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Er selbst hatte es nicht leicht im Leben. Der Arbeitersohn begann seine berufliche Karriere als Hilfsbauarbeiter. Trotz seines Ruhms und der Legendenbildung um das „Wunder von Bern“, das ihn als Trainer weltbekannt machte hat er nie den Blick für diejenigen vergessen, die in der Gesellschaft ganz unten stehen. Bei der Gründung der Sepp-Herberger-Stiftung war ihm deshalb die Resozialisierung von jungen Menschen, die aus der Bahn geraten sind, ein großes Anliegen.
In Leichlingen ist er etabliert und sogar Mitglied in mehreren Vereinen. Von seinem Akzent her ist er Rheinländer. Aber Selfet Yagcis Wiege stand in Antalya. Und er nutzt seine türkischen Wurzeln, um am Bosporus deutsche Handwerksqualität zu etablieren.
Schon während seiner Ausbildung zum Augenoptiker galt Matthias Hübers’ besondere Aufmerksamkeit den Kontaktlinsen. „Das Normale hat mich nicht interessiert“, sagt er. Nach FH, praktischen Erfahrungen in der Industrie und als Geschäftsführer eines Optikers in Lüneburg machte sich der gebürtige Hesse 1993 mit seinem „Contactlinsen-Studio“ in Essen selbstständig.
Bautätigkeiten im gigantischen Ausmaß stehen Polen und der Ukraine bevor, die gemeinsam die Fußball-Europameisterschaft 2012 ausrichten. Erste Ausschreibungen für die Straßen-, Hotel- und Stadionprojekte sind schon erfolgt.
Gut sehen und gut aussehen: Das sind die zwei Komponenten, die für Klaus-Peter Frey im Vordergrund stehen. Seit 35 Jahren hat der Augenoptiker sein Geschäft in der Bottroper Innenstadt. Was er an seinem Beruf liebt, ist die Herausforderung, für jede Fehlsichtigkeit die optimale Lösung zu finden.
Als Holger Notthoff 1983 seine Zeitarbeitsfirma gründete, hatte die Branche einen schlechten Ruf. In Essen und Wuppertal hat sich das längst gewandelt – nicht zuletzt weil die Holger Notthoff Industriepersonal GmbH (HNI) die Kunden durch Qualität überzeugt hat.
Eigentlich war sein Leben schon mit zwölf Jahren auf Fußball ausgerichtet. Aber Jörg Böhmes Eltern bestanden auf eine solide Ausbildung. So führte der junge Mann eine Zeitlang ein Doppelleben: Tagsüber die Lehre als Gas-Wasser-Installateur, abends das Fußballtraining.
1.365 Aussteller aus 39 Ländern präsentierten bei der 105. internationalen Schuhmesse (GDS) in Düsseldorf die Schuhmodetrends für die Herbs-Winter-Saison 2008/2009. Nach langer Quasiabstinenz fanden nun auch die Italiener wieder zurück auf die führende Veranstaltung für Mittel- und Nordeuropa.
Auf bis zu 30 Prozent schätzen Wellness-Hotels inzwischen den Männeranteil bei der Buchung von Einzelanwendungen und Arrangements. Auch auf der Beauty -Messe in Düsseldorf spielte die Zielgruppe „Mann“ eine wichtige Rolle.
Im Rahmen der I.H.M. trafen sich traditionell die Spitzenvertreter der deutschen Wirtschaft mit Angela Merkel. Dabei demonstrierten sie Gemeinsamkeit in den meisten der angesprochenen Themen: Unternehmer müssen als gesellschaftliche Vorbilder agieren, die Steuerpolitik muss Unternehmen und private Haushalte entlasten, der Bürokratieabbau muss vorangetrieben werden. „Unter dem Strich sind wir uns in den langfristigen Zielen einig“, sagte die Kanzlerin.
Er ist der berühmteste Bürger seiner Heimatgemeinde und darf sich sogar Ehrenbürger nennen. In Prichsenstadt kennt wohl jedes Kind den Namen. Das war aber auch schon so, als Michael Robert Glos noch nicht Bundeswirtschaftsminister war. Denn seine Familie mahlt seit vielen Generationen das Getreide der ortsansässigen Bauern. Eine Alternative zum Beruf des Müllers hatte es deshalb für ihn zunächst nicht gegeben.
Text und Bilder finden Sie unter
http://oesterreich-reisen.suite101.de/article.cfm/salzburger_sportwelt_amade
Eigentlich gab es für Michael Friedrich Wilhelm Krüger von Kindheit an nur ein Berufsziel: Architekt. Der Weg dorthin begann mit einer Lehre als Betonbauer – und endete als Comedian der Spitzenklasse in Funk und Fernsehen.
Das Abitur an einem Westberliner Gymnasium war schon zum Greifen nah, und dem Wunsch, Architektur zu studieren schien nichts mehr im Wege zu stehen. Aber für den 18-jährigen Rainer Eppelmann endeten mit dem 13. August 1961 nicht nur die Karrierepläne, auch das Familienleben der Handwerkerfamilie mit vier Kindern änderte sich abrupt. Der Vater, Zimmermann und „Grenzgewinnler“, weil er in Ost-Berlin wohnte und in West-Berlin arbeitete, blieb im Westen, die Mutter brachte die vier Kinder auf der anderen Seite der Mauer als Schneiderin durch.
Beruf: Musiker, Moderator, Komponist, Produzent, Sänger, Metzger. Stefan Raab lässt sich nicht festlegen und will sich nicht festlegen. Niemand weiß, welcher seiner skurrilen Einfälle sich als nächster Schritt auf der Karriereleiter entpuppt.
„Riesenbeck: Wer diesen Ortsnamen hört, denkt an olympisches Reitergold und Ludger Beerbaum. In Osteuropa denken viele dabei an „Riela“, denn aus Riesenbeck kommen Trocken-, Lager-, Förder-, Mahl und Mischanlagen, die in vielen Kolchosen zwischen Oder, Wolga, Don und Donau stehen.
„Der europäische Busbau hat sich nach Polen verlagert“, sagt Solange Olszewska. Sie und ihr Mann haben in nur wenigen Jahren ein Unternehmen mit 1.200 Mitarbeitern aufgebaut, das vom deutschen Verwaltungssitz aus Busse in ganz Europa verkauft. Produziert werden sie in Polen, aber ohne deutsche Zulieferer geht gar nichts.
Sylt bröckelt. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb wachsen die Grundstückspreise in den Himmel. Wer sie sich leisten kann, zählt zu den Erfolgreichen der Republik. Der Naturschutz rangiert hinter dem Eigennutz.
Die Einführung von Mindestlöhnen in anderen Branchen sei nur noch eine Frage der Zeit, frohlockten ver.di-Sprecher, als die Einigung auf eine Untergrenze für die Briefzusteller bei der Post bekannt gegeben wurde. Die Debatte um die Mindestlöhne wird in Politik und Wirtschaft sehr emotional und kontrovers geführt. Den Ansatz zur Versachlichung stellt eine betriebswirtschaftliche Studie dar, die das Deutsche Institut für kleine und mittlere Unternehmen (DIKMU) veröffentlicht hat.
Sepp Herbergers großes Anliegen
Ganz im Sinne des Stiftungsgründers dürfte deshalb das Fußballturnier sein, das am 7. Juni im Beisein des NRW-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers in der JVA Iserlohn ausgetragen wird. Für die Jugendmannschaften als allen nordrhein-westfälischen Jugendgefängnissen, die dabei gegeneinander antreten, soll es nicht ums Gewinnen gehen. Ziel des Projektes „Anstoß für ein neues Leben“ ist es, in der Gemeinschaft des Fußballspielens Selbstdisziplin, das Einhalten von Regeln ohne Zwang und faires Verhalten in der Gemeinschaft zu entwickeln – Tugenden, die die jungen Männer und Frauen auch brauchen, wenn sie nach der Haftentlassung in der Gesellschaft wieder Fuß fassen wollen.
Als Paten aus dem Fußball haben sich für das Projekt „Anstoß für ein neues Leben“ neben den beiden Stiftungsrepräsentanten Horst Eckel, WM-Gewinner von 1954, und Helmut Haller, Vize-Weltmeister von 1966, auch DFB-Trainer Heiko Herrlich und Trainerausbilder Erich Rutemöller zur Verfügung gestellt. Die Patenschaft für die weiblichen Gefangenen in der JVA Köln hat die Präsidentin des Organisationskommitees der Frauen-Fußballweltmeisterschaft 2011 in Deutschland, Steffi Jones, übernommen.
DHB hat die Medienpartnerschaft für dieses Projekt übernommen, das nur gelingen kann, wenn die Jugendlichen im Anschluss an die Haft eine berufliche Chance erhalten. Hierfür werden Paten aus dem Handwerk gesucht – Betriebsinhaber, die Praktikumsplätze und in einem nächsten Schritt Ausbildungsverträge in Aussicht stellen.
Sicher ist es keine leichte Aufgabe, Vorbestrafte in eine Belegschaft zu integrieren, gegen Vorurteile der Mitarbeiter und Kunden dieses soziale Engagement zu leben. Umso lohnender ist es, wenn die Resozialisierung auf diesem Wege gelingt. Die Verlagsanstalt Handwerk arbeitet diesbezüglich mit Sozialpädagogen und Bewährungshelfern zusammen, die interessierten Betriebsinhabern mit Rat und Tat zur Seite stehen.
Die Möglichkeit zu einer ersten „Berührung“ mit den betroffenen Jugendlichen bietet sich am 7. Juni in Iserlohn. Wer das Fußballturnier und die Siegerehrung ohne Turniergewinner – jede Mannschaft erhält einen Mitmachpokal – miterleben möchte, kann sich in der Redaktion „Deutsches Handwerksblatt“ unter Tel.: 0211/ 39 09 856 oder unter E-Mail: basdorf@handwerksblatt.de anmelden.
