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Ein deutliches Signal bezüglich seiner Politikausrichtung setzte der am vergangenen Freitag vereidigte ukrainische Präsident Wiktor Janukowitsch: Seine erste Auslandsreise ging am 1. März nach Brüssel, Moskau ist erst am 10. März an der Reihe.
Was sich schon im ersten Wahlgang Mitte Januar abgezeichnet hatte, bestätigte die Stichwahl zwischen Julia Timoschenko und Wiktor Janukowitsch am 7. Februar: Die Revolution in Orange ist Geschichte. Die zerstrittenen Sieger von 2005 waren unfähig, die Ukraine zu regieren. Ihre hehren Ziele – Bekämpfung der Korruption, eine blühende Wirtschaft und innenpolitische Reformen – haben sie nicht verwirklicht. Viktor Juschtschenko und Julia Timoschenko waren und sind persönlich und politisch-programmatisch inkompatibel.
Azubi-Casting: Für das Projekt „Anstoß für ein neues Leben“ engagieren sich immer mehr Handwerker. Neu dabei sind die berufsbildungszentren des Bauhandwerks (BZB).
Für Frank Pawlik und Herbert Schaefer war es ein ungewöhnlicher Tag. Der Geschäftsführer und der Vorsitzende der BZB besuchten die Justizvollzugsanstalt (JVA) Heinsberg, um Kooperationsmöglichkeiten im Bereich der Bauausbildung auszuloten. Von den Werkstätten und der Ausbildungsqualität in der Jugendstrafanstalt zeigten sie sich beeindruckt: „Damit kann man nach der Haftentlassung etwas anfangen.“
Im Rahmen der Berlinale wurde am Freitag, 19. Februar, zum 25. Mal der Caligari-Filmpreis verliehen. Die Caligari-Preisstatuette entwarf und gestaltete die Kölner Bildhauerin Gesina Liebe erstmals 2005. In diesem Jahr ging sie an den Italiener Pietro Marcello.
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Das Baurecht ist eine komplizierte Materie. Gerichtsverfahren in diesem Bereich sind teuer und langwierig. Ein Kölner Pilotprojekt, in dem als Mediatoren ausgebildete Rechtsanwälte in anhängigen Prozessen eingeschaltet werden, stellt eine zukunftsweisende Alternative dar.
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„Man tanzt nicht auf zwei Hochzeiten“, hört man oft als Begründung, wenn Hoteliers es ablehnen, zusätzlich zu ihrem Kerngeschäft Catering-Aufträge anzunehmen. Die Gastronomiebranche scheint in dieser Frage tatsächlich gespalten. Die einen halten Catering für unwirtschaftlich, die anderen sehen darin einen positiven Effekt fürs Image und entwickeln sich zu All-inclusive-Eventmanagern.
Kalte Platten machen können viele. Wenn Hoteliers zu Caterern werden, hängt mehr daran, vor allem auch die Reputation. Denn ein mit Speisen, Service oder Organisation unzufriedener Catering-Auftraggeber zieht mitunter daraus Rückschlüsse auf das Kernangebot des Gastronomen und verzichtet in Zukunft auch darauf, seine Tagungen in Ihrem Hause abzuhalten, für seine Gäste Hotelzimmer zu buchen und seine Geschäftspartner in Ihr Restaurant einzuladen. Es ist demnach nachvollziehbar, wenn sich am Markt gut etablierte Häuser auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren und Außer-Haus-Events anderen überlassen, wie zum Beispiel das privat geführte Hotel Hafen Hamburg. Das aus einem im 19. Jahrhundert erbauten Seemannsheim der Stadt Hamburg hervorgegangene Haus ist seit 30 Jahren bekannt für seinen individuellen Service und das maritime Flair, das die exponierte Lage oberhalb der St. Pauli Landungsbrücken mit sich bringt. Bei der Aufnahme des Hotelbetriebs 1979 verfügte das Haus über 80 Zimmer, inzwischen ist ihre Zahl durch ständige An- und Erweiterungsbauten auf 353 gestiegen. Auch die Tagungs- und Veranstaltungskapazitäten haben sich erweitert. Hochzeiten und Bankette mit dem Blick aufs Wasser erfreuen sich ebenso großer Beliebtheit wie das übliche Restaurantgeschäft, im Sommer mit Bewirtung auf der Terrasse. Verantwortlich für den gastronomischen Bereich ist Fred Nowack. Für ihn stand das Thema Catering bisher nicht zur Debatte. Vielmehr trägt seiner Meinung nach die ausschließliche Konzentration auf das Inhouse-Geschäft und die ungeteilte Zuwendung, die den Hotel- und Restaurantgästen entgegen gebracht wird, ganz erheblich zum Erfolg und guten Ruf des Hotels bei.
