gastronom im Premiumbereich einen weiteren Aspekt in seine Überlegungen einbeziehen: Passt das gewünschte Event zum Stil meines Hauses? Deckt sich der Kundenwunsch mit meiner kulinarischen Philosophie? Wer einen bayerischen Brauereigasthof betreibt, wird sich mit dem Wunsch nach einem japanischen Sushi-Abend schwer tun. Wer Spezialist für Wild- und Fischgerichte ist, könnte mit den Speisevorstellungen eines Veganer-Kongresses Schwierigkeiten bekommen. Der Betreiber eines rustikalen Landhotels kann dem Kundenwunsch nach feinem Porzellan und Champagner aus Kristallgläsern nicht entsprechen, das Design-Hotel kann nicht mit Bierkrügen und Jägerromantik dienen. Und das mit den Gepflogenheiten des Stammhauses vertraute Fachpersonal wirkt in der falschen Umgebung eingesetzt unter Umständen linkisch und deplatziert. Die Bedienung aus dem Bierzelt kann zwar zehn volle Maßkrüge schleppen, aber kein Tablett mit zehn Champagnergläsern balancieren, die zierliche Getränkekellnerin eines Fünfsternehotels würde dagegen unter der Last der Bierkrüge zusammenbrechen. In der Gastronomie gibt es keine Alleskönner. Das Catering ist immer dann ein Erfolgsgeschäft, wenn darin der unverkennbare, individuelle Stil Ihres Hauses erkennbar bleibt. Und genau den wollen Ihre Auftraggeber auch beim Catering.



29.01.10

Gelsenkirchener Gegensätze: Maloche und Musik

Am 15. Dezember beging das Musiktheater im Revier (MiR) seinen 50. Geburtstag. Für die Arbeiterstadt Gelsenkirchen ist der Spielplan eine Herausforderung.

VON ANGELIKA BASDORF

Braucht eine Stadt, die von ihren Zechen lebt, in der 60.000 der damals 380.000 Einwohner unter Tage arbeiten, ein so großes Theater? Als das 1959 zu den modernsten Bühnenbauten Europas zählende und 18 Millionen D-Mark teure Gebäude eröffnet wurde, waren aus der Bevölkerung nicht nur positive Stimmen zu hören. In der „Stadt der 1.000 Feuer“ ging man in seiner Freizeit „Auf Schalke“, zum Pferderennen auf die Trapp- oder die Galopp-Rennbahn, mit den Kindern in den Zoo oder in den Buerschen Stadtwald. Kultur war nur etwas für das wohlhabendere Bürgertum, Anzugträger, die damals in dieser Stadt eine Minderheit darstellten.

Den Text finden Sie unter http://gelsenkirchen.suite101.de/article.cfm/gelsenkirchener-gegensaetze-maloche-und-musik



22.01.10

„Eine disfunktionale Demokratie“

Wer wird Präsident(-in) der Ukraine?

VON ANGELIKA BASDORF

Unerträgliches Kompetenzgezerre, Blockaden des Parlaments, politische Stagnation, drohender Staatsbankrott – fünf Jahre nach der Revolution in Orange befindet sich die Ukraine in einer Dauerkrise. Egal, ob Janukowitsch oder Timoschenko, er oder sie wird die Probleme nicht lösen.