Fit für die Dächer von Istanbul und Antalya
Deutsch-türkischer Wissenstransfer
„In der Türkei fehlen Fachleute, die mit verschiedenen Materialien umgehen können“, sagt der selbstständige Klempner- und Dachdeckermeister. Die türkische Handwerksausbildung läuft über die Hersteller des Dachdeckerbedarfs, die Fachverleger sind nur in Bezug auf den jeweiligen Werkstoff fit. Dieses Defizit wurde Selfet Yagcis deutlich, als er im Rahmen einer Dach- und Wand-Messe in Istanbul mit Vertretern des türkischen Dachdecker-Verbandes Catider ins Gespräch kam. Yagci, stellvertretender Lehrlingswart der Innung Bergisches Land und in beiden Kulturen zu Hause, stellte erste Kontakte zwischen den Verbandsgeschäftsführungen her. Auch das Berufsbildungszentrum Bau (BBZ) in Wesel schaltete der 40-Jährige und fand in Geschäftsführer Frank Pawlik, der mit seinem Team über umfangreiche Auslandserfahrungen verfügt, einen Partner, mit dem er ein Konzept der Zusammenarbeit entwickeln konnte.
So kam es am Rande der Deubau 2008 zu einem ersten deutsch-türkischen Gipfeltreffen in Sachen Berufsbildung. Die vierköpfige Delegation des türkischen Verbandes trat mit Vertretern des Dachdecker-Verbandes Nordrhein in einen ausgiebigen Austausch zu Ausbildungsfragen.
Yagci, der inzwischen zum Türkeibeauftragten des Dachdecker-Verbandes Nordrhein avanciert ist, umreißt die Zukunftspläne der bilateralen Zusammenarbeit so: „Wir unterstützen den Verein Catisem in der Türkei und wollen dort eine stufenweise Dachdeckerausbildung aufbauen und zunächst in Istanbul, später auch in anderen Ballungszentren, ein BBZ nach deutschem Vorbild errichten. Unser erstes Ziel ist es, türkische Berufsschullehrer dafür in Wesel fit zu machen.“
Der Obermeister der Dachdecker-Innung Bergisches Land, Harald Laudenberg, unterstützt Yagcis Engagement und kann sich durchaus in naher Zukunft auch einen deutsch-türkischen Lehrlingsaustausch vorstellen. Die türkischen Berufskollegen sind auf jeden Fall an einer Umsetzung und Einführung deutscher Ausbildungsstandards in ihrem Heimatland sehr interessiert. Das erfüllt Yagci, den Sohn eines Imans, der erst mit sieben Jahren ins Rheinland kam, mit großem Stolz.
Eine Frage der Qualität
„Es gibt Linsenverkäufer und Linsenanpasser“, sagt der Optometrist und zählt sich selbst zu den Letzteren. Außer ihm gibt es in Deutschland nur 34 Optiker, die sich ausschließlich mit der Kontaktlinse als Sehhilfe beschäftigen. „Interlense“ heißt der Verband, in dem sie sich zum gegenseitigen Erfahrungsaustausch zusammengeschlossen haben.
Kontaktlinsen werden heute als Konsumartikel angesehen, die man quasi von der Stange kaufen kann. Diese Monats- oder Tageslinsen findet Matthias Hübers in der Passform suboptimal: „Menschliche Augen sind einzigartig wie der Fingerabdruck. Darauf können solche standardisierten Produkte nicht ausgerichtet sein.“ Problemloses Kontaktlinsentragen wird erst durch eine optimale Anpassung ermöglicht, und diese Dienstleistung wird in Hübers’ „Contactlinsen-Studio“ an der Kettwiger Straße groß geschrieben. Dort steht zunächst die Analyse des individuellen Sehproblems im Vordergrund. Die Suche nach der am besten geeigneten Kontaktlinse ist der nächste Schritt. Ebenso gehören die gezielte Auswahl des passenden Pflegemittels sowie die Unterweisung in die Handhabung der Kontaktlinsen zu den Dienstleistungen. Verantwortungsvolle Betreuung sei keine „Geschwindigkeitsdisziplin“, findet der Spezialist. Bei ihm geht keine Box Monatslinsen über die Ladentheke, ohne dass er sich die Augen des Käufers angesehen hat. Die gezielte Nachbetreuung findet er ebenso wichtig wie die Beratung vor der Entscheidung für eine bestimmte Linse.
Das „Contactlinsen-Studio“ ist diesem Grundsatz entsprechend auch kein Ladenlokal, wo man mal eben schnell neue Lisen oder ein beliebiges Pflegemittel kauft. Im vierten Stock eines Geschäftshauses eingerichtet, ähnelt es eher einer Augenarztpraxis, und diese fachliche Kompetenz soll es auch ausstrahlen.
Hübers arbeitet mit etwa 20 Herstellern zusammen und wird von ihnen über Innovationen auf dem Laufenden gehalten. „Es geht fast alles“, sagt er. „Kontaktlinsen sind Problemlöser, auch bei hoher Fehlsichtigkeit.“
Hübers bietet seinen Kunden einen Dienstleistungsvertrag an. Für einen relativ geringen Monatsbeitrag kontrolliert er regelmäßig, ob sich die Fehlsichtigkeit oder die Beschaffenheit der Augen ändert. Darauf kann dann mit einem Linsenaustausch oder mit dem Wechsel des Pflegemittels reagiert werden, noch ehe Trageprobleme auftreten. „Ich will die Kontaktlinsenträger ein Leben lang begleiten“, sagt der 50-Jährige. Das gilt auch für Kunden, die nicht komplett auf eine Brille verzichten wollen. Für diese „Ersatz-Sehhilfen“ bietet sich Matthias Hübers ebenfalls als Experte an.
Mit Partnern die Euro 2012 stemmen
47 Hotels und einen Autobahnring für 1,4 Mrd. Euro plant allein die Stadt Kiew. Dr. Rainer Kiewel vom Delegiertenbüro der deutschen Wirtschaft in der Ukraine hält es für deutsche Handwerker nicht für sinnvoll, sich direkt an Ausschreibungen zu beteiligen, sieht aber dennoch gute Chancen für Baubetriebe, als Subunternehmer an interessanten Projekten mitzuwirken. Unter www.dihk.com.ua werden in Kürze alle Großunternehmen, die eine Ausschreibung gewonnen haben, zu finden sein. In Frage kommende Baubetriebe können sich dann direkt bei diesen um eine Kooperation oder Los-Beteiligung bewerben. Kontakte mit Kollegen und potenziellen Auftraggebern für Bauprojekte in der Ukraine kann man am 6. August in der Arena AufSchalke knüpfen. Im Rahmen einer Roadshow werden IHKs und Handwerkskammern dann über die „Chancen der deutschen Wirtschaft“ in der Ukraine und in Polen informieren.
Auch Lars Bosse, Hauptgeschäftsführer der Außenhandelskammer in Warschau empfiehlt den Blick auf seine Internetseite www.ihk.pl, wo die Gewinner der polnischen Ausschreibungen demnächst veröffentlicht werden. Die Erweiterung der polnischen Hotelkapazitäten wird in unserem Nachbarland ausschließlich von privaten Investoren in Angriff genommen. Gute Chancen, im Huckepackverfahren auch hier zum Zuge zu kommen. Angesichts des engen Zeitplans kann sich das Land Ressentiments gegen deutsche Baubetriebe nicht leisten. Fachleute sind Mangelware, und Nachbarschaftshilfe ist durchaus willkommen, zumal die polnischen Löhne sich inzwischen durchaus sehen lassen können.
Optische Präzision aus einer Hand
Klaus-Peter Frey ist Spezialist. Technische Neuerungen haben ihn schon immer interessiert. Zum Beispiel absolvierte er eine Kontaktlinsen-Ausbildung, als viele seiner Berufskollegen noch zweifelten, ob sich diese Sehhilfen durchsetzen würden. So war Frey einer der Ersten in Nordrhein-Westfalen und der Erste in Bottrop, der weiche Kontaktlinsen anpasste. Fachliche Kompetenz und Höchstleistung ist gefragt, wenn es etwa darum geht, Winkelfehlsichtigkeiten zu erkennen und zu beheben.
Für den Optiker untrennbar verbunden mit der Güte seiner Dienstleistung ist die Qualität der Korrekturgläser und Brillenfassungen. Bei Frey kommen fast ausschließlich Gläser von Zeiss zum Einsatz. Begeistert ist er von der Neuentwicklung „Relaxed Vision“, einer Art Maßanzug für die Augen in bisher unerreichter Präzision. Ob im Rand-, Nah- oder Fernbereich – nicht das Auge muss sich auf das Gleitsichtglas einstellen, vielmehr richtet der Fachmann das Glas optimal auf das Auge aus. „Bisher dachte man, dass man an Einstärkengläsern nichts mehr verbessern kann und hat sich bei der Weiterentwicklung nur auf Mehrstärkengläser konzentriert“, erzählt Frey. Die Optimierung im Einstärkenbereich sei brandneu.
Die suboptimale Beschaffenheit von Sehhilfen macht sich immer dann bemerkbar, wenn die Pupillen groß sind, das heißt bei Dunkelheit. Denn die Brillengläser sind auf den Normalzustand kleine Pupille ausgerichtet. Die meisten Menschen nehmen das als unabänderlich hin. „Das muss nicht sein“, sagt Klaus-Peter Frey: „Die neue Brillengeneration kann den Zustand des natürlichen Sehens nahezu wieder herstellen.“
Was wären die besten Gläser ohne passende Fassungen. Bei Optik Frey ist das das Spezialgebiet von Annegret Willink. Sie hält seit 20 Jahren als Geschäftsführerin „die Nase in den Wind“ der modischen Entwicklungen und kann der Kundschaft ein breites Sortiment hochwertiger Designerbrillen anbieten. Ob im Sonnenbrillen- oder Korrekturbereich: Armani, Chanel, Dior, Gucci und Prada sind nur einige der Namen, aus deren Kollektionen Annegret Willink stilsicher diejenige auswählt, die die Persönlichkeit der Kundin oder des Kunden unterstreicht.
In dieser individuellen fachlichen und modischen Beratung aus einer Hand liegt die Stärke des Teams von Optik Frey, weswegen viele Stammkunden sogar weite Anfahrtswege in Kauf nehmen. Ihnen und allen Lesern des Rhein-Ruhr-Magazins gewährt das Unternehmen anlässlich seines Jubiläums vom 1. April bis zum 30. Juni, also drei Monate lang, bei den besten Glastypen im Einstärken- und im Gleitsichtbereich einen 20-prozentigen Rabatt.
Jeder ist ein Teil des Ganzen
„Wir erwarten von unseren Mitarbeitern überdurchschnittliche Leistungen“, sagt HNI-Geschäftsführerin Sabine Klee. Dass die etwa 450 Angestellten diese Erwartungen erfüllen, dass sie motivierter und leistungsbereiter sind als der Durchschnitt, hängt auch damit zusammen, dass sie übertariflich bezahlt werden.