Braucht eine Stadt, die von ihren Zechen lebt, in der 60.000 der damals 380.000 Einwohner unter Tage arbeiten, ein so großes Theater? Als das 1959 zu den modernsten Bühnenbauten Europas zählende und 18 Millionen D-Mark teure Gebäude eröffnet wurde, waren aus der Bevölkerung nicht nur positive Stimmen zu hören. In der „Stadt der 1.000 Feuer“ ging man in seiner Freizeit „Auf Schalke“, zum Pferderennen auf die Trapp- oder die Galopp-Rennbahn, mit den Kindern in den Zoo oder in den Buerschen Stadtwald. Kultur war nur etwas für das wohlhabendere Bürgertum, Anzugträger, die damals in dieser Stadt eine Minderheit darstellten.
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Unerträgliches Kompetenzgezerre, Blockaden des Parlaments, politische Stagnation, drohender Staatsbankrott – fünf Jahre nach der Revolution in Orange befindet sich die Ukraine in einer Dauerkrise. Egal, ob Janukowitsch oder Timoschenko, er oder sie wird die Probleme nicht lösen.
„Die einstigen Sieger vom Majdan sind heillos untereinander zerstritten. Sie haben sich in vieler Hinsicht als unfähig erwiesen, die ihnen gebotenen Chancen zu nutzen und das erworbene Vertrauen in politische Erfolge umzuwandeln“, analysiert Professor Georg Simon, Historiker und Ukraine-Spezialist an der Universität zu Köln. Deshalb brauche ihr politischer Gegner Wiktor Janukowitsch noch nicht einmal Reden zu halten, seine Popularität steige mit der Krise, sagt der Kiewer Politologe Professor Oleksiy Haran. Umfrageergebnisse sehen Janukowitsch derzeit vor Julia Timoschenko.
Das hätte er sich nicht träumen lassen. Schon die Einladung nach Berlin war aufregend für Thadäus Mußner aus Freilassing. Selbstverständlich trug er beim Defilee im Berliner Amtssitz des Bundespräsidenten seinen Schornsteinfeger-Ausgehanzug mit den blankpolierten Knöpfen. „Ich habe gar keinen anderen Anzug“, bekannte er, „in diesem habe ich geheiratet und will eines Tages in ferner Zukunft auch darin begraben werden.“ Dass er zusammen mit 62 anderen ehrenamtlich engagierten Bürgern vom Bundespräsidenten empfangen wurde, empfand er als große Ehre und als einen Höhepunkt seines Lebens: „Nach meiner Hochzeit und der Geburt meines Sohnes Florian vor zwei Jahren“.
Acht Orte, 860 km Pisten, 270 topmoderne Liftanlagen sowie die Heimat von Weltmeistern und Olympiasiegern, dies sind die Eckdaten der Salzburger Sportwelt, die das Herzstück der Ski Amadé bildet.
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Jubel herrschte am 11. Dezember im Hause von Grigori Surkis, Präsident des ukrainischen Fußball-Verbandes. Die UEFA legte die endgültigen Austragungsorte für die Fußball-Europameisterschaft 2012 fest. Nicht die befürchtete „Sechs+Zwei-Lösung“, sondern die erhoffte Verteilung auf vier Stadien in Polen und vier in der Ukraine ist nun Fakt. Aber der größte Teil der Arbeit liegt noch vor den Verantwortlichen. Denn außer schönen neuen Stadien hat das Land keine Infrastruktur vorzuweisen, die einem Sportereignis dieser Dimension gerecht würde. Gravierend sind die Probleme in Lemberg und Donezk: In Galizien fehlt ein Flughafen, der mehr als vier aus dem Ausland ankommende Maschinen pro Tag verkraften kann, und im Donbass gibt es kaum Unterkünfte für Touristen.