„Die einstigen Sieger vom Majdan sind heillos untereinander zerstritten. Sie haben sich in vieler Hinsicht als unfähig erwiesen, die ihnen gebotenen Chancen zu nutzen und das erworbene Vertrauen in politische Erfolge umzuwandeln“, analysiert Professor Georg Simon, Historiker und Ukraine-Spezialist an der Universität zu Köln. Deshalb brauche ihr politischer Gegner Wiktor Janukowitsch noch nicht einmal Reden zu halten, seine Popularität steige mit der Krise, sagt der Kiewer Politologe Professor Oleksiy Haran. Umfrageergebnisse sehen Janukowitsch derzeit vor Julia Timoschenko.
„Den Öffnungsprozess zur EU kann kein Präsident zum Stillstand bringen“, sagt Alina Getmantschuk, Chefredakteurin der wichtigen außenpolitischen Zeitschrift „Glavred“. Sie hat beobachtet, dass Timoschenko und Angela Merkel auf einer Wellenlänge liegen. „Die Ukraine ist ein europäisches Land“, lässt auch Professor Simon keinen Zweifel. Aber 17,7 Prozent der Wahlberechtigten, in der Mehrheit diejenigen, die früher „orange“ gewählt haben, wollen im zweiten Wahlgang weder Timoschenko noch Janukowitsch ihre Stimme geben.
Als disfunktionale Demokratie bezeichnet der Schriftsteller Mykola Rjabtschuk den Zustand seines Heimatlandes. Denn weder die Regierung noch die Opposition verfügt im Parlament über eine Mehrheit. Sollte Timoschenko Präsidentin werden, wird es vermutlich keine vorgezogenen Parlamentswahlen geben, weil viele an der Macht bleiben wollen und dafür auch bereit sind, zu Timoschenko überzulaufen. Sollte Janukowitsch die Wahl für sich entscheiden, wird Timoschenko das Parlament auch nicht auflösen, weil sie dann wenigstens Premierministerin bleiben will.
Außenpolitisch dürfte Janukowitsch im Vergleich zu Timoschenko ein sperriger Partner für die EU sein. Aber, so Professor Simon, auch unter ihm werde die Ukraine nicht zu einem Satelliten Russlands werden: „Das verhindern nicht zuletzt die Oligarchen und die neuen nationalen Eliten insgesamt, die keineswegs unter die Fuchtel Russlands zurück wollen.“



15.01.10

Begehrter Glücksbringer im Schloss Bellevue

Kaminkehrermeister Thadäus Mußner war beim Neujahrsempfang des Bundespräsidenten Hahn im Korb und Presseliebling.