Die Industrieunternehmen in der HNI-Kundenkartei wissen, dass HNI-Kräfte teurer sind als andere - und trotzdem greifen sie gerne auf dieses Fach- und Hilfspersonal zurück: „Unsere Kunden haben verstanden, dass sie von den Kräften, die wir schicken, einen höheren Nutzen haben, als wenn sie sich aus falscher Sparsamkeit unmotivierte und unzureichend qualifizierte Leute ins Haus holen.“
Die drei Disponenten, Holger Notthoff und auch Sabine Klee schauen sich die zu besetzenden Arbeitsplätze vor Ort genau an. Denn: „Auch auf der menschlichen Ebene müssen die vermittelten Mitarbeiter in das Unternehmen passen.“ Die Zeitarbeitskräfte sollen ja nicht als Störenfriede, sondern als Ergänzung, als wertvolle Kollegen, wahrgenommen werden. „Wir schicken lieber keinen als den Falschen“, macht Sabine Klee den Kunden klar. Und die sind dankbar dafür, dass HNI bei dem in der Hauptsache gewerblichen Personal mit so viel Fingerspitzengefühl agiert.
Viele der HNI-Mitarbeiter haben auf diesem Weg im Laufe der Jahre die Seite gewechselt, den Sprung weg von der Zeitarbeit auf einen festen Arbeitsplatz beim Kunden geschafft. Obwohl das eines der Ziele ist, die HNI verfolgt, sieht Gesellschafter-Geschäftsführerin Klee das „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“. HNI verliert zwar einen guten Mitarbeiter, aber Kunde und Mitarbeiter haben dauerhaft zueinander gefunden.
Auch bei HNI haben die Tüchtigen sichere Arbeitsplätze, gute Leute werden gehalten, selbst wenn die Kundenaufträge beendet sind. Für die Mitarbeiter, die bereits ein Zugehörigkeitsgefühl zu dem betreffenden Unternehmen und den Kollegen dort entwickelt haben, ist das eine schwierige Phase. Dann ist von den Disponenten – zwei in Wuppertal und einer in Essen – ganzer Einsatz gefragt, damit ein reibungsloser Übergang ins nächste Unternehmen möglich wird. Denn das Aus an einem Einsatzort bedeutet für den Mitarbeiter zunächst, dass sich seine Hoffnung auf einen Dauerarbeitsplatz zerschlagen hat.
So ist bei HNI eine ganze Menge Psychologie im Spiel, und genau das, so Sabine Klee, habe Holger Notthoff bei der Gründung des Unternehmens im Sinn gehabt: „Die Arbeit mit Menschen gibt ganz, ganz viel zurück.“ Menschen ohne nachweisbare Abschlüsse und Qualifikationen, aber mit der Motivation und Bereitschaft, an ihrem Einsatzort alles zu geben, erfahren bei HNI eine Wertschätzung, die den meisten von ihnen vorher versagt geblieben ist.
Seit der Firmengründung vor 25 Jahren ist HNI langsam und kontinuierlich gewachsen. Was Holger und Monika Notthoff aus kleinen Anfängen in ihrer Privatwohnung und später in bescheidenen Büroräumen entwickelt haben, wird mittlerweile in modernem und großzügigem Ambiente in der Paul-Klinger-Straße 15 sowie in der Niederlassung in Wuppertal fortgesetzt. Die Firmenlenker schätzen eine schlanke Verwaltung und eine flache Hierarchie. Und das soll so bleiben. Manchmal denkt Sabine Klee über einen dritten Standort nach. Aber momentan scheint der Zeitpunkt dafür ungünstig. Es liegt in der Natur von Zeitarbeitsfirmen, dass sie antizyklisch arbeiten. Springt der Konjunkturmotor an, steigt die Zahl der regulären Arbeitsplätze. „Jetzt gibt der Markt immer weniger gute Mitarbeiter für uns her“, sagt Sabine Klee und wünscht sich mehr Bewerbungen, sowohl von Fachkräften als auch von Ungelernten.
Eine anstrengende, aber schöne Zeit
Jörg Böhme hat nicht nur das Fußballspielen von der Pike auf gelernt
Als der heute 33-jährige Fußballstar aus Zeitz (Sachsen-Anhalt) den Abschluss der zehnten Klasse in der Tasche hatte, änderte sich durch die Wiedervereinigung Deutschlands der vom Fußballinternat in Jena für Böhme vorgezeichnete Weg. Eine Kfz-Lehre hatte man ihm in Aussicht gestellt, aber daraus wurde nichts mehr. So fing er bei einer kleinen Installationsfirma als einziger Lehrling an. Da sein Chef außer einem Gesellen nur den Auszubildenden Jörg Böhme hatte, war er auf dessen Arbeitsengagement angewiesen. Für den jungen Mann mit der Doppelbelastung war klar, dass er durch seine Zuverlässigkeit entscheidend zum Erhalt der eigenen Lehrstelle beitrug. Blau zu machen oder den Kollegen oder gar den Chef „hängen zu lassen“, wäre für ihn nie in Frage gekommen. „Das ist Ehrensache wie im Sport“, sagt er heute. Überwindung kostete ihn nur das frühe Aufstehen, vor allem, wenn er tags zuvor ein Training oder ein Landesliga-Spiel mit dem FC Carl Zeiss Jena absolviert hatte, bei dem er schon unter Vertrag stand. Die Dachrinnenreparaturen bei Wind und Wetter machten ihm dagegen wenig aus, denn körperliche Anstrengung unter freiem Himmel wurde ja auch auf dem Fußballplatz verlangt. Freizeit gab es für den Doppeltbelasteten damals nicht, aber er hielt die Lehrzeit eisern durch. „Ich wusste ja nicht, ob das Fußballspielen ausreichen würde, mal meinen Lebensunterhalt zu bestreiten, und deshalb war die handwerkliche Ausbildung eine sichere Bank“, sagt er. Seine Lehrzeit hat er als anstrengende, aber schöne Zeit in Erinnerung behalten. Der Beruf des Installateurs, zumal in einer kleinen Firma, die Aufträge aller Art ausführte, sei nie langweilig gewesen. Zum Beispiel habe er dadurch viele Leute kennen gelernt, wenn er bei der Badrenovierung mehrere Wochen in deren Wohnungen ein und aus ging.
Im Rückblick ist er sich ziemlich sicher, dass er nach der Lehre von seiner Firma übernommen worden wäre. Da zog es ihn und seine jetzige Ehefrau aber schon nach Nürnberg, wo er seine Bundesliga-Fußballkarriere begann. Eintracht Frankfurt, 1860 München, Arminia Bielefeld, FC Schalke 04 und Borussia Mönchengladbach waren die Vereine, für die er seine berühmte „linke Klebe“ zum Einsatz brachte. Mit Schalke gewann er den DFB-Pokal 2001 und den DFB-Pokal 2002. Im Pokalfinale 2001 erzielte er beide Treffer zum 2:0-Sieg der Schalker gegen den 1. FC Union Berlin. In der Nationalmannschaft kam er zwischen 2001 und 2003 zehn Mal zum Einsatz und gehörte auch bei der Fußballweltmeisterschaft 2002 in Südkorea und Japan zum Kader. Den Erfolg, als Vize-Weltmeister musste er allerdings passiv erleben, denn er war nicht ein einziges Mal eingesetzt worden. 2006 war er nicht mehr im Kader. Auch sein Wunsch, einmal in England zu spielen, hat sich bislang nicht erfüllt. Das Ende seiner Karriere nun langsam vor Augen war er 2005 zu Arminia Bielefeld zurückgekehrt, für die der Mittelfeldspieler in der Saison 2006/2007 vier Tore schoss.
Böhme bedauert, dass er es durch sein unstetes Leben als Fußballstar schwer hat, Kontakte außerhalb des Fußballs zu pflegen. Denn Verbindungen zu seiner ehemaligen Heimat, zu Kollegen aus der Zeit seiner Lehre hat er nicht mehr. Der im Interview eher schüchtern auftretende Sportler gilt als „Enfant Terrible“ der Fußballszene. Seine Leistungen variieren von Welt- zu Kreisklasse, je nach Tagesverfassung und Stimmung. Auch abseits des Fußballplatzes sind seine Eskapaden gefürchtet, denn überaus gerne legt er sich auch mit einigen seiner Trainer und Spielerkollegen an.
Fußball spiele in den Medien eine herausragende Rolle und dadurch erreichten die Spieler einen gewissen Kultstatus, stellt er bedauernd fest. Fast klingt es wie eine Entschuldigung dafür, dass ihm auch außerhalb des Spielfelds große Beachtung zuteil wird. Wenn er auf der Straße oder nach dem Training von Dutzenden Fans mit Autogramm- und Fotowünschen belagert wird, scheint es ihm eher peinlich zu sein, als dass er sich in der Rolle des Stars wohlfühlt. Er wisse, hatte er im Gespräch verraten, dass das große öffentliche Interesse nur dem Fußballer Böhme gilt und nicht dem Menschen hinter dieser Rolle. In der Saison 2007/2008 wird das noch so bleiben. Was danach kommt, weiß und plant er noch nicht.
Exklusiv und hochwertig
Die Wertschätzung guter Schuhe nimmt zu
Anhand des Wachstums der Premiummarken, an der Präsenz klangvoller Designernamen lässt sich die Entwicklung auf dem Schuhmarkt am deutlichsten charakterisieren: Bei Schuhen ist der zum geflügelten Wort gewordene „geile Geiz“ kein Thema mehr. Die Verbraucher achten verstärkt auf Qualität, das Bewusstsein für Marken und die Befolgung ethischer Grundsätze bei der Schuhproduktion spielen eine immer größere Rolle.
Besonders die Männerwelt scheint nun ein Faible für hochwertig gearbeitete Schuhe zu entwickeln, ein starker Zuwachs an Ausstellern in diesem Bereich trug diesem Trend Rechnung.
In modischer Hinsicht bleibt die kalte Saison 2008/2009 sportlich, allerdings deutlich schicker, gepflegter und teilweise eleganter. Eine klare Linienführung und eine große Leistenvielfalt fallen auf. Farblich gibt sich die neue Schuhmode insgesamt zurückhaltend. Schwarz und mittlere Brauntöne geben die Richtung vor. Darüber hinaus sorgen ein sattes Barolo-Rot, Flaschengrün, Nachtblau, Petrol und Lila für farbige Akzente im tristen Winteralltag. Innovationen sind vor allem auf der Materialebene zu beobachten. Two-Tone-Optiken, aber auch Crash- und Crinkleleder lassen die Oberflächen bewegt erscheinen. Eidechsen-Prints wirken edel, Ponyfell bringt sportiven Chic ins Spiel. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt: Filz wird mit Lackleder kombiniert, Brush trifft auf Nylon oder gewachstes Leinen auf weiches Nappa.