Reicht die einende Kraft des Fußballs? In Kiew und Warschau wird man momentan auf diese Frage konträre Antworten bekommen. Während in Polen zeitplangemäß die Stadien in die Höhe wachsen und auch die notwendigen Infrastrukturmaßnahmen mithilfe von EU-Fördermitteln zügig umgesetzt werden, herrscht in der Ukraine das Chaos. Nicht zuletzt deswegen hat die UEFA den spätmöglichsten Entscheidungstermin gewählt, um der Ukraine alle Chancen einzuräumen, die vier Spielstätten Charkiv, Donezk, Kiew und Lemberg zu ermöglichen. Und sie hat mit ihrer Entscheidung nicht in den schon heftig tobenden Präsidentschaftswahlkampf eingegriffen. Denn sowohl der aktuelle Favorit Wiktor Janukowitsch als auch seine aussichtsreichste Konkurrentin Julia Timoschenko hätten dem Gegner die Zurückweisung eines Austragungsortes seitens der UEFA als Versagen in die Schuhe schieben können: Janukowitsch Timoschenko bei Lemberg, Timoschenko Janukowitsch bei Donezk.
Hoffnung auf Stabilität
Die Ukraine nimmt Kurs auf Europa
VON ANGELIKA BASDORF
Der neue Mann an der Spitze des größten europäischen Landes hat diesmal sein Ziel durch demokratische Wahlen erreicht; einer Wahlfälschung bedurfte es nicht, auch wenn Julia Timoschenko es immer noch nicht glauben will. Bis jetzt hat er sich dazu jeglicher Häme enthalten. Er hat dazugelernt. Aber staatsmännisch wirkte er noch nicht, als er gestern in Brüssel mit Manuel Barroso vor die Presse trat. Er hatte nicht viel zu sagen, wie schon im gesamten Wahlkampf nicht. Dennoch traut ihm die selbstbewusster gewordene ukrainische Bevölkerung zu, das Land zu stabilisieren. Der Historiker Professor Gerhard Simon sieht in dem Wahlergebnis kein Indiz dafür, dass West- und Ost-Ukraine auseinander driften. Zwar gibt es Regionen mit Extremwerten, zum Beispiel Lwiw (Lemberg) mit über 86 Prozent für Julia Timoschenko und Donezk mit 90 Prozent für Wiktor Janukowitsch, aber in vielen Gebieten in der Landesmitte lagen beide Kandidaten bis zuletzt spannend gleichauf.
Als positiv wertet der Ukraine-Experte Simon die Tatsache, dass die elementaren Regeln der Demokratie funktionieren und dass sowohl links- als auch rechtsextreme Parteien chancenlos sind. Im Parlament allerdings habe sich bisher keine politische Kultur entwickelt, und zunächst steht Janukowitsch einer Premierministerin gegenüber, die seine Politik mit allen Mitteln blockieren will. „Das sind infantile, aber gefährliche Manipulationen“, sagt Simon. Janukowitsch ist zu wünschen, dass ihm bald eine neue Fraktionsbildung in der Werchowna Rada gelingt und er dann mit einem neuen Premierminister gemeinsam das brachliegende Regierungsgeschäft ankurbelt. Da wären zunächst die Aufstellung und Verabschiedung eines Haushaltsplans für das laufende Jahr, die Beseitigung von Mängeln in der 2005 mit heißer Nadel gestrickten Verfassung und die Installierung eines richtigen Verfassungsgerichts.
Außerdem steht das Land finanziell am Abgrund und hängt am Tropf des IWF. Helfen kann da eigentlich nur die EU – mit Investoren und Vertrauen in die Reformkraft einer neuen Präsidialmehrheit. „Zur Westintegration gibt es für die Ukraine keine Alternative“, glaubt Professor Simon. Aber Janukowitsch sei klug genug, auch auf russische Empfindlichkeiten Rücksicht zu nehmen. So erteilt er zum Beispiel einer Nato-Mitgliedschaft seines Landes eine klare Absage: „Eine blockfreie Ukraine ist die Brücke zwischen Russland und der EU.“
„Der Bauberuf ist meine Zukunft“
VON ANGELIKA BASDORF
Darauf hofft zum Beispiel der 20-jährige Danny. Seine Zwischenprüfung als Spezialhochbaufacharbeiter hat er mit der Note 1,2 absolviert. „Der Bauberuf ist meine Zukunft, meine Welt“, sagt er. Bis er das außerhalb der Gefängnismauern unter Beweis stellen kann, wird allerdings noch einige Zeit vergehen. „Gleichwohl“, so der stellvertretende Leiter der JVA Heinsberg, Wilhelm Kroh, „wirkt sich eine mit guten Ergebnissen abgeschlossene Ausbildung positiv auf die Beurteilung aus, wenn es um Haftlockerung oder das Aussetzen einer Reststrafe zur Bewährung geht.“
Für solche Kandidaten wollen sich Frank Pawlik und Herbert Schaefer einsetzen. Einige der BZB-Angebote sind wie geschaffen für Jugendliche, die auf dem Weg ins Berufsleben besonders an die Hand genommen werden müssen – zum Beispiel der „1,2,3…Azubi-fit-Test, an dessen Ende die passgenaue Vermittlung in einen Baubetrieb steht, oder das „Baujob-Casting“ in den kommenden Osterferien. Derzeit prüfen die Berufskoordinatoren in den JVAs, welche Jugendlichen aus dem Sepp-Herberger-Projekt „Anstoß für ein neues Leben“ für diese Angebote in Frage kommen.