VON ANGELIKA BASDORF

Das hätte er sich nicht träumen lassen. Schon die Einladung nach Berlin war aufregend für Thadäus Mußner aus Freilassing. Selbstverständlich trug er beim Defilee im Berliner Amtssitz des Bundespräsidenten seinen Schornsteinfeger-Ausgehanzug mit den blankpolierten Knöpfen. „Ich habe gar keinen anderen Anzug“, bekannte er, „in diesem habe ich geheiratet und will eines Tages in ferner Zukunft auch darin begraben werden.“ Dass er zusammen mit 62 anderen ehrenamtlich engagierten Bürgern vom Bundespräsidenten empfangen wurde, empfand er als große Ehre und als einen Höhepunkt seines Lebens: „Nach meiner Hochzeit und der Geburt meines Sohnes Florian vor zwei Jahren“.
Mußner ist Initiator und Organisator der „Aktion Kaminkehrer“, bei der Geld für hilfsbedürftige Familien gesammelt wird. Die Aktion erstreckt sich jeweils über einen Zeitraum von einem Jahr, abschließender Höhepunkt ist immer eine Feier mit einem Umzug von bis zu 400 Kaminkehrern. Dass er jemand ist, der anderen Menschen gerne eine Freude macht, erlebten auch die insgesamt über 200 Gäste des Neujahrsempfangs. Der 48-Jährige erwies sich als gut vorbereitet. Nach dem Defilee hatte er für jeden einen Glückspfennig in der Tasche. Damit ihm die so schnell nicht ausgehen, so erzählt er, hatte er sich vor der Währungsumstellung zu Hause einen Vorrat im Wert von 1.000 D-Mark angelegt, Glückscents sind ihm nicht traditionell genug. Besonders die Damen zupften Mußner nach altem Neujahrsbrauch gerne am Anzugärmel, was ebenfalls Glück fürs neue Jahr verheißt, allen voran die Politikerinnen: Bundeskanzlerin Angela Merkel ebenso wie Landwirtschaftministerin Ilse Aigner, Justizministerin Sabine Leutheuser-Schnarrenberger und die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Renate Künast. Bereitwillig ließ sich der „Ruaß“, wie Mußner sich selbst nennt, mit allen fotografieren. Sein bajuwarischer Charme kam auch bei den Medien gut an: Fast alle Zeitungen der Republik berichteten über den Neujahrsempfang des Bundespräsidenten mit einem Foto von Thadäus Mußner.
Der Bezirkskaminkehrermeister ist Schornsteinfeger mit Leib und Seele. In keinem anderen Beruf komme man mit den Menschen so leicht in Kontakt, schwärmt er. Zu Beginn seiner Lehrzeit sah er das noch nicht so, zumal es in diesem Beruf keine Familientradition gab: „Mein Vater war Maurer. Er kannte einen Kaminkehrer und hat mit ihm ausgemacht, dass der mich als Lehrling einstellt. Am ersten Abend hab’ ich Rotz und Wasser geheult – der Schmutz, Angst vor Lungenkrebs – ich fand es schrecklich! Aber nach nur einer Woche war ich so begeistert, dass ich nichts anderes mehr machen wollte.“ 1983 legte Mußner die Meisterprüfung ab. Seit 1990 hat er seinen Kehrbezirk, den er heute mit einem Gesellen und einem Lehrling versorgt. Sein soziales Engagement stellt er im Gespräch gerne unter den Scheffel. „Ich weiß gar nicht, warum ich eigentlich hier bin“, sagte er beim Mittagessen in Schloss Bellevue, zu dem der Bundespräsident und seine Frau im Anschluss an den Empfang die 63 Bürger eingeladen hatten. Aber über seine Kaminkehrer-Aktion könne er fast ein Buch schreiben, bekennt der Initiator. Der schönste Dank sei von der Mutter eines behinderten Kindes gekommen: „Du hast uns ein Stück Glück gebracht!“ Diesen Aspekt hob auch der Bundespräsident in einer kurzen Ansprache an die ehrenamtlich engagierten Bürger hervor. Viele von ihnen arbeiteten unentgeltlich, weil man das, was sie dafür zurück bekommen, ohnehin nicht kaufen könne: Dankbarkeit und Liebe. „Ohne Menschen wie Sie“, sagte Köhler, „kann ein Gemeinwesen nicht funktionieren.“
Zu diesen Menschen darf sich auch Carola Greiner-Bezdeka zählen. Sie hatte der Bundespräsident ebenfalls zum Neujahrsempfang eingeladen. Die Elektroinstallateur-Meisterin aus Weichering setzt sich seit 2004 als Vorstandsmitglied der Handwerkskammer für München und Oberbayern dafür ein, dass Mädchen mehr von den vielfältigen Berufs- und Karrieremöglichkeiten im Handwerk erfahren und ermutigt sie, gewerblich-technische Berufe zu ergreifen.



08.01.10

Kristallklare Luft und ein Sprungbrett für Weltmeister

Die Sportwelt Amadé ist das Herzstück des österreichischen Wintersports

VON ANGELIKA UND FABIAN BASDORF

Acht Orte, 860 km Pisten, 270 topmoderne Liftanlagen sowie die Heimat von Weltmeistern und Olympiasiegern, dies sind die Eckdaten der Salzburger Sportwelt, die das Herzstück der Ski Amadé bildet.

Den Text finden Sie unter http://oesterreich-reisen.suite101.de/article.cfm/salzburger_sportwelt_amade



01.01.10

Langer Schatten der Euro 2012

Die Ukraine steckt im politisch-organisatorischen Chaos fest

VON ANGELIKA BASDORF

Jubel herrschte am 11. Dezember im Hause von Grigori Surkis, Präsident des ukrainischen Fußball-Verbandes. Die UEFA legte die endgültigen Austragungsorte für die Fußball-Europameisterschaft 2012 fest. Nicht die befürchtete „Sechs+Zwei-Lösung“, sondern die erhoffte Verteilung auf vier Stadien in Polen und vier in der Ukraine ist nun Fakt. Aber der größte Teil der Arbeit liegt noch vor den Verantwortlichen. Denn außer schönen neuen Stadien hat das Land keine Infrastruktur vorzuweisen, die einem Sportereignis dieser Dimension gerecht würde. Gravierend sind die Probleme in Lemberg und Donezk: In Galizien fehlt ein Flughafen, der mehr als vier aus dem Ausland ankommende Maschinen pro Tag verkraften kann, und im Donbass gibt es kaum Unterkünfte für Touristen.