340 Millionen Paar Schuhe, das entspricht einem Pro-Kopf-Verbrauch von 4,13 Paar, wurden 2006 in Deutschland verkauft. Aber lediglich 24,8 Millionen Paar wurden in Deutschland produziert. Denn die meisten heimischen Hersteller und Markenträger geben die Schuhfertigung in Billiglohnländer. „Schuhe sind nicht sehr aufwendig in der Produktion“, erklärt Heinrich Deichmann diese Entscheidung. Sein Unternehmen hat bereits bekannte Schuhmarken wie Gallus und Elefanten übernommen und selbst auch starke Eigenmarken aufgebaut. Die Schuhe in den weltweit 2.324 Filialen werden in Indien, China und neuerdings in Kambodscha gefertigt. Wir haben in den letzten Jahren die Themen Qualität und Preis-Leistung sehr deutlich in den Vordergrund gestellt“, sagt der Firmenchef. Das haben die Kunden offenbar honoriert. Deshalb steht eine Neuorientierung ins Haus: Die in diesem Frühjahr gestartete Marke „Catwalk“ liegt in einem deutlich höheren Preisbereich als die Kunden von Deichmann gewohnt sind. Der marktführende Schuheinzelhändler hat demnach die im Rahmen der GDS propagierten Qualitäts- und Designanforderungen umgesetzt.
Pflichttermin für Kosmetikprofis
Schönheit und Wellness sind schon lange keine Frauenthemen mehr
Der Markt der Männerkosmetik weist zweistellige Zuwachsraten auf, aber selbst pflegebewusste Männer finden bislang eher selten den Weg in Kosmetikinstitute. Damit dies anders wird, muss neben dem Behandlungsangebot auch die Institutseinrichtung gezielt die Gefühls- und Bedürfniswelt von Männern ansprechen. Die „Spa Impressionen: Männerwelten“ zeigte auf der Messe, wie das mit nur wenigen Veränderungen gelingen kann.
Das Thema Wellness bekommt in allen Bereichen der Kosmetik ein größeres Gewicht, ob Fuß- oder Handpflege, Maniküre oder Visagistik: Die Schönheitsprofis müssen sich auf die Rundum- Wohlfühlbedürfnisse ihrer Kunden einstellen.
Das weiß auch Susan Heuschen. Die Obermeisterin der ersten Kosmetik-Innung Deutschlands warb auf der Messe für die duale Ausbildung zur Kosmetikerin. Für die engagierte Betreiberin einer Tagesschönheitsfarm in Neuss steht die Qualität des Berufs im Vordergrund: Ohne dermatologische Kenntnisse ist keine fundierte Beratung der Kundschaft möglich.
Über berufliche Weiterentwicklungsmöglichkeiten durch Fortbildungen in den Bereichen Nail-Design und Visagistik informierte die Handwerkskammer Düsseldorf. Von den rund 51.000 Messebesuchern an drei Tagen sind etliche noch auf der Suche nach einer Marktnische im ansonsten nahezu gesättigten Markt.
Auch unter den 1.050 Ausstellern aus 43 Ländern scheint der Konkurrenzdruck groß zu sein und bringt neue Duftzusätze, natürliche Fruchtextrakte, Permanent-Make-up-Erfindungen und neuartigen Einrichtungsgegenstände und Geräte hervor, die das Arbeiten im Kosmetiksalon erleichtern sollen. Nach der Abarbeitung dieses überreichlichen Informationsangebots gab sich so manche Fachbesucherin dem Kosmetika- und Accessoires-Kaufrausch hin.
„Unter dem Strich“ herrscht Einigkeit
Spitzengespräch der deutschen Wirtschaft mit der Kanzlerin mit vagen Ergebnissen
Kontrovers sind die Positionen nach wie vor bei den Themen Erbschaftsteuer und Mindestlohn. Das von Bundes-Arbeitsminister Scholz ins Gespräch gebrachte Mindestarbeitsbedingungsgesetz (MIA) gehöre in den Papierkorb, sagte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt. „Der Meinung bin ich nicht“, widersprach Merkel und versuchte, die Probleme der deutschen Wirtschaft in den weltwirtschaftlichen Zusammenhang zu stellen. Aber auch hier sieht die Kanzlerin Positives: „Durch die Globalisierung sind in Deutschland mehr Arbeitsplätze entstanden als verloren gegangen.“
Das wollten die Wirtschaftsvertreter so nicht gelten lassen: „Der Aufschwung ist in erster Linie ein Aufschwung der Industrie und nicht des Handels und des Handwerks“, fasste Jürgen Thumann (BDI) zusammen. Der Wunsch des Handwerkspräsidenten Otto Kentzler, „mit Steuern zu steuern“, stehe auch auf ihrer Agenda ganz oben, lenkte Merkel ein. Aber: „Alle Entlastungen müssen sich mit den Haushaltskonsolidierungsanstrengungen vertragen.“
Statthalter des Mittelstandes
Seine Bodenständigkeit verleiht Wirtschaftsminister Michael Glos Gelassenheit
„Zu meinem Amt als Wirtschaftsminister kam ich wie die Jungfrau zum Kinde“, sagt Michael Glos manchmal, wenn er auf seine politische Karriere angesprochen wird. Er ist einer der wenigen deutschen Spitzenpolitiker ohne Abitur und Studium.
Als er zehn Jahre alt ist, stirbt sein Vater. Das Erbe ist klar umrissen: Sohn Michael muss den Getreidemühlen- und Landwirtschaftsbetrieb weiterführen. Nach der Mittleren Reife absolviert er eine Müllerlehre und legt 1968 mit knapp 22 Jahren die Meisterprüfung ab. 1970, im Geburtsjahr seines ersten Sohnes, tritt er in die CSU ein, weil er sich über die Wirtschaftspolitik der sozial-liberalen Koalition ärgert. Von da an geht es steil aufwärts für den Pragmatiker aus dem 211-Seelen-Dorf Brünnau, das inzwischen zu einem Ortsteil von Prichsenstadt geworden ist.
Erste politische Erfahrungen sammelt der Müllermeister auf kommunaler Ebene als Stadt- und Kreisrat.1975 bis 1993 ist er Vorsitzender des CSU-Bezirksverbands Unterfranken. 1976 kommt er als jüngster CSU-Abgeordneter mit 32 Jahren in das Bonner Parlament und verteidigt seitdem sein Direktmandat im Wahlkreis Schweinfurt-Kitzingen. Als Mitglied des Haushaltsausschusses macht er sich in der Wirtschafts-, Haushalts- und Steuerpolitik einen Namen. Nach dem Regierungswechsel 1998 von schwarz-gelb zu rot-grün bleibt Glos in seinen Funktionen und wird zu einem der einflussreichsten Politiker in der CSU. Er verfolgt nach Beobachtermeinung eine bürgernahe, die bayerischen Interessen in Bonn vertretende, aber trotzdem vermittelnde Politik. Nach den Neuwahlen zum Bundestag 2005 fällt dem treuen Stoiber-Gefolgsmann der Posten des Wirtschafts- und Technologieministers zu, weil der bayerische Ministerpräsident dieses Amt unerwartet ausschlägt.
Zeitgleich mit Glos’ politischem Aufstieg setzt in Deutschland ein Mühlensterben ein. Glos, der beruflich unabhängig von der Politik bleiben will, schlägt die staatliche Schließungsprämie aus und betreibt die Mühle weiter. „Dies ging natürlich nur mit dem Einsatz meiner Frau Ilse und den engagierten Mitarbeitern“, erinnert sich der Minister. Die mit Strom betriebenen Mahlwerke verschlingen mehrere 10.000 Mark an Energiekosten pro Jahr. 1996 wird die Mühle aus der Handwerksrolle gelöscht. Doch die Glos GmbH ist mit drei Mitarbeitern weiter aktiv. Seit eh und je ist die Mühle Bestandteil eines landwirtschaftlichen Betriebs, der auch über mehrere Lagerhallen und Silos verfügt. Michael Glos junior, der die Firma inzwischen übernommen hat, entwickelt sie weiter, handelt mit Mehl, Getreide, Getreideerzeugnissen und baut eine Biogasanlage. „So wird die Familientradition nicht beendet, nur weil ich aus der Art geschlagen bin", zeigt sich Glos senior beruhigt.
Michael Glos lebt davon, zunächst einmal unterschätzt zu werden. Seine Statements vor Kamera und Mikrofon gibt er mit unbewegter Mine und scheinbar nach Worten ringend. Die Rolle eines eloquenten allwissenden Experten liegt ihm nicht: „Ich bin kein Ankündigungsminister, ich mache nicht Lärm um des Lärms willen, sondern ich will Ergebnisse haben.“
Seine politischen Gegner überzieht der 63-Jährige gerne mit beißendem Spott. Aber was wie im Affekt wirkt, ist bajuwarisches Kalkül, das kein großes Harmoniebedürfnis erkennen lässt: „Für bewusste Angriffe entschuldige ich mich nie.“ Deshalb stehen bis heute die Bezeichnungen „Öko-Stalinisten“ und „ehemalige Terroristen“ für Joschka Fischer und Jürgen Trittin im Raum. Die Spottlust erklärt Glos zwar selbstkritisch zu seinem größten Fehler, aber lieber riskiere er eine Freundschaft als auf eine gute Pointe zu verzichten.
Als Wirtschaftsminister fühlt sich Glos als „überzeugten Anwalt der Selbstständigen und des bürgerlichen Mittelstands“. Häufig appelliert der Katholik in seinen Reden vor Konzernvertretern an deren soziale Verantwortung und geißelt sie als kalt und herzlos. Kühl ist jedoch seine eigene Einstellung zum Koalitionspartner SPD: „Es geht nicht darum, ein gutes menschliches Verhältnis um des guten menschlichen Verhältnisses willen zu entwickeln, sondern darum, Deutschland nach vorne zu bringen“, begründet er sein seine Umgangsformen.