Dass es für Handwerksunternehmer nicht leicht ist, haftentlassene Jugendliche in ihrem Betrieb zu integrieren, weiß Frank Pawlik genau. Für sie wird er noch in diesem Jahr ein Seminar zum Thema „Umgang mit schwierigen Jugendlichen“ anbieten. Außerdem möchte der BZB-Geschäftsführer einen Erfahrungsaustausch seiner Ausbilder mit ihren Kollegen in den Haftanstalten initiieren. „Denn“, so sein Fazit nach dem Besuch in der JVA Heinsberg, „die Jugendlichen hier sind nicht anders als unsere Lehrlinge draußen.“
Inzwischen organisieren die Sportkoordinatoren der sechs nordrhein-westfälischen Jugendstrafanstalten Heinsberg, Herford, Hövelhof, Iserlohn, Köln und Siegburg den Ligabetrieb des Fußballprojektes im dritten Jahr. Er bildet die sportliche Komponente von „Anstoß für ein neues Leben“, das der Westdeutsche Handwerkskammertag (WHKT) als Partner der Sepp-Herberger-Stiftung und des NRW-Justizministeriums Projekt mit auf den Weg gebracht hat. Freuen dürfen sich alle Beteiligten und Interessenten schon heute auf das Abschlussturnier am 4. September in der JVA Köln-Ossendorf mit Beteiligung eines prominenten Fußballspielers. Zuschauer sind dabei ebenso willkommen wie Handwerksunternehmer, die bereit sind, einem haftentlassenen Jugendlichen in ihrem Betrieb eine berufliche Chance zu geben. Anfragen dazu richten Sie bitte an basdorf@handwerksblatt.de.
Näheres zum Projekt „Anstoß für ein neues Leben“ der Sepp-Herberger Stiftung erfahren Sie im Internet unter www.handwerksblatt.de.
Meisterwerk aus Köln ist alljährlicher Berlinale-Star
Die Bildhauerin Gesina Liebe schuf die Statuette für den Caligari-Filmpreis
VON ANGELIKA BASDORF
Rasche Hilfe bei Rechtstreitigkeiten
Vor allem im Bausektor bietet sich eine Gerichtsmediation an
VON ANGELIKA BASDORF
Catering:
Das Niveau muss stimmen
VON ANGELIKA BASDORF
Das simple Angebot eines Sektempfangs oder Abendessens im Hotel-Restaurant genügt den Ansprüchen unserer heutigen Gesellschaft nicht mehr. Auf der Stromburg können die Gäste sicher sein, dass sie etwas Besonderes geboten bekommen. Johann Lafer ist weithin bekannt für seine kulinarischen Kreationen, die er auf Anfrage auch außerhalb seines Schlosshotels serviert. Wie die meisten Hoteliers ist er dadurch zu Caterern geworden, dass es aus dem Stammgastbereich Anfragen dazu gab. Aber selbst akquiriert Lafer keine Cateringaufträge. Denn schon jetzt bewältigt er pro Monat zwei große Caterings, dazu kommen noch die Kochshows und kleinere Aufträge. Das Niveau ist hoch. „Wir machen keine Kompromisse, was die Qualität der Produkte und das Erscheinungsbild der Servicemitarbeiter angeht“, sagt Lafer. Für ihn ist das Catering keine Frage des Images, sondern muss sich auch rechnen. Kein Catering-Auftrag gleicht dem anderen. Das ist nicht nur bei Lafer so, sondern gilt für alle Gastronomen, die sich in diesem Segment bewegen. Deshalb sei es schwer, so der rheinland-pfälzische Spitzenkoch, dem Kunden im Vorhinein einen bestimmten Preis zu nennen.