Reicht die einende Kraft des Fußballs? In Kiew und Warschau wird man momentan auf diese Frage konträre Antworten bekommen. Während in Polen zeitplangemäß die Stadien in die Höhe wachsen und auch die notwendigen Infrastrukturmaßnahmen mithilfe von EU-Fördermitteln zügig umgesetzt werden, herrscht in der Ukraine das Chaos. Nicht zuletzt deswegen hat die UEFA den spätmöglichsten Entscheidungstermin gewählt, um der Ukraine alle Chancen einzuräumen, die vier Spielstätten Charkiv, Donezk, Kiew und Lemberg zu ermöglichen. Und sie hat mit ihrer Entscheidung nicht in den schon heftig tobenden Präsidentschaftswahlkampf eingegriffen. Denn sowohl der aktuelle Favorit Wiktor Janukowitsch als auch seine aussichtsreichste Konkurrentin Julia Timoschenko hätten dem Gegner die Zurückweisung eines Austragungsortes seitens der UEFA als Versagen in die Schuhe schieben können: Janukowitsch Timoschenko bei Lemberg, Timoschenko Janukowitsch bei Donezk.
„Große Bauprojekte haben immer etwas mit Politik zu tun“, sagt Professor Marek Nowak. Er ist der leitende Architekt des Stadionumbaus in Kiew. Den Zuschlag dafür bekam er nicht zufällig. Er hatte schon das Rhein-Energie-Stadion bei laufendem Betrieb umgebaut, und auch der Umbau des schlesischen Nationalstadions in Chorzów für die Euro 2012 trägt seine Handschrift.
Dr. Michael Himalij hat 2006 den ukrainischen Fußballverband und die Nationalmannschaft auf die Weltmeisterschaft vorbereitet und nach Deutschland begleitet. Seitdem, so sagt er, träume der davon, als Veranstalter der Europameisterschaft 2012 das Ansehen der Ukraine zu steigern. Aber die Politik des Landes sei zu sehr mit sich selbst beschäftigt, und die Bevölkerung sorge sich mehr um die Talfahrt der Wirtschaft als um einen Sport, der kein Volkssport ist.
Die Ukrainer sehnen sich nach politischer und vor allem wirtschaftlicher Stabilität. Diese Ziele sind schwer zu erreichen mit einem Präsidenten, der alle Boni der Revolution in Orange aufgebraucht hat, und einem Parlament, in dem weder die Regierung noch die Opposition über eine Mehrheit verfügt. Mykola Rjabtschuk, Schriftsteller und einer der einflussreichsten politischen Kommentatoren seines Landes, sagt: „Die Ukraine ist eine dysfunktionale Demokratie, in der es kein Recht gibt, das greift, und Gesetze sich widersprechen.“
Vielleicht kann der Vertrauensvorschuss der UEFA , deren Zuversicht, dass die Ukraine sich als europameisterschaftstauglich erweist, in der Bevölkerung ein neues europäisches Selbstbewusstsein bewirken. „Denn“, so Alina Getmantschuk, Chefredakteurin der wichtigen außenpolitischen Zeitschrift „Glavred“, „dass Janukowitsch einen prorussischen und Timoschenko einen proeuropäischen Kurs einschlagen wird, ist eine Verkürzung der Positionen, die so nicht stimmt. Den Öffnungsprozess des Landes kann kein Präsident zum Stillstand bringen.“ Und der Politologe Professor Oleksiy Haran rät: Der Westen sollte die Ukraine nicht immer durch die russische Brille betrachten.“



zurück