Mag sich das „Polit-Raubein“ Glos auf dem Berliner Großstadtparkett unwohl fühlen, in Brünnau ist er der „Michel“ geblieben. Der dreifache Großvater entspannt sich bei Wanderungen durch seine unterfränkische Heimat. Seine Frau Ilse hält in Prichsenstadt den Vorsitz im CSU-Ortsverband, Sohn Michael ist der Vorsitzende im Schul- und Förderverein der örtlichen Volksschule. In diese dörfliche Überschaubarkeit wird der Bundesminister für Wirtschaft und Technologie nach getaner Regierungsarbeit eines Tages zurückkehren, in sein idyllisches Fachwerkhaus, wo er kein „furchtbares“ Handy bedienen muss und ohne Computer auskommt. Aber noch wird er am Berliner Kabinettstisch gebraucht, wo seine Loyalität zur Kanzlerin und sein praktischer Handwerkerverstand hoch geschätzt werden.
Salzburger Sportwelt Amadé
Kritallsklare Luft und ein Sprungbrett für Weltmeister
VON ANGELIKA UND FABIAN BASDORF
Baumeister der Comedy
Seine „Supersprüche“ hat Mike Krüger auf Hamburger Baustellen gelernt
Schon mit zwölf Jahren wollte Mike Krüger nichts anderes als Architektur studieren. Da hatte er den amerikanischen Star-Architekten Richard Joseph Neutra kennen gelernt und war von dessen klassisch-modernen Hochhäusern begeistert. Schon damals fand er, dass man, um Häuser zu planen, auch Ahnung vom Bauen haben sollte. Deshalb und weil man für das Architekturstudium sowieso ein Praktikum nachweisen musste, absolvierte er nach dem Fachabitur eine Betonbauer-Lehre.
Der Lehrling erwies sich für den Ausbildungsbetrieb als Glücksgriff. Schon im zweiten Lehrjahr vertraute man ihm und einem anderen Lehrling eine eigene Akkordkolonne an. „Wir hatten eine neue Rundschalung für Rundsäulen entwickelt, von der der Chef beeindruckt war“, erzählt Krüger, der sich auf dem Bau sehr wohlgefühlt hat. „Eine Kolonne war eine eingeschworene Truppe, in der jeder für jeden einstand“, erinnert sich der Entertainer. Vor allem die „Supersprüche dieses Hamburger Menschenschlags“ haben ihm gefallen.
Eine Menge lernte der anstellige Azubi beim ersten Gesellen: „Er sprach nur auf Platt, war Schiffszimmermann und hatte handwerklich unheimlich viel drauf.“ Davon profitiert Krüger noch heute, wenn er in seinen eigenen vier Wänden einmal Hand anlegen muss. „Unsere neue Wohnung ist aber so makellos, dass keine Reparaturen anfallen“, erzählt der 58-Jährige. Höchstens bei seiner Tochter Nina-Kristin müsse er ab und zu mit der Wasserwaage zum Bilderaufhängen anrücken.
1971 bestand er 20-jährig die Gesellenprüfung und nahm das Architekturstudium auf. Auf den Bau kehrte er in den Semesterferien gerne zurück: „Da war ich natürlich mit abgeschlossener Lehre im Vorteil gegenüber anderen Studentenjobbern.“
Nur zum Spaß trat er damals im „Danny’s Pan“ auf, unplugged sang und spielte er sich in die Herzen einer immer größer werdenden Fangemeinde. Den Begriff „Musik-Comedy“ als Bezeichnung eines Unterhaltungsgenres, das heute unzählige seiner Kollegen bedienen, gab es Mitte der 70er Jahre noch nicht. Vielleicht kamen Hits wie „Mein Gott, Walther“ oder „Der Nippel“ auch deshalb so gut beim Publikum an, weil sie der überwiegend englischsprachigen Popmusik mit humorvollen deutschen Texten die Stirn boten. Auf jeden Fall war Mike Krüger als „Blödel-Barde“ inzwischen so bekannt und begehrt, dass er sein Studium an den Nagel hängte und sich ganz dem Showgeschäft verschrieb.
Es folgten Kinohits wie „Piratensender Powerplay“ und „Die Supernasen“, mit 2,9 Millionen Besuchern eine der erfolgreichsten nationalen Filmproduktionen der 80er Jahre. Für „Zwei Nasen tanken Super“ erhielten die Hauptdarsteller Mike Krüger und Thomas Gottschalk 1984 sogar den „Bambi“ als Spaßmacher des Jahres.
Seit den 90er Jahren ist Mike Krüger in deutschen Wohnzimmern allgegenwärtig: In ARD, ZDF und auch bei RTL moderierte er Familienunterhaltungssendungen zu besten Sendezeiten. Seit 1996 saß er im festen Team von „Sieben Tage – sieben Köpfe“, der erfolgreichsten Comedy-Show Europas. Zusammen mit dem Team wurde er mit dem „Goldenen Löwen“ und dem „Bambi“ geehrt. Die letzte Folge dieses Dauerbrenners wurde am 30. Dezember 2005 ausgestrahlt.
Wenngleich Krüger sich RTL-bedingt sehr oft in Köln aufhält, ist Hamburg sein Lebensmittelpunkt geblieben. Lieber fliegt er mehrmals pro Woche an den Rhein und abends wieder zurück, als sich in der Domstadt eine Zweitwohnung einzurichten. Auch nach über 30 Jahren im Showgeschäft legt er keine Starallüren an den Tag. So war er nach einem Auftritt als Gastredner bei Hagebau begeistert von der Idee, für den Baumarktfilialisten Werbung zu machen. Stolz berichtet er, dass diese Radio- und Fernsehspots aus seiner Feder und mit Mike Krüger in der Hauptrolle mit einem vergleichsweise kleinen Werbeetat sensationelle Aufmerksamkeitswerte erzielen. Vielleicht deshalb, meint er, weil es die erste Baumarktreklame mit weiblicher Beteiligung sei.
Nicht nur ein gut ausgestatteter Werkzeugkeller sondern auch etliche Bücher über Architektur zeugen in Krügers Wohnung von seinem Faible für schöne Bauwerke. „Jeder Architekt sollte vor seinem Studium auf einer Baustelle gearbeitet haben“, ist Krügers Credo. Viele hätten keine Ahnung von der Umsetzbarkeit ihrer Entwürfe auf dem Zeichenbrett. Michael Friedrich Wilhelm Krüger hätte den Beweis dieser These antreten und durch den Bau imposanter Hochhäuser bekannt werden können. Stattdessen wird er, der gerade eine eigene Fernsehshow „von und mit Mike Krüger“ vorbereitet, als Baumeister der deutschen Comedy in die Geschichte eingehen.
Froh und dankbar über den Umweg
Rainer Eppelmanns Karriere ist ein Produkt der deutschen Teilung
Nichtakademiker-Kinder wurden in der DDR bei der Vergabe von Studienplätzen bevorzugt, und eigentlich hätte Rainer dieses Privileg zuteil werden müssen. Aber er war weder in der FDJ, noch war er zur Jugendweihe gegangen, sondern hatte sich konfirmieren lassen. Damit war der Traum von der Architektenkarriere ausgeträumt. Zunächst arbeitete Eppelmann als Dachdeckergehilfe und begann dann eine Maurerausbildung. Vielleicht, so dachte sich der junge Mann, konnte er auf diesem Wege noch Bau-Ingenieur werden.
Die zweijährige Lehrzeit erwies sich als nicht optimal. Eppelmann wurde nämlich im Wohnungsbaukombinat Lichtenberg zum „Rohbaumonteur“ ausgebildet, der lernte, was zur Errichtung von Plattenbauten gebraucht wurde. Mauern und Putzen, Fliesen legen und Decken putzen kam nicht vor. Als Geselle stürzte er sich begeistert in das Ingenieursstudium, musste aber erkennen, dass er sich als „versauter West-Berliner Schüler“ niemals zum Staatsfunktionär eignen würde. Auf diese Rolle lief das Studium aber hinaus. Zu der Zeit war er oft krank, litt unter einer nahezu chronischen Gastritis. „Da habe ich die erste ganz richtige Entscheidung meines Lebens getroffen“, erinnert sich der Konsequente, der am 12. Februar 2008 seinen 65. Geburtstag feiert. Er brach das Studium ab und arbeitete als Brigadier in einer Produktionsgenossenschaft des Handwerks. Ältere erfahrene Maurer brachten ihm endlich das bei, was im Plattenbau keine Rolle gespielt hatte. Er lernte, besser zu verputzen und Fliesen zu legen, hatte Freude an der Arbeit, und war wieder gesund. Seitdem habe er jedem Gastritis-Geplagten geraten, die Ursachen seiner Beschwerden auch in der Psyche zu suchen, sagt er.
1964 stand die Einberufung in die Volksarmee an. Für Eppelmann war klar, dass er den Dienst an der Waffe verweigern würde. So wurde er Bau-Soldat. Er war ein kritischer Untergebener, der Befehle in Frage stellte, bevor er sie ausführte. So ein Verhalten war beim Militär der DDR undenkbar: 1966 landete er wegen Gehorsamsverweigerung im Gefängnis.
Vielleicht war das der Anstoß, den er gebraucht hatte, um seinem Lebensweg eine neue Richtung zu geben. „Ich bin froh und dankbar über den Umweg“, sagt der Theologe, der mit seinem Schicksal vollkommen im Reinen ist. Nach dem ersten und zweiten Examen an der Theologischen Fachschule Paulinum übernahm er die Pfarrstelle an der Samariter-Kirche in Berlin-Friedrichshain. Dietrich Wolf Fenner, Pressesprecher der Stiftung Aufarbeitung, deren Vorsitzender Eppelmann heute ist, weiß zu berichten, dass der Pfarrer Eppelmann auch ein „Händchen“ für bauerhaltende Maßnahmen „seiner“ Kirche hatte. „Ich bin ungeheuer froh, dass ich ein Handwerk gelernt und über Jahre mit meiner Hände Arbeit Geld verdient habe“, sagt Eppelmann selbst.