Je nach Umfang und zusätzlichen Leistungen muss jeder Auftrag individuell und genau kalkuliert werden. Einen großen Unterschied im Aufwand stellt zum Beispiel die Entscheidung dar, ob das Essen in Büffetform oder als serviertes Menü gereicht wird. Beim Menü lassen sich Geschirr- und Besteckmenge besser kalkulieren, das Speisenangebot auf dem Buffet lässt sich besser vorbereiten, und man kommt mit weniger Personal aus. Sehr in Mode ist derzeit das sogenannte Flying Buffet, bei dem die Servicekräfte vom Tablett nacheinander verschiedene Speisen – Kleinportionen oder Fingerfood – anbieten.
Welche Form der Nahrungsaufnahme gewählt wird, spielt für Johann Lafer nicht die entscheidende Rolle, sondern die Qualität und Frische der Lebensmittel, „die meine Restaurantgäste auch gewohnt sind“. Mit einem unverrückbaren Standard als Grundlage lasse sich immer exakt kalkulieren. Am besten kann Lafer seine Qualitätsphilosophie umsetzen, wenn er bezüglich der kompletten Eventgestaltung freie Hand hat: „Das macht richtig Freude!“ Der Gastronom bezeichnet sein Unternehmen als liberal und ist stolz auf „eine schlanke Verwaltung“. Deshalb gibt es auch keine Mitarbeiter, die sich ausschließlich um das Catering-Geschäft kümmern. „Wenn etwas Größeres ansteht, bündeln wir die Kräfte“, erzählt der Chef von insgesamt 70 Mitarbeitern.
Als fröhlich, unkompliziert, schmackhaft und ehrlich beschrieb das „Gourmet-Magazin“ das von Restaurantführern vielfach ausgezeichnete Restaurant „Le Val d´Or. Das Zusammenspiel von Ideenreichtum, Können, Unverfälschtem und herzlicher Gastfreundschaft stehe für wahre Sinnesfreuden. Diese Atmosphäre des Genusses schafft Johann Lafer nicht allein durch die Kreativität in der Küche. Auch im Service braucht man dazu erfahrenes und gut geschultes Personal.
Wie schafft man es, den eigenen Qualitätsanspruch, den man als Gastronom in der Restaurantküche erfüllt, auf das Catering zu übertragen? Nicht ohne erfahrene Fachkräfte, sagen Premium-Caterer übereinstimmend. „Bei mir müssen alle Bewerber eine einschlägige Vollausbildung nachweisen“, sagt Franz L. Lauter, Chef des Schlossrestaurants Nordkirchen im Münsterland. Er hat schon Aufträge für die Außer-Haus-Bewirtung von 9.000 Gästen durchgeführt, und dazu reicht sein Stammpersonal von 40 Mitarbeitern in Küche, Service und Reinigung nicht aus. Die erfahrene Crew stockt er mit ehemaligen Mitarbeitern, Absolventen von Gastronomieschulen und Spitzenkräften aus den Niederlanden oder der Schweiz auf, die auf Empfehlung zu ihm finden. Neben dem Personal findet er, dass Logistik und Disziplin das Wichtigste sind. Einen optimalen Umgang mit Raum und Zeit hat er selbst schon bewiesen, als er in einer 14 Quadratmeter großen Küche seine ersten Michelin-Sterne erkochte. Die Schlossküche, sein heutiges Reich, umfasst 2.600 Quadratmeter und befähigt ihn, „aus dem Stand“ ein Full-Service-Catering für 600 Personen auszurichten, ohne dass er Geschirr oder anderes Equipment extern beschaffen muss. Parallel dazu werden gleichzeitig etwa 300 Restaurantgäste täglich bekocht und bedient. Lauter behält den Überblick und das Zepter in der Hand, wenn etwa sein Küchenchef ein Catering in Hamburg durchführt, er selbst auf der Gourmetmesse in Stuttgart kocht und der Sous-Chef in Nordkirchen die Stellung hält. „Wir werden lernen müssen, auf drei Hochzeiten gleichzeitig zu tanzen“, appelliert er an seine Kollegen, die sich (noch) nicht auf so viel Gleichzeitigkeit einstellen wollen. Denn der Catering-Markt ist eine Wachstumsbranche. Lauter konnte seinen Catering-Umsatz 2008 um 4,5 Prozent steigern und rechnet für dieses Jahr ebenfalls mit einer Steigerung um etwa zwei Prozent. Das Catering macht nach seiner eigenen Einschätzung 20 bis 30 Prozent seines Gesamtumsatzes aus und wäre noch steigerbar, wenn sich der mit Auszeichnungen Überhäufte nicht selbst eine Begrenzung auferlegte: „Von zehn Aufträgen lehne ich im Durchschnitt zwei ab.“ Ein Grund für die Absage eines Catering-Auftrages kann zum Beispiel sein, dass Lauter an der Bonität oder Zuverlässigkeit des Auftraggebers zweifelt. Gerade, wenn zusätzliches Personal angeheuert werden muss, der Sternekoch in Vorleistung tritt, muss er die Sicherheit haben, nach dem ausgerichteten Event nicht auf der Rechnung sitzen zu bleiben. Deshalb findet Lauter es selbstverständlich, von einem neuen Kunden Referenzen zu verlangen. Das ist in allen Branchen üblich, in der Gastronomie jedoch noch die Ausnahme. Im Übernachtungsgeschäft ist es inzwischen Gang und Gäbe, von fremden Gästen eine Anzahlung, eine Vorauszahlung oder wenigstens die Kreditkartendaten geben zu lassen, im Restaurantbereich wird die Sorge vor offen bleibenden Rechnungen offensichtlich aus Angst, damit einen Kunden zu verlieren, in Kauf genommen.
Niveauvolles Catering hat seinen Preis. Erfahrene Hoteliers kalkulieren für das gastronomische Erlebnis außer Haus wesentlich mehr als für das Essen in den hoteleigenen Räumen. Im Westin Bellevue Dresden zum Beispiel kostet ein Festessen nur 40 Prozent dessen, was bei Außer-Haus-Events berechnet wird. Franz L. Lauters untere Grenze liegt bei 35 Euro pro bewirteter Person für das Essen. All-inclusive-Preise mit Getränken lehnt er ab: „Der Verbrauch wird exakt abgerechnet.“ Johann Lafer kann dafür keinen generellen Preis nennen, weil die Caterings zu unterschiedlich sind: „Aber unter einer gewissen Schwelle lohnt sich der Aufwand im Verhältnis zum Ergebnis nicht. Das lässt man dann lieber bleiben!“
Außer der Abwägung Aufwand zu Gewinn muss der Gastronom im Premiumbereich einen weiteren Aspekt in seine Überlegungen einbeziehen: Passt das gewünschte Event zum Stil meines Hauses? Deckt sich der Kundenwunsch mit meiner kulinarischen Philosophie? Wer einen bayerischen Brauereigasthof betreibt, wird sich mit dem Wunsch nach einem japanischen Sushi-Abend schwer tun. Wer Spezialist für Wild- und Fischgerichte ist, könnte mit den Speisevorstellungen eines Veganer-Kongresses Schwierigkeiten bekommen. Der Betreiber eines rustikalen Landhotels kann dem Kundenwunsch nach feinem Porzellan und Champagner aus Kristallgläsern nicht entsprechen, das Design-Hotel kann nicht mit Bierkrügen und Jägerromantik dienen. Und das mit den Gepflogenheiten des Stammhauses vertraute Fachpersonal wirkt in der falschen Umgebung eingesetzt unter Umständen linkisch und deplatziert. Die Bedienung aus dem Bierzelt kann zwar zehn volle Maßkrüge schleppen, aber kein Tablett mit zehn Champagnergläsern balancieren, die zierliche Getränkekellnerin eines Fünfsternehotels würde dagegen unter der Last der Bierkrüge zusammenbrechen.
In der Gastronomie gibt es keine Alleskönner. Das Catering ist immer dann ein Erfolgsgeschäft, wenn darin der unverkennbare, individuelle Stil Ihres Hauses erkennbar bleibt. Und genau den wollen Ihre Auftraggeber auch beim Catering.
Gelsenkirchener Gegensätze: Maloche und Musik
Am 15. Dezember beging das Musiktheater im Revier (MiR) seinen 50. Geburtstag. Für die Arbeiterstadt Gelsenkirchen ist der Spielplan eine Herausforderung.
VON ANGELIKA BASDORF
„Eine disfunktionale Demokratie“
Wer wird Präsident(-in) der Ukraine?