Seine Rolle im Auflösungsprozess der DDR bewertet der Vater von fünf Kindern nicht so hoch wie es andere tun. Dabei war er Gründungsmitglied des Demokratischen Aufbruchs (DA) und zeitweise dessen Vorsitzender. 1989 tauschte der Pfarrer das Predigen von der Kanzel gegen die politische Bühne. Zunächst als Minister ohne Geschäftsbereich im Kabinett Modrow, danach als Minister für Abrüstung und Verteidigung im Kabinett de Maizière spürte er der Frage nach, wie sich „die Säulen der alten Eliten“ nach dem Zusammenbruch ihrer Ideale fühlen mochten. „96 bis 97 Prozent aller Offiziere beim Zoll, bei der Polizei und bei der Armee waren SED-Mitglieder gewesen. Es interessierte mich, wie sie sich verhalten würden.“ Schmunzelnd berichtet Eppelmann davon, dass in den Kasernen und Amtsstuben die ehemals übliche Anrede mit „Genosse“ ganz schnell der neutralen Anrede mit dem Nachnamen gewichen war.
Nach der Wiedervereinigung engagierte sich Eppelmann in der CDU und gelangte mit der ersten gemeinsamen Bundestagswahl 1990 ins Parlament, dem er bis 2005 angehörte. Heute gilt seine ganze Kraft und Energie der Dokumentation und Aufdeckung des Unrechts in der ehemaligen DDR. Als Vorstands-Vorsitzender der Stiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur engagiert er sich ehrenamtlich für die Opfer und die Wiedergutmachung des Leids, das ihnen widerfahren ist. Wichtig ist ihm aber auch, das Geschichtsbewusstsein kommender Generationen wach zu halten und die kritische Haltung gegenüber totalitären Regimen zu schärfen. Seine eigene Biografie hat ihn für diese Aufgabe gründlich vorbereitet.
Das singende Mettbrötchen
Stefan Raab erinnern nur noch die Gaumenfreuden an seine Lehrzeit
Der Mann ist voller Widersprüche. Er scheint nichts und niemanden und schon gar nicht sich selbst ernst zu nehmen. Andererseits wird er von dem unerschütterlichen Selbstbewusstsein getragen, dass seine Art der Fernsehunterhaltung genau das ist, was die Nation braucht. Seine Late-Night-Show „TV total“ läuft nun schon seit 1999 auf Pro 7, seit 2001 sogar vier Mal wöchentlich, mit traumhaften Einschaltquoten.
Wer Stefan Raab im Studio und vor der Kamera erlebt, vermag ihn sich nicht im weißen Kittel hinter der Fleischtheke vorzustellen. Aber genau so begann seine Berufslaufbahn. Die Fleischer-Gesellenprüfung bestand er als Innungsbester mit „sehr gut“, und seine Eltern sahen in ihm schon den Nachfolger für ihre Metzgerei in Köln-Sülz. Aber der Sohn wollte mehr aus seinem Leben machen und begann noch vor Beendigung der Lehrzeit ein Jurastudium, das er jedoch nach fünf Semestern abbrach. Um als Betreiber eines kleinen Musikstudios, in dem er Werbejingles produzierte, überleben zu können, klapperte er die Privatsender auf der Jagd nach Aufträgen ab. 1993 gefiel dem damaligen Programmdirektor von Viva das „Di-del-di-del-di-dab-dab“ aus Raabs Feder. Es wurde zur Erkennungsmelodie von „Vivasion“ und Raab das dazugehörige Gesicht vor der Kamera. „Endlich hatte Viva sein „enfant terrible“ gefunden, setzte den Newcomer zum Sendestart im Dezember 1993 in ein kleines dunkles Studio – es gab nur eins für alle Viva-Sendungen – und ließ ihn machen“, erinnert sich die TV-Redakteurin Anja Lenzhölzer.
Schon damals wurde deutlich, dass Raabs Stärke in der Improvisation und Spontaneität lag. „Stefans Devise lautete immer: Bloß keine Vorbereitung auf die Gäste! So konnte eine Sendung mit einem No-Name ebenso unterhaltsam werden wie mit einem Superstar“, so Lenzhölzer. „Was ich heute mache ist doch keine Arbeit, sondern ein Privileg. Wer morgens um Fünf in der Wurstküche gestanden und mit beiden Armen bis zu den Schultern in Leberwurst gerührt hat, der weiß, was Arbeit ist“, sagt Raab selbst.
Berührungsängste vor großen Namen kennt er weder als Moderator noch als Songschreiber. Nicht immer sind die respektlos vorgeführten Promis von seinen Texten begeistert. Beim Ex-Bundeskanzler war sich Raab jedoch sicher, dass er an „Ho mir ma ne Flasche Bier“ Spaß haben würde: „Gerhard Schröder ist ein Mann mit viel Humor. Er lacht gern, und ich denke, er macht den Spaß mit.“ Nicht nur der Politiker, sondern auch seine Fans – und vielleicht sogar seine Gegner – hatten Freude an der Single. So verhalf Raab dem Interpreten aus dem Kanzleramt zu einer Goldenen Schallplatte, und „Goldkehlchen“ Schröder stürmte die Charts und verdrängte sogar Popstars wie Madonna und Britney Spears von den vorderen Plätzen.
Ein weiterer Coup Raabs, der seine Produktionsfirma nicht „Metzgerei Raab“ nennen durfte, weil er keinen Meistertitel hat, war Guildo Horns Auftritt beim ehrwürdigen European Song Contest 1998. Als herauskam, dass hinter dem Komponisten Alf Igel – eine Verballhornung des Namens von Grand-Prix-Ikone Ralph Siegel – kein anderer als Stefan Raab steckte, ging ein Aufschrei durch die Branche. Aber der Blödel-Song „Piep, piep, piep, Guildo hat Euch lieb“ landete in Birmingham auf Platz sieben, und „Alf Igel“, der weder Noten schreiben noch lesen kann, durfte ein großes Orchester dirigieren. Die beste Platzierung Deutschlands bei dem aufwendigsten Fernseh-Musikspektakel Europas seit Nicoles „Ein bisschen Frieden“ 1982 toppte der Interpret Stefan Raab zwei Jahre später in Stockholm. „Wadde hadde dudde da?“ wurde zum fünftbesten Song gewählt und gab für die folgenden Jahre das Signal an alle Songcontest-Schreiber, ruhig auch mal mit schrägen Nummern zu experimentieren.
„König Lustig aus dem Reich Kalau“, der „Schlächter des guten Geschmacks“, der „Junge mit dem Metzgerlächeln“ und „das singende Mettbrötchen“ sind nur einige Raab-Synonyme, die von der Presse kreiert wurden, um einen der erfolgreichsten Entertainer des Privatfernsehens zu beschreiben. Raab, der nur Cola trinkt und am liebsten Mettbrötchen mit Zwiebeln isst, polarisiert. Während die einen seinen Humor auf Kosten anderer platt und spätpubertär finden, klopfen sich die anderen bei seinen derben Späßen vor Vergnügen auf die Schenkel.
Vor Raabs spontanen Eingebungen kann selbst während der Aufzeichnung einer Sendung niemand sicher sein. Die Arbeit mit einem Teleprompter lehnt er ab: „Ist mir viel zu steif und unkreativ. Ich muss das sagen können, was mir gerade einfällt“, sagt der Entertainer.
Sein Reservoir an Ideen scheint unerschöpflich: Ob er sich einen Boxkampf mit Regina Halmich liefert oder unter dem Titel „Raab in Gefahr“ waghalsige Stunts riskiert, alles endet im Klamauk. Und obwohl er als Entdecker und Produzent des Softpopbarden Max Mutzke auch ein Händchen für anspruchsvollere Unterhaltung erkennen lässt, will der 41-Jährige seinem Image und den in der Mehrheit jungen Fans mit dem sich selbst verliehenen Titel treu bleiben, als „Bundeskasper.“
Deutsche Landmaschinen für Osteuropa
Gute Geschäftsidee aus dem Münsterland überwindet Sprach- und Mentalitätsprobleme
Karl-Heinz Knoop ist in Riesenbeck geboren und hatte zu den Ländern hinter dem Eisernen Vorhang keinen Bezug, obwohl seine Mutter Danzigerin war. Die kaufmännische Lehre in einer Landmaschinenfabrik war konsequent für einen jungen Mann, der sich seiner Heimat verbunden fühlt. Aber die Firma, für die er dann jahrelang als Verkäufer und Handelsvertreter gearbeitet hatte, ging 1983 in Konkurs. Kurzerhand kaufte Knoop den Maschinenpark auf und begann in einer kleinen Halle mit der eigenen Produktion von Landmaschinen.
Inzwischen ist daraus ein Unternehmen mit fast 400 Mitarbeitern und Standorten in Polen, Rumänien, der Ukraine und Russland geworden. Auf Amerika oder die westeuropäischen Nachbarländer hat er seine Verkaufsstrategie nie ausgerichtet. Dort gibt es genügend Hersteller von Agrargroßanlagen, ausländische Konkurrenz hat es da schwer. Aber in Polen zum Beispiel war Knoop einer der Ersten. 1988 stellte er erstmals auf der Landwirtschaftsmesse in Posen aus, und bereits ein Jahr nach der Wende passierten seine ersten Lieferungen die Oder. In Krakau entstand 2000 das erste ausländische Riela-Werk, mit einem polnischen Kooperationspartner. Knoop legt Wert auf die Feststellung, dass jedem Partner genau die Hälfte gehört: „Ich wollte das so, obwohl Unternehmensberater immer empfehlen, dass der deutsche Gesellschafter Mehrheitseigner sein sollte.“ Das entspreche nicht seinem Verständnis von Partnerschaft, und er habe mit der Gleichberechtigung, auf die er auch an den anderen ausländischen Standorten von Anfang an geachtet hat, nur gute Erfahrungen gemacht.
Silos, Biogasanlagen und Wendetrockner sind Produkte, bei deren Verkauf Know-how und Technik im Vordergrund stehen. Aber Karl-Heinz Knoop verkauft sie, indem er zu seinen Kunden eine emotionale Bindung aufbaut. „Viele deutsche Unternehmer machen den Fehler, dass sie ihre ausländischen Gäste in luxuriösen Hotels unterbringen. Das wollen die aber gar nicht“, weiß Knoop. Seine Kunden wohnen auf dem Firmengelände in einem Gästehaus mit allen Annehmlichkeiten, die Osteuropäer schätzen: Sauna, Whirlpool, Bar, Kamin und Medien. So manches Geschäft wurde bei 120 Grad in der Banja besiegelt. Nicht nur die Deutschen seien misstrauisch gegenüber Kunden aus anderen Kulturkreisen, auch diese kämen zunächst mit Vorbehalten und seien froh und dankbar, wenn ihnen im fremden Deutschland keine fremden Sitten abverlangt würden. Dass bei Riela in Riesenbeck inzwischen zehn russisch sprechende Mitarbeiter anzutreffen sind, erleichtert die Kommunikation.