VON ANGELIKA BASDORF
„Den Öffnungsprozess zur EU kann kein Präsident zum Stillstand bringen“, sagt Alina Getmantschuk, Chefredakteurin der wichtigen außenpolitischen Zeitschrift „Glavred“. Sie hat beobachtet, dass Timoschenko und Angela Merkel auf einer Wellenlänge liegen. „Die Ukraine ist ein europäisches Land“, lässt auch Professor Simon keinen Zweifel. Aber 17,7 Prozent der Wahlberechtigten, in der Mehrheit diejenigen, die früher „orange“ gewählt haben, wollen im zweiten Wahlgang weder Timoschenko noch Janukowitsch ihre Stimme geben.
Als disfunktionale Demokratie bezeichnet der Schriftsteller Mykola Rjabtschuk den Zustand seines Heimatlandes. Denn weder die Regierung noch die Opposition verfügt im Parlament über eine Mehrheit. Sollte Timoschenko Präsidentin werden, wird es vermutlich keine vorgezogenen Parlamentswahlen geben, weil viele an der Macht bleiben wollen und dafür auch bereit sind, zu Timoschenko überzulaufen. Sollte Janukowitsch die Wahl für sich entscheiden, wird Timoschenko das Parlament auch nicht auflösen, weil sie dann wenigstens Premierministerin bleiben will.
Außenpolitisch dürfte Janukowitsch im Vergleich zu Timoschenko ein sperriger Partner für die EU sein. Aber, so Professor Simon, auch unter ihm werde die Ukraine nicht zu einem Satelliten Russlands werden: „Das verhindern nicht zuletzt die Oligarchen und die neuen nationalen Eliten insgesamt, die keineswegs unter die Fuchtel Russlands zurück wollen.“
Begehrter Glücksbringer im Schloss Bellevue
Kaminkehrermeister Thadäus Mußner war beim Neujahrsempfang des Bundespräsidenten Hahn im Korb und Presseliebling.
VON ANGELIKA BASDORF
Mußner ist Initiator und Organisator der „Aktion Kaminkehrer“, bei der Geld für hilfsbedürftige Familien gesammelt wird. Die Aktion erstreckt sich jeweils über einen Zeitraum von einem Jahr, abschließender Höhepunkt ist immer eine Feier mit einem Umzug von bis zu 400 Kaminkehrern. Dass er jemand ist, der anderen Menschen gerne eine Freude macht, erlebten auch die insgesamt über 200 Gäste des Neujahrsempfangs. Der 48-Jährige erwies sich als gut vorbereitet. Nach dem Defilee hatte er für jeden einen Glückspfennig in der Tasche. Damit ihm die so schnell nicht ausgehen, so erzählt er, hatte er sich vor der Währungsumstellung zu Hause einen Vorrat im Wert von 1.000 D-Mark angelegt, Glückscents sind ihm nicht traditionell genug. Besonders die Damen zupften Mußner nach altem Neujahrsbrauch gerne am Anzugärmel, was ebenfalls Glück fürs neue Jahr verheißt, allen voran die Politikerinnen: Bundeskanzlerin Angela Merkel ebenso wie Landwirtschaftministerin Ilse Aigner, Justizministerin Sabine Leutheuser-Schnarrenberger und die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Renate Künast. Bereitwillig ließ sich der „Ruaß“, wie Mußner sich selbst nennt, mit allen fotografieren. Sein bajuwarischer Charme kam auch bei den Medien gut an: Fast alle Zeitungen der Republik berichteten über den Neujahrsempfang des Bundespräsidenten mit einem Foto von Thadäus Mußner.