Wegen der hohen Einfuhrzölle und Frachtkosten baut Riela nun auch eine Produktionsstätte in Russland. Zwar ist das von Knoops Ingenieuren entwickelte „Ikea“-System – in Riesenbeck werden nur die Bleche bearbeitet, der Zusammenbau erfolgt vor Ort – relativ platzsparend, aber trotzdem sind die Anlagen beim Endabnehmer in der Ukraine oder in Kasachstan rund 40 Prozent teurer als in Deutschland. Dafür schafft diese „Arbeitsteilung“ vor Ort Arbeitsplätze. Bei einer großen Siloanlage sind mehrere 100 Leute mehr als drei Monate mit dem Aufbau beschäftigt.
Knoop transportiert nicht nur Arbeit, sondern auch Perspektiven in die osteuropäischen Agrarregionen. Die Universität Clausenburg (Rumänien) hat ihn dafür sogar zum Professor ernannt. Mehrmals im Jahr hält er dort Vorlesungen. Im Rahmen eines Projektes der Universität Hohenheim und der Handwerkskammer Münster waren gerade zwei Praktikanten der staatlichen landwirtschaftlichen Akademie Kostroma (Russland) in Riesenbeck. „Das sind wissbegierige junge Leute, die mit dem in Deutschland erworbenen Know-how ihre Heimatregion wirtschaftlich voranbringen wollen“, schwärmt Knoop. Der Präsident der Handwerkskammer Münster, Hans Rath, unterstützt Knoops Engagement für die Qualifizierung osteuropäischer Fachkräfte. Denn die Geschäftsbeziehungen zwischen Betrieben im Münsterland und in der Emscher-Lippe-Region mit osteuropäischen Partnern haben von 2000 bis 2007 von zwölf auf 26 Prozent zugenommen. In den vergangenen drei Jahren hat die Handwerkskammer Münster über 300 Auszubildende für kürzere oder längere Aufenthalte ins Ausland vermittelt, 213 Handwerker aus dem Ausland ermöglichte sie Praktika in Handwerksbetrieben.
Karl-Heinz Knoop bedauert, dass er in der auf Blechzuschnitt und Konfektionierung reduzierten Produktion in Riesenbeck keine vollhandwerklichen Lehrstellen schaffen kann. Hans Rath hat er aber versprochen, sich an kombinierten Ausbildungsmodellen zu beteiligen.
Polnischer Kfz-Meister sichert deutsche Arbeitsplätze
Solaris-Busse fahren schon in 16 europäischen Ländern
Solange Olszewska hat Zahnmedizin studiert. Aber ihr Traum von einer eigenen kieferchirurgischen Praxis wurde von der Liebe durchkreuzt, und von den radikalen politischen Veränderungen in Polen. Krzystof und Solange geben sich gerne nostalgischen Erinnerungen hin. Denn eine gradlinige Karriere haben sie nie kennengelernt. Just in der Aufbauphase seiner eigenen Kfz-Werkstatt, Krzystof war in Berlin, um Ersatzteile einzukaufen, wurde der Kriegszustand verhängt. Eineinhalb Jahre dauerte es, bis die Familie wieder zusammen war, solange und die beiden Kinder in einem Land, dessen Sprache sie nicht verstanden und von dessen Konsummöglichkeiten sie zunächst überwältigt waren. Während Solange, deren Approbation in Deutschland nicht anerkannt wurde, einen Job an der Freien Universität in Berlin annahm, lernte Krzystof bei Neoplan, worauf es bei der Konstruktion von Bussen ankommt. „Ich hätte vorher nie gedacht, dass ein Bus ein so interessantes Fahrzeug sein kann“, erzählt er rückblickend.
Obwohl sie in Deutschland feste und sichere Arbeitsplätze hatten, wagten die Olszewskis nach der Wende in Polen abermals einen Neuanfang. Mit 36 Mitarbeitern bauten sie den ersten Niederflurbus für den polnischen Markt. Heute schmunzeln sie darüber, dass sie für dieses Fahrzeug zwei Monate Zeit brauchten und ans Werk gingen, ohne Folgeaufträge in der Tasche zu haben. Aber sie sagen: „Das war die schönste und einfachste Periode der Firmengeschichte.“
„Urbino“, „Vacanza“, „Trollino“ heißen die Busse – liebevolle Namen für hochtechnisierte Fahrzeuge. Sie sind – ebenso wie der Firmenname Solaris - ein Indiz dafür, dass in ihrer Produktion Herzblut steckt. „Trotz unserer Firmengröße sind wir von unserer Einstellung her ein Handwerksbetrieb geblieben“, sagt Solange Olszewska, die fast alle Mitarbeiter mit Namen kennt und einen Sozialfonds für in Not geratene eingerichtet hat.
Der Bau eines Busses ist handwerkliche Präzisionsarbeit, Automatisierung ist kaum möglich. Etwa 600 Busse verlassen pro Jahr das Werk in der Nähe von Posen. Die Stückzahl ist zu gering, um für große Zulieferer attraktiv zu sein. „Wir stehen hinten an, wenn die Zulieferer Großkonzernkunden haben“, ist Olszewskas Erfahrung. Zunächst musste das Unternehmen auch gegen Vorurteile ankämpfen. Die deutschen Zulieferer hatten Angst, dass der polnische Auftraggeber die Rechnung nicht begleichen würde. Inzwischen arbeite man mit allen vertrauensvoll zusammen, es gebe keine Mentalitätsprobleme. Solaris bezieht Fertigungskomponenten von fast 70 deutschen Firmen, denn: „Deutsche Handwerker sind die besten in Europa.“ Sie seien pünktlich, zuverlässig und Spezialisten für komplizierte Teile und Lösungen, allerdings nicht so flexibel wie die polnischen Fachleute. Für das eigene Werk greifen die Olszewskis gerne auf polnische Arbeitskräfte zurück, aber der Markt an Schlossern und Schweißern scheint leergefegt. VW, das in Posen den Caddy baut, und Solaris sind bemüht, sich nicht gegenseitig die Fachkräfte abzuwerben. Krzystof Olszewski hat jüngst eine ganze Berufsschulklasse angehender Mechatroniker zum Praktikum eingeladen, in der Hoffnung, dass der eine oder andere den Verlockungen Irlands oder Großbritanniens widersteht und bei ihm in Posen anheuert.
Solange Olszewska, die vom Verwaltungssitz in Berlin aus die europäischen Geschäfte steuert, träumt indessen von einem Produktionsstandort in Deutschland. Irgendwann werde sich das Lohnniveau angeglichen haben und Solaris könne hier neben den kaufmännischen auch gewerbliche Arbeitsplätze schaffen. Das käme der nächsten Generation Olszewski sehr entgegen. Sohn und Tochter, die bereits beide Managementaufgaben bei Solaris übernommen haben, können sich nämlich nicht vorstellen, ihre „Heimat“ Berlin gegen ein Leben in der polnischen Provinz zu tauschen.
Bauboom auf schrumpfendem Grund
„Wir müssen uns Gedanken um diese gebrechliche Insel machen“, sagt Professor Karsten Reise. Aus dem Fenster seines Büros blickt der Leiter des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung auf ein wogendes grünes Meer von Heckenrosen. Dahinter sieht man das blaue Meer. Friedlich ist es heute, und sein Indigo verschwimmt am Horizont mit dem Azur des Himmels. Wer die Nordsee so sieht, kann sich gar nicht vorstellen, was sie anzurichten im Stande ist. Nicht nur wenn Jahrhundertstürme wie Kyrill sie aufpeitschen, sondern auch in ganz normalen Wintern verliert Sylt vor allem an seiner Westflanke einige Meter Land.
„Der Mensch hat verletzliche Küsten geschaffen, die nicht auf ein Ansteigen des Meeresspiegels vorbereitet sind“, sagt Reise. Bis 2100 werden die Meere um bis zu einen Meter ansteigen; für das 99 Quadratkilometer große Sylt wird das eine beträchtliche Reduzierung seiner Fläche bedeuten.
Damit wollen sich die Sylter nicht abfinden und organisieren seit mehr als 30 Jahren die Gegenwehr in Form von Sandvorspülungen. Hunderttausende Tonnen feinsten Sandes schaufelt ein Baggerschiff auf die weißen Strände. Aber es ist der Kampf Davids gegen Goliath. Denn das Meer, so der Experte Reise, entwickele dadurch erst recht „Sandhunger“. Die vier Millionen Euro, die diese gigantische Materialbewegung pro Jahr kostet, könne man sich sparen. „Langfristig“, sagt der Meeresbiologe, „kann man mit der Natur nur zurecht kommen, indem man das Meer einfach lässt und den Substanzverlust ordnend begleitet.
Derartige Überlegungen werden von den für Sylt Verantwortlichen ignoriert. Anders als Reise, der sich für den Lebensraum Wattenmeer als Ganzes engagiert, richten die sieben Sylter Gemeinden ihr Hauptaugenmerk auf die wohlstandsmehrenden Touristen und Neubürger. Die Devise lautet: Küstenschutz ist Eigentumsschutz. Nirgendwo sonst in Deutschland werden für den Quadratmeter Wohnfläche so hohe Preise bezahlt wie auf der „Königin der Nordsee“. Sylt symbolisiert eine intakte Welt, wo sich die Erfolge der Erfolgreichen in reetgedeckten Villen von heckenrosenbepflanzten Wällen umgeben widerspiegeln. In Kampen, dem bevorzugten Wohnort, kommen auf 630 Einheimische inzwischen 1.200 Zweithausbesitzer. Bis 2020, schätzt Tourismusdirektorin Birgit Friese, werden nur noch 400 „echte Sylter“ in Kampen leben.
„Die kleine familiengeführte Pension ist eine sterbende Unternehmensstruktur“, bedauert Friese, aber aufhalten kann sie den Trend nicht. Stattdessen versucht sie, die Zweithausbesitzer zum Beispiel durch Einladungen zu Workshops für die Dorfbelange zu interessieren. „Viele haben inzwischen schon eine Beziehung zum Dorf entwickelt wie Einheimische“, schwärmt sie. In Kampen sei man sich ziemlich einig, gegen große Hotelprojekte, gegen Offshore-Windkraftanlagen und gegen eine Verwaltungs-Fusion der Sylter Gemeinden. Zur Wiedererstarkung des fehlenden Dorflebens – außerhalb der Saison stehen viele Häuser leer – sollen der donnerstägliche Wochenmarkt und ein neuer Lebensmittelladen beitragen, nachdem der Ort jahrelang ohne Einkaufsmöglichkeiten für den täglichen Bedarf auskommen musste.
Für viele Ur-Kampener kommt diese Entwicklung zu spät. Sie haben ihre Häuser verkauft und sind aufs Festland gezogen. Denn nur 40 Kilometer Luftlinie entfernt, etwa in Niebüll oder Sande, ist der Wohnraum bezahlbar, und die Infrastruktur stimmt. Am Bahnhof von Klankbüll, dem letzten Ort vor dem Hindenburgdamm, der Sylt mit dem Festland verbindet, ist der Park-and-ride-Platz jeden Tag voll. Dirk Schmidt, Geschäftsstellenleiter der Wohnungsbaugesellschaft Gewoba für Niebüll, Sylt und Föhr, erläutert, warum: „Auf Sylt gibt es kaum noch bezahlbaren Wohnraum, deshalb pendeln täglich etwa 3.000 Menschen mit dem Zug zwischen dem Festland und der Insel hin und her.“ Der überschaubare Arbeitsmarkt auf Sylt schafft nicht unbedingt die Einkommen, die notwendig sind, um sich den Luxus des Wohnens in Westerland leisten zu können.
Die Gewoba ist mit 900 Wohnungen einer der größten Vermieter auf Sylt – mit wachsenden Wartelisten. Dirk Schmidt würde die Nachfrage nach Wohnraum für Einheimische gerne befriedigen. Aber bebaubare Grundstücke sind knapp und zu teuer, um neue Häuser für ganz normale Familien mit Kindern zu bauen. In Kampen ist es ihm mit dem Wallhof trotzdem gelungen. Hier wohnen jetzt acht Familien ganzjährig. Das sei ein „Alibiprojekt“ spottet ein Kampener, der nicht genannt werden möchte, „weil ich mit den Gemeindevertretern weiter gut auskommen muss“.
Roland Klockenhoff hat weniger Angst, deutlich zu werden. „Der Druck in den Dörfern, Neubauten für Zweithausinteressenten zu errichten, ist enorm.“ Im Moment beobachtet der Vorsitzende der Naturschutzgemeinschaft Sylt mit Sorge einen Bebauungsschub. „Vorhandenes wird abgerissen und größer neu gebaut.“ Eigentlich seien die Siedlungsgrenzen erschöpft, aber weil Sylt als Wirtschaftsmotor Schleswig-Holsteins gilt, wollen die Gemeinden Investoren nicht verprellen: „Plötzlich wird in der an sich geschützten Heide gebaut.“ Als „seit ewigen Zeiten genehmigtes Bauland“ bezeichnet die Kampener Tourismusdirektorin Friese dagegen die Territorien der Neubürger , die den Ort von Jahr zu Jahr vergrößern. Im Marktbericht 2006 der Immobilienfirma Engel & Völkers heißt es dazu: „Die Interessenten wünschen sich am liebsten neu errichtete, reetgedeckte Anwesen in hellem Naturstein, mit allem nur erdenklichen Luxus in der Innenausstattung.“ Es werde eben nach Marketing-Gesichtspunkten gehandelt, bedauert, Klockenhoff. Dem Ziel, eine durchgängige Tourismus-Saison zu schaffen, würden das Schutzgut Ruhe und die Natur geopfert. Klockenhoff, der als Allgemeinmediziner in Keitum praktiziert, sieht auch das soziale Gefüge der Einheimischen in Gefahr. Durch die ganzjährige Anwesenheit von Fremden bleibe kaum noch Zeit, Gewohnheiten und Bräuche zu pflegen: „Das Ursprüngliche der Insel geht verloren.“
Stefan Dobritz ist auch Mediziner, aber er hat nie praktiziert und stattdessen eine künstlerische Laufbahn eingeschlagen. Seit 16 Jahren verbringt er seine Sommer auf Sylt und malt. Sylt sei seine ganz große Liebe und Inspirationsquelle, sagt der Lübecker. Auch er bedauert die Veränderungen, wenn etwa auf seinem gewohnten Weg zum Watt ein 90-jähriger Rosenstock samt niedrigem Friesenhäuschen verschwunden ist und an seiner Stelle ein großes Doppelhaus mit Garagen und gepflasterter Vorfahrt stehe. Aber: „Die Neubauten sind in der Regel geschmackvoll und im Inselstil gehalten. In Kampen pflegt man im Gegensatz zu manchen Großstädten das Schöne.“ Außerdem bewertet er es positiv, dass „wohlhabende Deutsche hier auf Sylt bereit sind, mit den Handwerkern vor Ort Millionenobjekte hochzuziehen, anstatt das Geld ins Ausland zu transferieren“. Nur die Spielregeln müsse man einhalten, wünscht sich der Sommer-Sylter.
Aber wer legt die Spielregeln fest? Vergleicht man alte Bebauungspläne und die strengen Abstands-Auflagen zu Nachbargrundstücken, die Alteigentümern mit der Begründung des Brandschutzes Anbauten verweigerten, mit der heutigen Bebauung, so stellt man fest, dass die reichen Neubesitzer größere Flächen der erworbenen Grundstücke bebaut haben. Oder einem Heideland-Besitzer wird mit dem Hinweis auf den Naturschutz die Bebauung verweigert. Nach dem Verkauf des vermeintlich wertlosen Grundes zu einem niedrigen Preis, darf der Erwerber hier plötzlich bauen.
„Sylt bietet Rahmenbedingungen, die eine hohe Wertstabilität für Immobilieneigentum garantieren“, heißt es in einem Werbeprospekt. Karsten Reise kann über solche Aussagen nur den Kopf schütteln. „Die Lobbyisten denken einfach zu kurzfristig“, sagt er. Früher hätten die Insulaner auf Kögen und im Inselinneren gebaut. Heute wollten die Menschen ganz nah am Strand oder am Watt wohnen. Aber Häuser in Ablaufgebieten des Wassers würden keine 100 Jahre überdauern.
Reise kämpft dafür, die Naturgewalten anzuerkennen und setzt dabei auf die Mithilfe der Touristen, die den empfindlichen Mikrokosmos Sylt besuchen. In List, nicht weit von seinem Institut entfernt entsteht ein maritimes Umwelt-Erlebnis-Zentrum. Auf über 3.000 Quadratmetern erwartet die Besucher ab Ende 2008 eine emotionale Ausstellung mit interaktiven Elementen, die die Themen Kräfte der natur, Klima und Klimaforschung, Dynamik des Lebens und Leben mit den Naturgewalten erklären. Reise kann nur hoffen, dass auch die Mitglieder der Bauausschüsse der sieben Sylter Verbandsgemeinden den Weg dorthin finden werden.
Mindestlöhne schaden dem Mittelstand nur bedingt
Betriebswirtschaftliche Studie untersucht Auswirkungen im Handwerk
„Gesetzliche Mindestlöhne treffen auf sehr unterschiedliche betriebliche Bedingungen und führen dementsprechend zu unterschiedlichen Wirkungen und Problemen“, fasst Professor Jörn-Axel Meyer die Ergebnisse seiner Analyse zusammen. Anhand von Beispielkalkulationen, die Umsatz, Gewinn und Kostenstruktur in mittelständischen Unternehmen verschiedener Branchen in Ballungszentren und strukturschwachen Gebieten zugrunde legen, macht Meyer deutlich, dass es keinen absoluten Betragswert für einen Mindestlohn geben kann.
Im SHK-Bereich unterstellt die Studie beispielsweise einen Anteil von 30 Prozent der Löhne, die unter einem angenommenen standortspezifischen Mindestlohn liegen. Bei einer Anhebung auf Mindestlohnniveau würden sich die Personalkosten in München, Köln und Flensburg von 35 auf 37 Prozent erhöhen, in Zwickau auf 43 Prozent. Frank Ebisch, Pressesprecher beim Zentralverband Sanitär-Heizung-Klima kann diese Kalkulation nicht nachvollziehen: „Das SHK-Handwerk ist ein modernes Handwerk, das in einem immer stärkeren Maße innovative Technologien verarbeitet. Hierzu brauchen Sie gut ausgebildete Leute, die selbstredend gut bezahlt werden müssen. Wir werden in der Zukunft eher mit dem Problem eines eklatanten Fachkräftemangel konfrontiert sein, als mit der Durchsetzung von Mindestlöhnen.“
Anders sieht es im Friseurhandwerk aus. Die Studie, die das DIKMU im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung erstellt hat, hält hier eine Niedriglohnquote von 60 Prozent für realistisch. Dementsprechend deutlicher würde sich der Personalaufwand erhöhen, in München von 39 auf 44 Prozent, in Köln auf 51 Prozent, in Flensburg auf 49 Prozent und in Zwickau auf 73 Prozent. Die Zwickauer Verhältnisse kann Rosemarie Richter, Obermeisterin der Friseur-Innung Frankfurt (Oder) für ihren Standort nur bestätigen. Um einen Mindestlohn zu umgehen, würden die Friseure in der grenznahen Region Vollzeitkräfte entlassen müssen und vermehrt auf 400-Euro-Jobberinnen setzen, glaubt sie. Auch ein Mindestlohn, der sich am Lebenshaltungskosten-Index orientiert, bringe gar nichts: „Das hält junge tüchtige Friseurinnen nicht am Ort.“
Keine Probleme dagegen sieht Harald Esser, Vizepräsident des Zentralverbandes des Deutschen Friseurhandwerks, für Nordrhein-Westfalen. Hier ist die Einigung auf einen allgemeinverbindlichen Tariflohn in greifbare Nähe gerückt. Für Friseure, die ihre Ausbildung abgeschlossen haben, werde die Bezahlung dann sowieso über den im Raum stehenden 7,50 Euro liegen.
Damit bestätigen Esser sowie SHK-Sprecher Ebisch, dass ein gesetzlicher Mindestlohn nicht zwangsläufig Arbeitsplätze kosten muss, sondern Anreize zu höherer Qualifizierung der Beschäftigten schafft und die Betriebe zu einer stärkeren Spezialisierung anregt. „Sauberes wirtschaftliches Arbeiten kann nicht nur über den Lohn gehen“, sagt auch DIKMU-Leiter Meyer. Insofern legt seine Studie das Grundgerüst für Überlegungen des Gesetzgebers bezüglich der notwendigen Ausgestaltung eines Mindestlohns.
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