Der Bezirkskaminkehrermeister ist Schornsteinfeger mit Leib und Seele. In keinem anderen Beruf komme man mit den Menschen so leicht in Kontakt, schwärmt er. Zu Beginn seiner Lehrzeit sah er das noch nicht so, zumal es in diesem Beruf keine Familientradition gab: „Mein Vater war Maurer. Er kannte einen Kaminkehrer und hat mit ihm ausgemacht, dass der mich als Lehrling einstellt. Am ersten Abend hab’ ich Rotz und Wasser geheult – der Schmutz, Angst vor Lungenkrebs – ich fand es schrecklich! Aber nach nur einer Woche war ich so begeistert, dass ich nichts anderes mehr machen wollte.“ 1983 legte Mußner die Meisterprüfung ab. Seit 1990 hat er seinen Kehrbezirk, den er heute mit einem Gesellen und einem Lehrling versorgt. Sein soziales Engagement stellt er im Gespräch gerne unter den Scheffel. „Ich weiß gar nicht, warum ich eigentlich hier bin“, sagte er beim Mittagessen in Schloss Bellevue, zu dem der Bundespräsident und seine Frau im Anschluss an den Empfang die 63 Bürger eingeladen hatten. Aber über seine Kaminkehrer-Aktion könne er fast ein Buch schreiben, bekennt der Initiator. Der schönste Dank sei von der Mutter eines behinderten Kindes gekommen: „Du hast uns ein Stück Glück gebracht!“ Diesen Aspekt hob auch der Bundespräsident in einer kurzen Ansprache an die ehrenamtlich engagierten Bürger hervor. Viele von ihnen arbeiteten unentgeltlich, weil man das, was sie dafür zurück bekommen, ohnehin nicht kaufen könne: Dankbarkeit und Liebe. „Ohne Menschen wie Sie“, sagte Köhler, „kann ein Gemeinwesen nicht funktionieren.“
Zu diesen Menschen darf sich auch Carola Greiner-Bezdeka zählen. Sie hatte der Bundespräsident ebenfalls zum Neujahrsempfang eingeladen. Die Elektroinstallateur-Meisterin aus Weichering setzt sich seit 2004 als Vorstandsmitglied der Handwerkskammer für München und Oberbayern dafür ein, dass Mädchen mehr von den vielfältigen Berufs- und Karrieremöglichkeiten im Handwerk erfahren und ermutigt sie, gewerblich-technische Berufe zu ergreifen.
Kristallklare Luft und ein Sprungbrett für Weltmeister
Die Sportwelt Amadé ist das Herzstück des österreichischen Wintersports
VON ANGELIKA UND FABIAN BASDORF
Langer Schatten der Euro 2012
Die Ukraine steckt im politisch-organisatorischen Chaos fest
VON ANGELIKA BASDORF
„Große Bauprojekte haben immer etwas mit Politik zu tun“, sagt Professor Marek Nowak. Er ist der leitende Architekt des Stadionumbaus in Kiew. Den Zuschlag dafür bekam er nicht zufällig. Er hatte schon das Rhein-Energie-Stadion bei laufendem Betrieb umgebaut, und auch der Umbau des schlesischen Nationalstadions in Chorzów für die Euro 2012 trägt seine Handschrift.
Dr. Michael Himalij hat 2006 den ukrainischen Fußballverband und die Nationalmannschaft auf die Weltmeisterschaft vorbereitet und nach Deutschland begleitet. Seitdem, so sagt er, träume der davon, als Veranstalter der Europameisterschaft 2012 das Ansehen der Ukraine zu steigern. Aber die Politik des Landes sei zu sehr mit sich selbst beschäftigt, und die Bevölkerung sorge sich mehr um die Talfahrt der Wirtschaft als um einen Sport, der kein Volkssport ist.
Die Ukrainer sehnen sich nach politischer und vor allem wirtschaftlicher Stabilität. Diese Ziele sind schwer zu erreichen mit einem Präsidenten, der alle Boni der Revolution in Orange aufgebraucht hat, und einem Parlament, in dem weder die Regierung noch die Opposition über eine Mehrheit verfügt. Mykola Rjabtschuk, Schriftsteller und einer der einflussreichsten politischen Kommentatoren seines Landes, sagt: „Die Ukraine ist eine dysfunktionale Demokratie, in der es kein Recht gibt, das greift, und Gesetze sich widersprechen.“
Vielleicht kann der Vertrauensvorschuss der UEFA , deren Zuversicht, dass die Ukraine sich als europameisterschaftstauglich erweist, in der Bevölkerung ein neues europäisches Selbstbewusstsein bewirken. „Denn“, so Alina Getmantschuk, Chefredakteurin der wichtigen außenpolitischen Zeitschrift „Glavred“, „dass Janukowitsch einen prorussischen und Timoschenko einen proeuropäischen Kurs einschlagen wird, ist eine Verkürzung der Positionen, die so nicht stimmt. Den Öffnungsprozess des Landes kann kein Präsident zum Stillstand bringen.“ Und der Politologe Professor Oleksiy Haran rät: Der Westen sollte die Ukraine nicht immer durch die russische Brille betrachten.“
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